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Dokumentation – Projekte nach Typ

Sarah Café und Kulturzentrum für Frauen e. V.

   
TypAutonome Frauenwohnprojekte
StandortStuttgart
Projektierungsbeginn1977
Fertigstellung/Erstbezug1978
Kontakt das-sarah[at]gmx.de
http://www.das-sarah.de
SchwerpunkteFeministisches Frauen/Lesbenprojekt mit kulturpolitischen Zielsetzungen
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinVier Frauen aus der autonomen Frauenbewegung (darunter zwei Architektinnen), die mit einigen Unterstützerinnen 1978 den Verein Sarah – Kulturzentrum für Frauen e. V. gründeten.
EigentumPrivate Vermieterin
ArchitekturDipl. Ing. Odile Laufner, Dipl. Ing. Eveline Linke
ProjektumfangUmbau eines 5-geschossigen, denkmalgeschützten Bürgerhauses aus der Gründerzeit, das zuletzt vom Landeskriminalamt(!) als Bürogebäude, dann vom Sozialamt als „Übergangs-Wohnheim“ genutzt worden war und vom Verein Sarah-Kulturzenrum für Frauen e. V. im Ganzen angemietet werden konnte.
WohnungenVier 90 m² bis 120 m² große Wohnungen in den Obergeschossen bieten Platz für Wohngemeinschaften von je drei bis vier Frauen.
GemeinschaftsflächenDie Räume des Kulturzentrums werden von den Bewohnerinnen/Betreiberinnen auch als Gemeinschaftsräume genutzt, teilweise gegen eine Kostenbeteiligung.
Im Dachgeschoss stehen zusätzlich zwei kleine, vom Treppenhaus zugängliche, Mansardenzimmer zur Verfügung, die vom Kulturzentrum und den Bewohnerinnen als Referentinnen- und Gästezimmer, genutzt werden.
sonstige Flächen Von den insgesamt 560 m² Nutzfläche werden 130 m² im Hochparterre und im ersten OG vom Kulturzentrum als Veranstaltungs- und Caféraum (mit Küche) sowie als Büro genutzt. Dazu kommen eine Bibliothek, ein Fotolabor und zunächst zwei, später eine Werkstatt im Souterrain.
Kosten/MietenDer Mietvertrag über das Gebäude war zuerst auf fünf Jahre befristet und wird seither in zwei- bis fünfjährigem Rhythmus verlängert, mit zum Teil erheblichen Mieterhöhungen. Die Wohnungsmieten wurden nach Wohnqualität gestaffelt und liegen 2007 bei ca. durchschnittlich 7 €/m² Wohnfläche (Nettokaltmiete).
Finanzierung/FörderungDer Rückbau der Büros zu Wohnungen (Einbau von Küchen und Bädern, Erneuerung der Toiletten) wurde von den beteiligten Architektinnen geplant und von der Hauseigentümerin finanziert.
Der Umbau des Hochparterres zu einem Kulturzentrum mit Café (Entfernen von Trennwänden, Einbau der Theke, Gipser-, Maler-, Bodenleger- und Elektroarbeiten) wurde überwiegend von den Gründerinnen und Unterstützerinnen aus der autonomen Frauenbewegung in Eigenarbeit durchgeführt mit der Auflage des Rückbaus, sollte das Projekt beendet werden. Zusätzlich musste vom Verein Eigenkapital in Höhe von 16.000 DM aufgebracht werden, das zunächst von den Initiatorinnen vorfinanziert und im Laufe der ersten Jahre durch die gemeinsame Arbeit aller hinzugekommenen Vereinsfrauen des Sarah e. V. aufgebracht wurde.
Für die Kulturarbeit wurde dem Kulturamt der Stadt zunächst ein Anerkennungsbeitrag von 5.000 DM abgerungen, der, nachdem sich das Projekt als Erfolg erwiesen hatte, allmählich gesteigert wurde.
ZielgruppenFrauen und Lesben, bevorzugt Projektfrauen des Frauenkulturzentrums.
BewohnerInnenstrukturAnfangs waren die Wohnungen sehr dicht belegt, z. T. bedingt durch immer neu hinzukommende Frauen, die sich am Projekt beteiligten und die Frauen zum Zusammenrücken veranlassten. Im Laufe der Zeit reduzierte sich die Belegung, zunächst indem Zimmer von Bewohnerinnen für freiberufliche Tätigkeiten und die Projektbüroarbeit genutzt wurden, dann immer mehr aus dem Bedürfnis (und den finanziellen Möglichkeiten) nach mehr Raum, eng verbunden mit einer loser werdenden Bindung zum Kulturprojekt.
ZielsetzungenVordringliches Ziel der Gründerinnen war es, einen Ort zu schaffen, in dem sich Frauen und Lesben aus dem Stadtteil, aus Stuttgart und der näheren und weiteren Umgebung autonom und frei von männlicher Dominanz, kulturell betätigen, miteinander diskutieren, gemeinsam arbeiten, sich fortbilden und austauschen oder sich auch einfach nur amüsieren können. Geschaffen werden sollte ein öffentIich sichtbarer und bewusst auch ein „schöner“ Ort (keine Sperrmüllidylle) von und für Frauen als feministischer Beitrag zur städtischen Öffentlichkeit, der fest im Stadtteil verankert ist und so auch solche Frauen erreicht, die gegenüber dem selbstorganisierten autonomen Frauenzentrum unüberwindbare Berührungs- und Schwellenängste haben.
Die in dem Haus wiedergeschaffenen Wohnungen sollten den Projektfrauen des Kulturzentrums die räumliche Integration von Wohnen und Arbeiten ermöglichen – als Voraussetzung für eine ganzheitliche Lebensweise, in der Arbeit und Leben nicht mehr getrennt, sondern in einem intensiven Frauenzusammenhang (gemeinsames Leben und Arbeiten „von Frauen für Frauen“) integriert ist. Die Integration von Wohnen und Arbeiten im Projekt sollte darüber hinaus zu einer Stärkung der Akzeptanz des Frauenkulturzentrums im Stadtteil beitragen, da die Projektfrauen von der Nachbarschaft im Alltag erlebt werden können. Aus diesem Grund wurden auch die Umbauarbeiten so weit wie möglich im öffentlichen Raum erledigt (z. B. Zuschneiden der Teppichböden auf der Straße).
PartizipationDie Planungen wurden von den aktiven Vereinsfrauen unter Leitung der beiden beteiligten Architektinnen gemeinsam abgestimmt. Die Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten erfolgten größtenteils in Eigenarbeit. Das Prinzip der Eigenleistung und -planung wurde bei den darauf folgenden, im Laufe der Jahre notwendigen Renovierungsarbeiten beibehalten.
Das Gebäude wird von den Bewohnerinnen selbst verwaltet, Neubelegungen werden von den Bewohnerinnen der jeweiligen Wohngemeinschaft (in Abstimmung mit dem Kulturzentrum als Hauptmieterin) entschieden
In den ersten, sehr aktiven Jahren war die wöchentliche „Cafésitzung“ der Ort für alle das Projekt und die Wohnungen betreffenden Fragen. Alle aktiven „Sarahfrauen“ (zu denen in dieser Zeit noch alle Hausbewohnerinnen zählten) nahmen weitgehend regelmäßig daran teil. Ein Pinnbrett im nichtöffentlichen Teil des Treppenhauses diente zusätzlichem Nachrichtenaustausch. Inzwischen finden Sitzungen der Bewohnerinnen nur noch bei Bedarf statt (z. B. wegen der Verlängerung des Mietvertrags).
Architektur/Städtebau
LageDas Projekt befindet sich in innenstadtnaher Lage im Stuttgarter Westen, dem gründerzeitlichen Stadterweiterungsgebiet des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, bis heute einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile in Deutschland. Die seit den sechziger Jahren anhaltende Umstrukturierung des Stadtteils von einem Wohngebiet mit einem hohen Anteil an Handwerks- und kleinen Gewerbebetrieben in ein Mischgebiet mit hohem Anteil an Büronutzung hält unvermindert an. Die Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist sehr gut. Es gibt U- und S-Bahn-Haltestellen mit mehreren Linien sowie eine Buslinie in unmittelbarer Nähe. Die Innenstadt ist fußläufig in etwa 10 Minuten erreichbar. Das infrastrukturelle Angebot ist mit Einzelhandelsgeschäften, Kneipen, Restaurants sehr gut. Die zentrale Lage in einer Straße mit lebhaftem oder zumindest nennenswertem Fußgängerverkehr war ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl für das Projekt. Ausschlaggebend waren dafür allerdings vor allem die Interessen des Kulturzentrums. Für die Bewohnerinnen bietet die großzügige, alleeartige Straße mit altem Baumbestand einen gewissen Ausgleich für den von manchen gewünschten grüneren Standort. Das gilt insbesondere seit den in den 80er Jahren durchgeführten Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen (Rückbau von Parkplätzen, Anpflanzung von Rosensträuchern, Einrichtung einer Tempo-30-Zone).
GebäudeDas 5-geschossige Gebäude ist eine Doppelhaushälfte mit einer denkmalgeschützten Fassade und einem kleinen Hinterhof, der von den Bewohnerinnen teilweise begrünt wurde und im Sommer als Caféerweiterung genutzt wird. Für das Kulturzentrum waren umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig. Die Wohnungen dagegen boten durch ihren gründerzeitlichen Grundriss – große Räume, deren kleinster schon fast die Norm für ein Wohnzimmer im sozialen Wohnungsbau erfüllt und die alle untereinander zu verbinden, aber auch vom Flur aus erschlossen sind – sehr gute Voraussetzungen für die Nutzung durch Frauenwohn(und Arbeits-)gemeinschaften. Die geräumigen Wohnküchen mit intensiv genutztem Küchenbalkon boten zudem einen Gemeinschaftsraum, der es ermöglichte, in den 4-Raum-Wohnungen Wohngemeinschaften von bis zu vier Frauen zu bilden. Die Wohnungen wurden zunächst sehr bescheiden renoviert und erst im Laufe der Zeit teilweise modernisiert.
AussenanlagenDer sehr kleine Innenhof wurde mit einfachen Mitteln begrünt und im Sommer sowohl vom Café wie von den Bewohnerinnen für handwerkliche Arbeiten genutzt.
ChronikJuni1978: Abschluss des Mietvertrags mit der Vermieterin
Juli bis Oktober1978: Umbau des Hauses, Einzug der Bewohnerinnen
November 1978: Eröffnung des Sarah Kulturzentrums für Frauen
1980: Infragestellung des „Sarah“ als Frauenort durch zwei der Initiatorinnen und Beginn einer gerichtlichen Auseinandersetzung
1983: Abschluss der Auseinandersetzung und Sicherung des Projektes in Frauenhänden. Seither Verlängerung des Generalmietvertrags in 3-5-jährigem Abstand, meist verbunden mit Mieterhöhungen
Entwicklungen seit Erstbezug Die ursprüngliche Hoffnung auf die Schaffung mehrerer existenzsichernder Arbeitsplätze im Projekt konnte nicht realisiert werden. Die Arbeit für Kulturzentrum und Café wird weiterhin ganz überwiegend ehrenamtlich geleistet. Die Idee der räumlichen Verbindung von Wohnen und Arbeiten ging im Laufe der Zeit weitgehend verloren. Schon kurz nach Eröffnung des Kulturzentrums hat ein Rechtsstreit zwischen den Initiatorinnen das Projekt als Frauenraum in Frage gestellt. Nach dessen glücklichem Ausgang wohnen nun seit mehr als 30 Jahren in dem Gebäude ausschließlich Wohngemeinschaften von überwiegend frauenorientierten (lesbischen) Frauen, von denen jedoch aktuell nur noch einzelne im Kulturzentrum mitarbeiten. Von den „Frauen der ersten Stunde“ wohnt keine mehr im Haus. Die Wohndauer beträgt jedoch teilweise mehr als 20 Jahre.
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung von Wohnraum exclusiv für Frauen/Frauenwohngemeinschaften
  • gemeinsame Planung und Durchführung der Umbauarbeiten zusammen mit Architektinnen
  • Verwaltung des Gebäudes und der Wohnungen durch die Bewohnerinnen und die Projektfrauen
  • Kostengünstiger Wohnraum durch Selbsthilfe
  • Schaffung eins Ortes der autonomen Frauenöffentlichkeit mit einem vielfältigen Angebot
  • Verbindung von Wohnen und Arbeiten
  • Grundrisse mit annähernd gleich großen Räumen und einer Wohnküche als Gemeinschaftsraum
  • unterschiedlich aufteilbare Grundrisse
  • weitere Gemeinschaftseinrichtungen im Haus (Gästezimmer, Nutzungsmöglichkeit der Kulturzentrumsräume und Werkstätten)
  • Gute Infrastruktur- und ÖPNV-Anbindung
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