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Dokumentation – Projekte nach Typ

Beginenhof Tännich – Gemeinschaftliches Lebens- und Arbeitsprojekt für Frauen (aufgelöst)

   
TypBeginen
StandortTännich
Projektierungsbeginn1992
Fertigstellung/Erstbezug1999 (1. Projekt, 2006 Nachfolgeprojekt)
Kontakt http://www.beginenhof-thueringen.de
SchwerpunkteStark gemeinschaftsorientiertes Landlesbenprojekt mit ganzheitlichem Lebens- und Arbeitskonzept
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinEine Arbeitsgruppe des Frauenzentrums BRENNESSEL in Erfurt.
EigentumErstes Projekt: Eine private Investorin, die in die Beginengemeimeinschaft eintrat. Nach den urspünglichen Plänen sollte das Eigentum an eine Beginenstiftung übergehen. Eigentümerin des zweiten, im Aufbau befindlichen Beginenhofs ist der Verein „Beginenhof Tännich e. V.“
Projektumfang1. Das erste Objekt der Beginen Tännich war ein großer alter Gutshof, 3-flüglig mit großem Innenhof und einem kleinen Waldstück sowie einem Häuschen mit Feldern und Gemüsegarten und einem Neubau (Plattenbau) mit 9 Wohnungen. Das Anwesen steht den Beginen inzwischen nicht mehr zur Verfügung. 2. Der neue Beginenhof ist ein kleines Gehöft mit einem 2-geschossigen Wohnhaus, einem Kuhstall, in dem eine Bibliothek entsteht, 2 Scheunen und ca. 3.000 m² Gartenland, das von den Beginen nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet wird.
Kosten/MietenJede Begine zahlte eine ortsübliche Miete und eine monatliche, selbst festgelegte Beginenspende. Darüber hinaus waren alle Beginen im Beginenverein mit einem Jahresbeitrag von 60 € im Jahr und spendeten zusätzlich Geld für bestimmte Einzelvorhaben.
Finanzierung/Förderung1. Der Gutshof wurde von einer der beteiligten Frauen für 1,4 Mio DM mit einem Kredit gekauft, für den diese Frau mit ihrem privaten Vermögen haftet. Die Zins- und Tilgungszahlungen für den Bankkredit in Höhe von 8.000 DM im Monat wurden aus den gemeinschaftlichen Arbeiten bezahlt, die jede Begine unentgeltlich leistete bzw. durch Veranstaltungen und Vermietung erarbeitete. Außerdem investierten einige Frauen insgesamt 95.000 DM Eigenkapital in die Sanierung ihrer Wohnungen. Die Eigentümerin stellte im Laufe der Jahre insgesamt 500.000 DM für Investitionen in den Gutshof, aber auch für den Ankauf von „Friedas Häuschen“ und einen leer stehenden Plattenbau zur Verfügung.
Der Neubau wurde mit Hilfe von zinslosen Privatdarlehen von Beginen in Höhe von insgesamt 28.000 DM saniert. Diese Darlehen wurden ab 2004 aus den Mieteinnahmen des Neubaus zurückgezahlt.
Außerdem erwarben die meisten Beginen einen Geschäftsanteil an einer gGmbH (100 € bis 2.500 €), die das gesamte Anwesen von der Eigentümerin pachtete und mit den Bewohnerinnen Nutzungsverträge schloss.
2. Der neue Beginenhof wurde durch kleine Darlehen und Spenden vieler Frauen sowie durch die Eigenarbeit der Frauen, die den Hof restaurieren, finanziert.
ZielgruppenUnverheiratete, selbstverantwortliche Frauen ab 18 Jahren, auch mit Kindern bis 18 Jahre – Frauen, die neugierig sind, wie Kollektiv, Konsens und Kooperation im Alltag lebendig werden.
ZielsetzungenZiele und Merkmale des Projektes sind Emanzipation vom Patriarchat, gemeinsamer wirtschaftlicher Erfolg, Solidarität, soziales, politisches und kulturelles Engagement. Das Zusammenleben basiert auf einigen Grundsätzen, die die materielle, emotionale und räumliche Eigenständigkeit der Einzelnen fördern und erfordern.
Die Zugehörigkeit zur Beginengemeinschaft wird in jedem Jahr am 2. August, dem Fest der Schnitterin, bestimmt. Die Frauen verpflichten sich an diesem Tag, für ein Jahr in der Gemeinschaft zu leben und ihre Energie für das Gedeihen des Projektes einzusetzen. Nach Ablauf des Jahres ist jede Frau frei, die Gemeinschaft zu verlassen oder ihren Vertrag für ein weiteres Jahr zu erneuern.
Die Gemeinschaft handelt gemeinsam nach innen und außen sozial, politisch, unterstützend, begleitend, aufbauend und heilend.
Der (heutige) Beginenhof Tännich ist ein Neubeginn auf solidarischer finanzieller Grundlage.
Neben den dauerhaft auf dem Hof lebenden Beginen gibt es auch die Möglichkeit als Wanderbegine oder als Förderfrau der Gemeinschaft anzugehören.
PartizipationBeide Beginenhöfe wurden von den Nutzerinnen gesucht, erworben und mit viel Eigenarbeit restauriert.
Die Gemeinschaft des (neuen) Beginenhofs Tännich ist eine auf Dauer angelegte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit transparenten Strukturen und variablen, sachgebundenen Hierarchien. Alles die Gemeinschaft Betreffende wird auf den wöchentlichen Beginenversammlungen im Konsens entschieden.
Die erwirtschafteten Erträge gehören der Gemeinschaft zu Erwerb und Unterhalt des Beginenhofes.
LageTännich ist eine inmitten von Wald und Feldern auf einer leichten Anhöhe gelegene sehr kleine Ansiedlung mit etwa 10 Häusern, die baulich von dem Gutshof (dem ehemaligen Beginenhof) dominiert wird.
Gebäude1. Der Barocke Gutshof wurde in sehr heruntergekommenem Zustand erworben und von den Beginen mit viel Eigenarbeit hergerichtet, ebenso die dazuerworbenen Gebäude, ein Plattenbau aus DDR-Zeiten und ein weiteres Häuschen. 2. Der (neue) Beginenhof Tännich, ein altes Fachwerkhaus mit Nebengebäuden, wurde in einem sehr heruntergekommenen Zustand erworben und wird, möglichst nach ökologischen Kriterien, von den Beginen saniert und ausgebaut. (2008 waren alle Zimmer fertig gestellt und in der ehemaligen Speisekammer war ein Gemeinschaftsbad eingebaut.)
Aussenanlagen1. Der Gutshof bot mit seinem großen Hof und der großen nach Westen in die Felder übergehenden Terrasse ideale Möglichkeiten für Gemeinschaftsaktivitäten, Feste, Rituale. Im Garten war ausreichend Platz für Anbau von Gemüse und Tiere, ein Wäldchen bot Holz für den Winter und somit weitgehende Selbstversorgung. 2. Auch der neue Hof bietet Möglichkeiten für Gartenbau und Tiere.
Chronik1992: „Spurensuche“ Artikelserie einer Arbeitsgruppe des Frauenzentrums BRENNESSEL in Erfurt. Erstes Konzept für ein Frauendorf „Nesseltown“
1995: Erste Kontakte zu Beginen im Pott, weitere Vernetzungen
1998: Mögliche Beginenhof-Standorte werden besichtigt. Beginenhof-Planungsgruppe trifft sich regelmäßig
Dezember 1998: Eine Unterstützerin kauft den Gutshof mit Hilfe eines Kredits, für den sie persönlich haftet und bringt 500.000 DM Investitionsmittel zur Sanierung und zum Erwerb zweier benachbarter Gebäude ein
Januar 1999: Einweihung des Beginenhofes Lieselotte mit über 60 Frauen
Juli/August 1999: Nach ersten Entrümpelungs- und Renovierungsarbeiten Einzug von vier Frauen und drei Kindern
Entwicklungen seit Erstbezug Herbst 1999: Erwerb von „Friedas Häuschen“ samt Feldern und Tännichgrund und Pacht des anliegenden Obst- und Gemüsegartens 2000: Der Versuch, einen dem Hof gegenüber liegenden Plattenbau mit neun Wohnungen vom Landwirtschaftsministerium für 40.000 DM zu kaufen, scheitert zunächst September 2000: Gründung der „Beginenhof Lieselotte gGmbH“, die bis zur Gründung der geplanten Beginenhof-Stiftung den Hof verwalten soll. Die Eigentümerin wird Geschäftsführerin der gGmbH und hält die Mehrheit des Gesellschaftskapitals. Die gGmbH pachtet das gesamte Anwesen und schließt Nutzungsverträge mit den Bewohnerinnen September 2001: Gründung des Fördervereins Beginenhof e.V. 2002: Nach massiven Protesten gegen den Verkauf des Neubaus an eine private Jagdgesellschaft tritt diese zurück. Der Beginenhof erhält den Zuschlag und saniert das Gebäude mit Hilfe zinsloser Beginen-Darlehen Ab Mai 2002: Notarieller Vertrag zur Gründung einer Stiftung mit der Berufung eines Kuratoriums 2003/2004: Der Neubau ist bis auf eine Ferienwohnung bezogen August 2004: Die Stifterin nimmt die Stiftung zurück und kündigt ihren Austritt aus der Beginengemeinschaft an. Zu dieser Zeit wohnen 15 Frauen auf dem Beginenhof Februar 2005: Die Geschäftsführerin der gGmbH erhebt Räumungsklage gegen drei Beginen wegen angeblicher Mietrückstände. Widerspruch der Beklagten. Der Konflikt eskaliert, die meisten Bewohnerinnen kündigen ihre Wohnungen August 2005: Bis auf drei Frauen ziehen alle Beginen aus, einige bleiben Unterstützerinnen Winter 2005: Das Amtsgericht gibt der Räumungsklage statt, die letzten Beginen verlassen den Hof Dezember 2005: Der neu gegründete Verein „Beginenhof Tännich e. V.“ erwirbt den neuen Beginenhof Tännich 6 2006: Beginn der Bau- und Renovierungsarbeiten, Einzug zweier Beginen in das neue Haus, Pachtvertrag über eine Wiese und „waldiges Umland“ direkt am Dorfrand. Es kommen wieder Besucherinnen. Eine Besucherin bindet sich am 2. August in den Beginenhof ein August 2008: Ein Teil des Hauses ist renoviert Der Hof wurde inzwischen ganz aufgelöst
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung eines Lebensraumes für eine Frauengemeinschaft
  • selbst bestimmtes Leben und Wirtschaften
  • auf Gegenseitigkeit basierendes Wohn- und Wirtschaftskonzept
  • übergeordnete politische Ziele (Verbreitung des Beginengedankens)
  • Integration von Wohnen und Arbeiten
  • Möglichkeit vorübergehenden Wohnens (für Wanderbeginen, mithelfende Gastfrauen, Urlauberinnen)
  • vielfältige Gemeinschaftsräume
  • Gemeinschaftsgarten/landwirtschaftliche Anbauflächen
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