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FrauenWohnen eG – Frauen schaffen Wohnraum für Frauen München (Riem)

   
TypAutonome Frauenwohnprojekte
StandortMünchen
Projektierungsbeginn1990
Fertigstellung/Erstbezug2006
KontaktWohnungsbaugenossenschaft: FrauenWohnen eG
info[at]frauenwohnen.de
http://www.frauenwohnen.de
SchwerpunkteFeministisches Frauen/Lesbenprojekt einer Frauenwohnungsbau-Genossinnenschaft, zu der ausschließlich Frauen Zutritt haben
BesonderheitFrauenWohnen eG wurde 2005/06 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Modelle genossenschaftlichen Wohnens – Erschließen von Genossenschaftspotenzialen“ des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) erforscht und gefördert. ExWoSt ist ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), das vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) koordiniert wird. 2007 hat FrauenWohnen den Bayerischen Wohnungsbaupreis für „Neue Nachbarschaften“ gewonnen. Der Preis wurde vom Bayrischen Innenministerium verliehen.
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinEine Gruppe von Frauen (darunter einige Architektinnen), zum Teil aus dem Umfeld der autonomen Frauenbewegung, die 1995 den Verein „FrauenWohnen e. V.“ und 1998 die Genossenschaft „FrauenWohnen eG“ gründeten.
EigentumWohnungsbaugenossenschaft FrauenWohnen eG
ArchitekturPlanungsgemeinschaft „Zwischenräume“, München
ProjektumfangDie Genossenschaft erstellte ihre erste Wohnanlage in München Messestadt Riem auf dem ehemaligen Flugplatzgelände unmittelbar am Park der Bundesgartenschau 2005.
WohnungenDie 49 Wohnungen sind 36 m² bis 75 m² groß. Es gibt ausreichend individuelle Abstellräume und Tiefgaragenstellplätze.
GemeinschaftsflächenAls allen Bewohnerinnen zur Verfügung stehende Gemeinschaftsflächen gibt es einen Gemeinschaftsraum mit Terrasse in den Hof, ein Gästeapartment, einen Gemeinschaftsraum im Keller (Werkstatt und Fitnessraum), einen Waschkeller und diverse Abstellräume.
Im Außenbereich sind ein Bewohnerinnen-Nutzgarten sowie Spielplätze für kleine und große Kinder mit Geräteschuppen und überdachten Fahrradstellplätzen geschaffen worden.
sonstige Flächen Zu dem Projekt gehören Büroflächen für freiberufliche Nutzungen mit 110 m², die individuell oder an eine Bürogemeinschaft mehrerer Frauen vergeben werden können.
Kosten/MietenDie Gesamtkosten für das erste Projekt in München Riem betrugen 7,6 Mio €. Die Baukosten (ohne Grundstück) betrugen 1.250 € pro m² Wohnfläche. Die Anfangsmieten betragen für die freifinanzierten Wohnungen 10 € pro m² Nettokaltmiete, für die geförderten, entsprechend der jeweiligen Förderstufe, zwischen ca. 5 € und 7 €. Die Nebenkosten betragen1,50 € m² Wohnfläche. Die Mieten sind kosten-, nicht gewinnorientiert. Außerdem haben die Bewohnerinnen ein lebenslanges Wohnrecht.
Finanzierung/FörderungDas Grundstück wurde von der Stadt gekauft.
Grundlage der Finanzierung ist ein relativ hoher Eigenkapitalanteil der Genossenschaft (mind. 25 %), um die Kapitalkosten möglichst niedrig zu halten. 30 % des Finanzierungsvolumens kommen aus günstigen KfW-Krediten (für ökologisches Bauen: KfW 40-Haus), 25 % sind öffentliche Kredite für die geförderten Wohnungen und 20 % herkömmliche Bankdarlehen.
21 Wohnungen sind freifinanziert.
28 der 49 Wohneinheiten sind sozial gefördert (nach EOF, Einkommensorientierte Förderung).
Jede Bewohnerin muss der Genossenschaft angehören. Für den Beitritt ist ein erster Pflichtanteil von 100 € zu zeichnen. Außerdem muss jede Bewohnerin als Beitrag zur Finanzierung eine Eigenkapitaleinlage in die Genossenschaft einbringen. Diese beträgt in Riem für die freifinanzierten Wohnungen 870 € pro m² Wohnfläche, bei den geförderten Wohnungen je nach Förderstufe zwischen 400 € und 620 € pro m² Wohnfläche. Zieht eine Bewohnerin aus, bekommt sie ihre Eigenkapitaleinlage zurück, bei Tod geht diese an die Erben. Die Rückzahlung der Eigenkapitaleinlage wird durch einen entsprechenden Beitrag der nachziehenden Bewohnerin refinanziert. Pflichtanteile – dazu gehört auch die Eigenkapitaleinlage – werden nicht verzinst, auf zusätzliche freiwillige Genossenschaftsanteile wird eine Dividende bis zu 4 % ausgezahlt.
Alle Mitfrauen, seien es Bewohnerinnen oder solche, die nicht einziehen wollen – und das ist die Mehrheit der Mitfrauen – können zusätzlich zu ihren Pflichtanteilen freiwillige Genossenschaftsanteile zeichnen.
ZielgruppenFrauen in ihrer Vielfalt: jung bis alt, aus allen Ländern, heterosexuell, bi oder lesbisch, alleinstehend, mit Frauen, mit Männern, mit Kindern - prinzipiell jede Lebensform
ZielsetzungenZiel des Projektes ist es, das Grundrecht „Wohnen“ für Frauen zu sichern, die Wohnraumversorgung von Frauen jeden Alters in München zu verbessern, Wohneigentumsformen für Frauen zu fördern und neue, von der Wohnungspolitik bisher vernachlässigte Wohnformen zu entwickeln und zu unterstützen. Ziel ist die Schaffung von Wohnraum für die „neue“ Frau: die allein lebende, autonome, emanzipierte Frau. Ziel ist ein Projekt, das all das umsetzt, was in (feministischen) Fachkreisen seit langem gefordert wird. Frauen sollen als Expertinnen für Wohnen, als Akteurinnen auf den Plan treten und in das Geschehen auf dem Wohnungsmarkt aktiv eingreifen: als Planerinnen, als gemeinschaftliche Eigentümerinnen, als Immobilien- und Sachverwalterinnen von nachhaltig bezahlbarem Wohnraum für die selbstbestimmte Frau in unterschiedlichen Lebensformen. Der so geschaffene Wohnraum soll den üblichen Verwertungsmechanismen des Wohnungsmarktes entzogen werden.
Angestrebt wird eine Gemeinschaft gleichberechtigter Menschen, in der alle nach ihren jeweiligen Vorstellungen leben können, sofern die Interessen der MitbewohnerInnen nicht beeinträchtigt werden, bei der aber allmählich ein Miteinander entsteht, bei dem Achtsamkeit und Rücksicht das Leben bestimmen, bei der Wahlverwandtschaften entstehen und es eine Selbstverständlichkeit sein wird, Hilfe zu erbitten und anzubieten, wenn es erforderlich ist – ein Schritt aus der Anonymität der Großstadt in die Geborgenheit einer Frauengemeinschaft.
Allein erziehende Mütter können sich in der Wohnanlage gegenseitig besser unterstützen und für eventuelle Einzelkinder Wahlgeschwister finden. Die älteren Frauen freuen sich über Wahlenkel und bieten ihre Hilfe zur Entlastung der jüngeren an.
Männer können als Lebenspartner von Frauen mit in die Wohnung einziehen, jedoch nicht Mitglied in der Genossenschaft werden.
PartizipationDie Bewohnerinnen waren (als Genossinnen) an allen Planungen und Entscheidungen aktiv beteiligt. Zwar ist der von der Mitfrauenversammlung gewählte Vorstand aus fachkompetenten Frauen für Planung und Bauausführung, für die Finanzen und für die Vertretung der Genossenschaft bei Behörden und in der Öffentlichkeit verantwortlich. Doch richten sich die Vorstandsfrauen möglichst nach den Wünschen der Bewohnerinnen, die in den Begegnungsgruppen (für jedes Projekt extra) ihre Vorstellungen vom Zusammenleben konkretisieren und koordinieren. In regelmäßigen Plenen treffen sich alle „aktiven“ Frauen mit dem Vorstand.
Das soziale Leben wird auch durch den Verein FrauenWohnen e. V. unterstützt, der Fortbildungen, kulturelle und gesellige Veranstaltungen anbietet.
LageDas Projekt liegt im zweiten Bauabschnitt des für insgesamt 16.000 BewohnerInnen geplanten, auf dem ehemaligen Flugplatz München-Riem errichteten Stadtteils „Messestadt Riem“. Der Stadtteil ist mit aller notwendigen Infrastruktur ausgestattet (Einkaufszentrum, Ärzte, Apotheken, Kindergärten, Schulen, Gaststätten, Altenservicezentrum, Kulturzentrum). Bereits eingerichtet wurde ein stadtteileigener Fernsehkanal, der Kommunikation und Informationsaustausch unter den BewohnerInnen fördern soll. Südlich des bebauten Geländes erstreckt sich der Park der Bundesgartenschau (2005) mit Badesee und Rodelberg. Die Wohnanlage von FrauenWohnen liegt nahe am Park und gut fünf Minuten von der U-Bahn entfernt. Die Innenstadt ist in 15 Minuten erreichbar.
GebäudeDie 2- bis 5-geschossigen Gebäude werden von einem grünen Innenhof aus über Laubengänge erschlossen, um den Gemeinschaftsgedanken auch architektonisch auszudrücken. Nach außen haben alle Wohnungen große Loggien oder Privatgärten mit Ausblick ins Grüne. Die gesamte Anlage ist barrierefrei nach DIN 18025 Teil 2. Ein Aufzug erreicht alle Ebenen, alle Wohnungen und Gemeinschaftsräume sind schwellenlos, Raumgrößen und Türbreiten sind rollstuhlgerecht.
AussenanlagenDer U-förmige Grundriss der Wohnanlage bildet einen großzügigen geschützten Innenhof, zu dem die Laubengänge und Küchen orientiert sind.
ÖkologieDas Ultraniedrigenergiehaus mit Passivhaus-Standard verfügt neben einer kontrollierten Wohnraumlüftung auch über die Möglichkeit, mit Heizkörpern die Raumtemperatur den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Die Wohnungen sind nach Süden, Westen und Osten ausgerichtet. Es sollten ökologisch sinnvolle Technologien (z. B. Sonnenkollektoren für Heißwasser; Stromerzeugung durch Fotovoltaik, Erdwärme) eingesetzt werden. Ein umweltbewusster Wohnalltag soll durch eine ressourcen- und energieschonende Betriebs- und Lebensweise gefördert werden. Die Versiegelung von Bodenflächen sollte minimiert werden. Da viele der Bewohnerinnen kein Auto haben – ob aus finanziellen Gründen oder aus Überzeugung, zumal wegen guter öffentlicher Anbindung ein autofreies Leben möglich ist – wurde bei der Städtischen Lokalbaukommission ein reduzierter Stellplatzschlüssel beantragt, der mit Auflagen genehmigt wurde.
Chronik1990: Initiative von Münchner Frauen zur Schaffung eines selbstverwalteten Frauenwohnprojekts
1995: Gründung des Vereins „FrauenWohnen e. V.“; Fachtagung zusammen mit drei anderen Münchener Frauenprojekten zum Thema „Autonome Lebens- und Wohnformen für Frauen“
1998: Gründung der Genossenschaft FrauenWohnen eG
Langjährige Bemühungen um ein städtisches Grundstück nahe dem Olympiagelände (sog. Ackermannbogen)
2000: Das Projekt „Ackermannbogen“ scheitert endgültig, weil die Wohnungen dort für FrauenWohnen unbezahlbar würden und ihr kommunikatives Konzept sich dort nicht realisieren lassen würde
2001: Die Stadt bietet die Beteiligung an einem Sanierungsprojekt im Westend an
2001: Aussicht auf ein Grundstück in Riem
2005: Baubeginn in Riem
2006: Fertigstellung der Wohnungen in Riem
Entwicklungen seit Erstbezug • Anita-Augspurg-Preis der LH München 2007 • Bayerischer Wohnungsbaupreis, Neue Nachbarschaften 2007 • Bauherrenpreis der LH München, Messestadt Riem 2008 • Deutscher Bauherrenpreis, Hohe Qualität, tragbare Kosten 2008 • Ehrenpreis des Bauherrenpreises 2010, LH München • Der Solarpark FrauenWohnen ist ein Eigenkapitalfonds von Green City Energy, dessen Anteile ausschließlich von Mitfrauen der Genossenschaft gezeichnet wurden. Die Photovoltaik-Anlage befindet sich auf dem Dach der Wohnanlage von FrauenWohnen in Riem und ist seit 2010 in Betrieb • Das Gräberfeld Schiefe Kiefer liegt auf dem neuen Friedhof München Riem. Mitfrauen der Genossenschaft können sich dort beerdigen lassen, wenn sie zu Lebzeiten dem Verein Schiefe Kiefer beitreten. Die schlichte Rasenfläche schmückt das Kunstwerk ‚Raumzeichnung III’ von Inge Regnat-Ulner
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung von Wohnraum/Wohneigentum, bezahlbar aus den (niedrigeren) Einkommen von Frauen
  • Schaffung und Sicherung von Wohnraum für eine Frauengemeinschaft
  • Selbstverwaltung und Selbstbestimmung
  • Planung durch Architektinnen unter starker Beteiligung der künftigen Bewohnerinnen
  • Arbeitsplätze in Wohnungsnähe, z.B. Büro, Therapie, Altenpflege
  • Alten- und behindertengerechte Wohnungen, damit die Frauen ihr lebenslanges Wohnrecht nutzen können (generationenübergreifendes Wohnen)
  • vielfältige Wohnungsgrundrisse/-größen für verschiedene Bedürfnisse
  • gleich große, nutzungsneutrale Räume
  • Küchen als Aufenthaltsräume nutzbar bzw. Küche in Wohnbereich integriert
  • Unterstützung von Kommunikation durch architektonische Maßnahmen (Laubengänge, grüne Innenbereiche mit Gemeinschaftsflächen, Gemeinschaftsraum für Versammlungen und Feiern)
  • Gastlichkeit trotz kleiner Wohnungen: Gästeappartement, Gemeinschaftsraum
  • Sicherheitsbedürfnis: Beleuchtung, Übersichtlichkeit
  • Autoreduzierte Anlagen, weil Frauen weniger Autos haben/brauchen
  • gute infrastrukturelle Ausstattung (ausreichende Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Freizeit- und kulturelle Angebote)
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