Navigation überspringen
homeimpressum/kontaktdrucksitemapverzeichnisse

Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Initiierung, Gruppenbildung

Bei allen dokumentierten autonomen Projekten kommt der Anstoß von einer einzelnen Frau oder einer kleinen Gruppe von Frauen, die – oft angeregt durch andere Beispiele oder, wie bei den frühen autonomen Projekten, im Zuge von Auseinandersetzungen über städtische Umstrukturierungsprozesse (Häuserkampf) – die Idee hat bzw. haben, ein Frauenwohnprojekt zu realisieren. Initiatorinnen erfolgreicher Projekte – insbesondere von Projekten für Alleinerziehende oder für ältere/alte Frauen – waren und sind jedoch auch Gleichstellungsbeauftragte von Kommunen oder anderen (z. B. kirchlichen) Einrichtungen. Gelegentlich sind auch Architektinnen unter den Initiatorinnen zu finden, die ihre aus der Kritik am vorherrschenden Wohnungsbau heraus entwickelten Alternativ-Konzepte umsetzen wollen. Das gilt insbesondere bei Projekten des frauenfreundlichen Wohnungsbaus.
Unsere Hinweise richten sich prinzipiell an alle Initiatorinnen und Gruppen, allerdings sind nicht alle Punkte für alle Projekttypen gleich bedeutsam.

Bitte wählen Sie ein Thema:

  • Auftaktveranstaltung
  • Kurse, Seminare, Zukunftswerkstätten, regelmäßige Treffen
  • Kontaktmöglichkeit für neue Frauen
  • Besuch bestehender Projekte, Kontaktaufnahme zu Netzwerken
  • Vereinsgründung/Gemeinnützigkeit
  • Professionelle Unterstützung der Projektentwicklung/Beratungsstellen/Informationsquellen

    Ohne professionelle Unterstützung zumindest in einigen Bereichen ist die Entwicklung eines Frauenwohnprojektes kaum möglich, es sei denn, der Gruppe gehören entsprechende Fachfrauen an. Zu diesen Bereichen gehören neben der bereits erwähnten Moderation der Gruppen(bildungs)prozesse vor allem Fragen der Finanzierung und der rechtlichen Absicherung sowie die unmittelbar auf das Bauen bezogenen Aktivitäten.

    Inzwischen haben sich auf unterschiedlichen Ebenen Informations- und Beratungsstrukturen herausgebildet. Zu nennen sind zum einen die nicht-staatlichen Organisationen, die, teilweise aus Initiativen „von unten“ entstanden, langjährige Erfahrungen in der Beratung und Entwicklung von Wohnprojekten haben. Zu nennen sind hier u. a. die Wohnbundberatungen in Bochum [l_73] und Frankfurt, die Stattbau Hamburg [l_67], die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung Hamburg, die WoGeno in München, der Verein bzw. die Genossenschaft Urbanes Wohnen in München sowie das bundesweite Forum gemeinschaftliches Wohnen [l_41]. Diese Organisationen werden inzwischen auch von öffentlichen Stellen (partiell) unterstützt: Die Wohnbund-Beratung in Bochum ist eines der beiden Regionalbüros für „Neue Wohnformen im Alter“, die vom Land NRW seit 1997 gefördert werden und neben Öffentlichkeitsarbeit zum Thema „Wohnen im Alter“ unter anderem auch Wohnprojekte beraten, soweit sie (auch) neue Wohnformen für ältere und alte Menschen bieten. Die zweite Regionalstelle befindet sich in Köln. Der Verein „Urbanes Wohnen“ hat mit Unterstützung des Bayrischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Frauen einen Wohnprojekte-Atlas für Bayern erstellt [l_74]. In dem Atlas werden vielfältige Möglichkeiten des gemeinschaftlichen Wohnens präsentiert sowie Projekte und Initiativen aus ganz Bayern vorgestellt. Das Forum gemeinschaftliches Wohnen betreibt zusammen mit dem Wohnbund und der Stiftung trias ein bundesweites „Wohnprojekte-Portal“, in das sich im Entstehen befindliche Projekte ebenso wie Interessentinnen eintragen können. Das Portal fungiert also als ein Art Kontaktbörse, bietet aber auch Adressen von Beratungsstellen und feiberuflichen BeraterInnen. In dieses „Branchenbuch“ können sich BeraterInnen für eine Gebühr von 80 € im Jahr eintragen [l_50].

    Auch in anderen Bundesländern existieren zum Teil landesweite Beratungsnetzwerke[l_28]. Der Arbeitskreis Wohnprojekte in Berlin (AK-WiB) versteht sich als Netzwerk und Interessenvertretung Berliner Wohnprojekte und arbeitet eng mit dem Informationsnetz Wohnprojekte Berlin zusammen [l_49]. Die hessische Fachstelle für Wohnberatung (HFW) in Kassel ist eine „Anlaufstelle für Wohnprojekte“ und moderiert darüber hinaus die die seit 2000 existierende Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinschaftlich Wohnen“ [l_46].

    Eine andere, bereits seit längerem existierende Gruppe von Wohnberatungsstellen bietet – meist in Verbindung mit Trägern der Wohlfahrtspflege – älteren und alten Menschen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf oder deren Angehörigen Beratungen zu Fragen der Wohnungsanpassung und zu Wohnalternativen, vom betreuten Wohnen bis zum Pflegeheim, einschließlich finanzieller Fragen, an. Im Zentrum stehen hier jedoch konkrete Hilfestellungen auf individueller Ebene. Eine allgemeine Beratung von Projekten, kann von diesen Beratungsstellen in der Regel auch dann nicht geleistet werden, wenn an diesen ältere Frauen beteiligt sind.

    Neben diesen teilweise bereits seit langem bestehenden nicht-staatlichen, gleichwohl nicht selten staatlich unterstützten, Beratungsstellen sind inzwischen auch kommunale Unterstützungsangebote entstanden. Nach einer Befragung des Deutschen Instituts für Urbanistik bei Kommunen mit mehr als 250 000 EinwohnerInnen aus dem Jahr 2007 [l_17] haben 16 von 30 Städten Beratungsstellen für Wohnprojekte eingerichtet (Aachen, Augsburg, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Stuttgart, Tübingen und Wiesbaden). Allerdings konzentriert sich die Beratung in vielen Fällen auf „Baugruppen- bzw. Baugemeinschaften“, d. h. Haushalte, die gemeinsam, ohne BauträgerIn, Wohnungseigentum bilden wollen und an denen vorwiegend Familien beteiligt sind. Aber auch das Thema „Wohnen älterer und alter Menschen“ sowie das generationenübergreifende Wohnen spielen in vielen der befragten Gemeinden eine Rolle. Die Städte erstellen Informationsbroschüren, vermitteln und organisieren Kontaktbörsen, entwickeln Internetauftritte mit Informationen/Datenbanken zu geplanten bzw. weitere InteressentInnen suchenden Projekten und führen Informationsveranstaltungen zu Wohnprojekten durch. Die aktuellen Aktivitäten der befragten Städte sind in der genannten Studie im einzelnen beschrieben.

    Eine (sehr zu empfehlende) kontinuierliche professionelle Begleitung eines Projekts in allen Stadien der Projektentwicklung (von der Gruppenbildung bis zur baulichen Realisierung) wird von diesen Stellen allerdings in aller Regel nicht angeboten. Teilweise wird sogar dezidiert die Auffassung vertreten, dass eine solche Beratung nicht Aufgabe einer Kommune sein kann. Das leisten eher professionelle ProjektentwicklerInnen. Fachfrauen mit Erfahrung in der Entwicklung von Wohnprojekten können meist bei den Beratungsstellen oder bei den Netzwerken erfragt werden – vielerorts haben sich ArchitektInnen auf die Begleitung und Unterstützung von Wohnprojekten spezialisiert.

    Diese professionelle Beratung und Begleitung ist jedoch nicht kostenlos. Für institutionelle Initiatorinnen (z. B. kommunale oder kirchliche Gleichstellungsbeauftragte) sollte die Finanzierung der professionellen Unterstützung kein größeres Problem sein. Anders ist es bei von zukünftigen Bewohnerinnen initiierten Gruppen, die die Kosten einer solchen Unterstützung selbst finanzieren müssen – und zwar in der Regel bereits zu einem Zeitpunkt, zu dem es noch sehr ungewiss ist, ob das Projekt überhaupt zustande kommen wird. Mögliche Finanzierungsquellen sind die Mitgliedsbeiträge und Spenden des inzwischen gegründeten Vereins oder Umlagen der Projektmitglieder. Vereinzelt werden von Bundesländern oder einzelnen Kommunen in beschränktem Umfang Fördergelder zur Finanzierung von Beratungsleistungen gewährt. Solche Programme sind jedoch meist befristet und werden ohne formalisierte Richtlinien vergeben, auch sind sie nicht unbedingt in den veröffentlichten Förderrichtlinien zu finden. So findet sich beispielsweise der Hinweis auf die Möglichkeit der Förderung von Moderations- bzw. Beratungskosten für Wohnprojekte in NRW nur im Wohnraumförderprogramm, in dem die Landesregierung die Leitlinien ihrer Politik bekannt gibt. Dagegen fehlt ein entsprechender Hinweis in den Wohnraumförderrichtlinien, in denen die Fördermaßnahmen im einzelnen beschrieben werden ebenso wie auf den insgesamt sehr umfangreichen Internetseiten der NRW-Bank, in der die Landesförderung ausführlich beschrieben wird. Über die Höhe der Förderung sagt auch das Wohnraumförderungsprogramm nichts aus. Vielmehr heißt es unter der Überschrift „Experimenteller Wohnungsbau“ nur: „Experimentelle Wohnungsbauvorhaben werden im Rahmen des Wohnraumförderungsprogramms gefördert durch: … die Förderung (Zuschuss) von Begleitmaßnahmen, die für die Vorbereitung und Durchführung experimenteller Wohnungsbauprojekte erforderlich sind. Hierzu gehört auch die Förderung der Beratungsleistungen durch Dritte für Wohnprojekte und Genossenschaftsgründungsinitiativen … Für eine Förderung von Beratungsleistungen für Wohnprojektinitiativen müssen diese einen formlosen Förderantrag direkt im MBV, Referat für den experimentellen Wohnungsbau, stellen“ [l_90]. Die üblicherweise gewährten Zuschüsse bewegen sich zwischen 6 000 € und 10 000 €, so zumindest die uns vorliegenden Informationen. Ein Rechtsanspruch auf eine solche Förderung besteht jedoch nicht, die Gewährung liegt im Ermessen des Ministeriums – und ist auch von der Mittelverfügbarkeit abhängig.

    Besondere Förderungsmöglichkeiten bestehen in NRW zudem für die Gründung von Wohnungsgenossenschaften im Bestand. Gefördert wird unter anderem „die Finanzierung eines Gründungsgutachtens durch eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft für die Neugründung einer Wohnungsgenossenschaft und Bereitstellung von Beratungsleistungen für den Aufbau des Genossenschaftsbetriebs (Zuschussförderung)“ [f_1].

    Informationen über Fördermöglichkeit für Beratungsleistungen sollten wegen ihrer Unbeständigkeit bei erfahrenen Beraterinnen und/oder direkt bei den zuständigen Ministerien bzw. bei kommunalen Stellen erfragt werden.


    zum Textanfang zum Textanfang

zum Textanfang zum Seitenanfang