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Dokumentation – Projekte nach Typ

Lesbenwohnprojekt der SAPPhO-Stiftung

   
TypAutonome Frauenwohnprojekte
StandortHannover
Projektierungsbeginn1996
Fertigstellung/Erstbezug1994
KontaktLesben hausen Hannover e.V.
Sappho.Hannover[at]googlemail.com
Gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts
sappho-stiftung[at]gmx.de
http://www.sappho-stiftung.de
SchwerpunkteAltersgemischtes Projekt einer neu gegründeten Stiftung Frauen liebender Frauen (Multiplikatorin)
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinMitfrauen des Vereins Safia – Lesben gestalten ihr Alter e. V.
EigentumDie Initiatorin und weitere Safia-Mitfrauen sowie die SAPPhO-Frauenwohnstiftung
Kooperation Unterstützerinnen aus dem Safia e. V. und Freundinnen aus Hannover
WohnungenFünf Wohnungen in einem 4-geschossigen, Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude mit Wohnungsgrößen zwischen 57 m² und 149 m² sowie einer Maisonettewohnung im 3. und 4. OG. Ein Teil der Wohnungen ist für Wohngemeinschaften geeignet. Das Haus bietet Platz für maximal zwölf Frauen.
Kosten/MietenMiete: ortsübliche Vergleichsmiete.
Finanzierung/FörderungDas Haus wurde zunächst von der Initiatorin gekauft, die drei der fünf Wohnungen aus einer Erbschaft finanzieren konnte. Die vierte Wohnung wurde von einer (nicht im Projekt wohnenden) Unterstützerin aus dem Verein Safia übernommen, die fünfte Wohnung gehört zum Gründungskapital der gemeinnützigen Stiftung SAPPhO-Frauenwohnstiftung. Die Finanzierung dieser Wohnung übernahm eine Gemeinschaft mehrerer Safia-Frauen, die das Defizit aus dem zur Finanzierung benötigten Bankkredit, dessen Kosten die Mieteinnahmen deutlich übersteigen, als Solidarbeitrag für das Projekt gemeinsam tragen.
Die Maisonettewohnung wurde in Selbsthilfe und mit Unterstützung von Safia-Frauen und anderen Unterstützerinnen renoviert, eine Treppe wurde verlegt.
ZielgruppenFrauenliebende Frauen jeden Alters.
ZielsetzungenZiel des Projekts ist es, frauenliebenden Frauen einen Ort zu bieten, an dem sie – gegen die gesellschaftliche Tendenz der Vereinzelung insbesondere im Alter – gleichberechtigt und selbstbestimmt jenseits tradierter Paarbeziehungen zusammen leben, gemeinsam alt werden und gemeinsam Verantwortung tragen können – füreinander und für das Projekt, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen. Ziel ist es, aus der Vereinzelung herauszukommen. Mieterinnen und Eigentümerinnen haben die gleichen Rechte und Pflichten. Konflikte sollen gemeinschaftlich, ohne Rückzug auf formalrechtliche Kriterien gelöst werden. Durch solidarische Finanzierung der Kosten soll frauenliebenden Frauen – insbesondere auch Migrantinnen – ohne Rücksicht auf Einkommen und Vermögen der Einzug ins Projekt ermöglicht werden.
Das Projekt ist in einen größeren Zusammenhang von Unterstützerinnen eingebunden, die sich im Verein „Safia – Lesben gestalten ihr Alter e. V.“ zusammengeschlossen und inzwischen die SAPPhO-Frauenwohnstiftung (eine Stiftung von Lesben für Lesben) gegründet haben. Ziel der Stiftung ist es, Bedingungen für die Gründung von Wohn- und Hausgemeinschaften und für Herstellung und Erhalt von preiswertem Wohnraum zu schaffen. Langfristiges Ziel ist, möglichst viele Lesbenwohnprojekte zu schaffen, in Stadt und Land, Nord, Süd, Ost und West. Dazu bietet die Stiftung interessierten Lesben Beratung an. Die Stiftung möchte mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit auch dazu beitragen, dass die Wahrnehmung, Akzeptanz und Unterstützung der Anliegen alter Lesben zunimmt. Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftung ist die Entwicklung von Assistenz-Konzepten (bei Krankheit, vorübergehenden oder dauerhaften körperlichen Einschränkungen).
Durch Vererbung der Wohnungen an die Stiftung sollen die Wohnungen auch nach dem Tod der Gründerinnen bzw. der Eigentümerinnen für Lesbengemeinschaften erhalten bleiben. Die Stiftung soll Lesben – unabhängig davon, ob sie in einem Projekt der Stiftung (oder des Vereins Safia e. V.) wohnen – die Möglichkeit bieten, ihr Vermögen erbschafts- und schenkungssteuerfrei in Lesbenhand zu vererben oder zu verschenken. Zu der Stiftung gehören derzeit vier Wohnprojekte mit insgesamt 22 Wohneinheiten, von denen sich zwölf im Besitz der Stiftung befinden. Weitere Zustiftungen sind in Aussicht.
Außer dem Hannoveraner Projekt liegen bisher alle Projekte der Stiftung im ländlichen Raum: Der Einöd-Hof in Wüstenbirkach in Unterfranken mit insgesamt acht großzügig gestalteten separaten Wohneinheiten, Gemeinschaftsräumen, Gästezimmer mit Küche, Sauna und Werkstatt wurde von den Gründerinnen des Vereins „Safia – Lesben gestalten ihr Alter e. V.“ (für Lesben ab 40 Jahren) 1986 gekauft, mit viel Eigenarbeit ausgebaut und inzwischen der SAPPhO-Stiftung zu Lebzeiten gestiftet. Sieben der Wohneinheiten werden von den Stifterinnen mit Nießbrauch bewohnt, eine Wohnung hat die Stiftung vermietet. Das Anwesen bildete das Grundkapital bzw. den Grundstock für die Gründung der SAPPhO-Stiftung.
Gewissermaßen ein kleines Zentrum der Stiftung entsteht in Charlottenberg im Westerwald, wo die Stiftung sowohl das Frauenlandhaus Charlottenberg, ein Seminar- und Tagungshaus für Frauen als auch zwei Wohnungen in einem am Dorfrand gelegenen, von fünf Lesben erworbenen und zu fünf großzügig geschnittenen Wohnungen umgebauten Anwesen besitzt.
In Hohenahr-Altenkirchen nördlich von Wetzlar in der Nähe des Aartal-Sees erbte die Stiftung ein freistehendes, baubiologisches Holzblockhaus in Hanglage. In Vögelsen in der Lüneburger Heide erbte die Stiftung ein Gebäude mit zwei Wohnungen, für das jedoch ein lebenslanger Nießbrauch der Lebensgefährtin der Erblasserin besteht.
PartizipationAlle das Projekt betreffenden Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. In ihrer Wohnung haben die Nutzerinnen weitgehende Gestaltungs- und Veränderungsrechte. Notwendige Arbeiten wurden und werden zum Teil in gemeinsamer Selbsthilfe der Bewohnerinnen mit nicht im Projekt lebenden Unterstützerinnen ausgeführt.
Im Jahr 2006 haben Bewohnerinnen des Hauses den Verein „Lesben hausen in Hannover e. V.“ gegründet und mit den Eigentümerinnen (zu denen auch eine Bewohnerin gehört) einen Nutzungsvertrag geschlossen, mit dem dem Verein das Haus zur eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Nutzung, Instandhaltung und Verwaltung überlassen wird. Mitfrauen des Vereins sind Bewohnerinnen des Hauses, weitere Personen können Mitglied werden. Der Vorstand des Vereins besteht aus allen Bewohnerinnen des Hauses, so dass keine Hierarchie zwischen den Bewohnerinnen entstehen kann. Gemeinsames Ziel der Eigentümerinnen und des Vereins ist die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für das gemeinschaftliche, selbstbestimmte und kostengünstige Wohnen alter und junger Lesben. Durch den Nutzungsvertrag übernehmen die Bewohnerinnen alle Verwaltungsaufgaben wie die Auswahl von Mieterinnen, den Abschluss von Mietverträgen (nach vorher ausgehandeltem Vertragsmuster), die Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen (für die aus dem Nutzungsentgeld Rücklagen gebildet werden) und alle Aufgaben einer Hausmeisterin. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Eigentümerinnen und Bewohnerinnen ist ein Mediationsverfahren mit einer neutralen Mediatorin vorgesehen. Sobald alle Wohnungen des Gebäudes der SAPPhO-Wohnstiftung gehören, ist geplant, dem Verein das Haus in wirtschaftliche Eigenverantwortung zu übertragen.
LageDas Gebäude liegt im Hannoveraner Stadtteil Linden - inzwischen ein multiethnischer Stadtteil von Hannover - nahe der Limmerstraße, der Haupteinkaufsstraße von Linden. Nicht weit entfernt ist auch das Flüsschen Ihme. Die Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sehr gut.
GebäudeDas Gebäude wurde um die Jahrhundertwende im Zuge der Industrialisierung in der damals selbständigen Gemeinde Linden mit ursprünglich acht 3-Zimmer-Wohnungen (die inzwischen teilweise zusammengelegt sind) errichtet. Das gut erhaltene Jugendstilhaus mit der fantasievoll gestalteten rückwärtigen Fassade ist in fünf großzügig geschnittene, individuell gestaltete Wohnungen aufgeteilt. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon.
AussenanlagenAlle Wohnungen haben Zugang zum Innenhof, der im Sommer gerne als gemeinsamer Treffpunkt genutzt wird.
ÖkologieDas Haus war vom Vorbesitzer unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte renoviert worden.
Chronik1986: Gründung des Vereins Safia e. V.
1992: Erste Planungen zur Stiftung Sappho-Frauenwohnstiftung
1993: Kauf des Gebäudes durch die Initiatorin
1994: Bezug der ersten Wohnung in dem Gebäude
1997: Der Stiftung Sappho-Frauenwohnstiftung wird die Gemeinnützigkeit zuerkannt
2003: Alle Wohnungen sind von Projektfrauen bewohnt
2006/2007: Gründung des Vereins „Lesben hausen Hannover e. V.“
Entwicklungen seit Erstbezug Das Projekt wurde zwar von Frauen des Vereins Safia – Lesben gestalten ihr Alter initiiert, versteht sich jedoch inzwischen als generationenübergreifendes autonomes Projekt. Die Wohnungen waren zum Zeitpunkt des Erwerbs des Hauses durch die Initiatorin weitgehend an Dritte vermietet, so dass zunächst nur die Maisonettewohnung für das Projekt genutzt werden konnte. Inzwischen sind alle Wohnungen frei geworden und an Projektfrauen vermietet. Ein Verein zur Verwaltung des Hauses wurde gegründet.
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung und Sicherung (kostengünstigen) Wohneigentums „in Lesbenhand“
  • Zusammenleben frauenliebender Frauen jenseits von Zweierbeziehungen
  • Selbstverwaltung der Wohnungen durch die Bewohnerinnen unabhängig vom rechtlichen Status (Mieterinnen/Eigentümerinnen)
  • gemeinsame, hierarchiefreie Entscheidung über alle das Projekt betreffenden Fragen, gemeinsame Konfliktlösungsstrategien
  • Integration des „Feministischen Instituts für Frauenbildung“
  • „Lesbenpolitisches Leben“ durch offenes Leben im Projekt und durch die Arbeit für die Stiftung
  • Hilfe- und Unterstützungssystem über die Stiftung (finanziell und alltagspraktisch, insbesondere für altersbedingte Notsituationen)
  • Wohnungen für Wohngemeinschaften geeignet
  • gute Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung
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