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Dokumentation – Projekte nach Typ

FrauenWohnen eG – Frauen schaffen Wohnraum für Frauen München (Westend)

   
TypAutonome Frauenwohnprojekte
StandortMünchen
Projektierungsbeginn2001
Fertigstellung/ErstbezugAnfang 2014
KontaktWohnungsbaugenossenschaft: FrauenWohnen eG
info[at]frauenwohnen.de
http://www.frauenwohnen.de
SchwerpunkteFeministisches Frauenprojekt einer Frauenwohnungsbau-Genossinnenschaft, deren Mitglieder ausschließlich Frauen sind. Männer können als Angehörige mit einziehen.
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinEine Gruppe von Frauen (darunter einige Architektinnen), zum Teil aus dem Umfeld der autonomen Frauenbewegung, die 1995 den Verein „FrauenWohnen e. V.“ und 1998 die Genossenschaft „FrauenWohnen eG“ gründeten.
EigentumWohnungsbaugenossenschaft FrauenWohnen eG
ArchitekturArchitektinnen: Planungsgemeinschaft Zwischenräume, München Landschaftsarchitektinnen: Zaharias und Widmer Thiel, München
Projektentwicklung FrauenWohnen eG
Projektumfang Wohnanlage mit 4 Gebäuden und 3 Höfen in einem innerstädtischen Sanierungsgebiet.
WohnungenGebaut wurden 25 Wohnungen mit 42 m² bis 80 m² (davon 30 % gefördert und 70 % freifinanzier).
GemeinschaftsflächenGemeinschaftseinrichtungen (Gästezimmer, Gemeinschaftsraum, Waschkeller, Innenhöfe) nehmen etwa 5 % der Gesamtfläche ein.
Kosten/MietenDie Kosten für das Projekt Westend (Grundstücks- und Baukosten) betrugen 5,7 Mio. Euro. Die Nutzungsgebühr ist eine reine Kostenmiete, deckt also nur die tatsächlichen Kosten. In der Miete sind Zins und Tilgung für das Fremdkapital enthalten, Verwaltungskosten, Instandhaltungsrücklagen, Mietausfallwagnis und die Kosten für die Gemeinschaftseinrichtungen. Für die frei finanzierten Wohnungen beträgt die so errechnete Kaltmiete 12,40 Euro/qm Wohnfläche. Für die geförderten Wohnungen wird die Miethöhe durch die Wohnungsbauförderbestimmungen festgelegt; sie beträgt zwischen 5,25 und 6,45 Euro/qm. Die Höhe richtet sich nach der Förderstufe. Zu dieser Kaltmiete kommen die Nebenkosten (Wasser, Abwasser, Müll, Heizung usw.) von ca. 2,20 Euro/qm. Im Vergleich zu den Mieten auf dem freien Markt wird die Miete bei FrauenWohnen im Laufe der Zeit immer günstiger, da es keine Mietsteigerungen zur Gewinnerzielung gibt, andererseits die aufgenommenen Baukredite laufend zurückgezahlt werden, so dass eines Tages sogar die Miete sinken kann. Für alle Bewohnerinnen besteht die Möglichkeit, freiwillige wohnungsbezogene Genossenschaftsanteile zu zeichnen, wodurch die Mietbelastung verringert werden kann.
Finanzierung/Förderung30% der Wohnfläche sind geförderte Wohnungen (EOF).
Das Eigenkapital der Genossinnenschaft besteht aus den Genossenschaftsanteilen der Genossinnen sowie einem Eigenkapitalbeitrag der Erstbezieherinnen: Alle Mitfrauen der Genossenschaft zahlen mindestens einen Pflichtanteil von 1100.- Euro bei Eintritt. Dieser erste Anteil wird nicht verzinst. Jede Frau kann - und sollte nach Möglichkeit - weitere freiwillige Anteile erwerben, auf die ggf. eine Dividende ausgeschüttet wird. Frauen, die eine Wohnung beziehen möchten, entrichten einen Eigenkapitalbeitrag, der sich nach der Wohnungsgröße und nach ihrem Einkommen richtet. Für die freifinanzierten Wohnungen waren das 1650.- €/m², für die sozialgeförderten zwischen 500.- und 1000.- €/m². Ähnlich einer Kaution wird der Betrag zurückerstattet, wenn die Frau auszieht; bei ihrem Tod geht das Geld an die Erben. Die wohnungsbezogenen Pflichtanteile werden nicht verzinst.
Das Eigenkapital der Bewohnerinnen beträgt etwa ein Viertel der gesamten Grundstücks- und Baukosten. Auf dieser Grundlage kann die Genossenschaft Kredite von den Banken aufnehmen. Die Tilgung und Verzinsung der Fremdmittel erfolgt durch die Miete.
ZielgruppenFrauen jeder Lebensform, z.B. jüngere und ältere Frauen, Frauen aus allen Ländern, alleinerziehende Mütter, Frauen mit Partnerinnen (Lesben), Frauen mit Männern, alleinstehende Frauen, Paare mit Kindern.
ZielsetzungenZiel des Projektes ist es, das Grundrecht „Wohnen“ für Frauen zu sichern, die Wohnraumversorgung von Frauen jeden Alters in München zu verbessern, Wohneigentumsformen für Frauen zu fördern und neue, von der Wohnungspolitik bisher vernachlässigte Wohnformen zu entwickeln und zu unterstützen. Ziel ist die Schaffung von Wohnraum für die autonome, emanzipierte Frau. Ziel ist ein Projekt, das all das umsetzt, was in (feministischen) Fachkreisen seit langem gefordert wird. Frauen sollen als Expertinnen für Wohnen, als Akteurinnen auf den Plan treten und in das Geschehen auf dem Wohnungsmarkt aktiv eingreifen: als Planerinnen, als gemeinschaftliche Eigentümerinnen, als Immobilien- und Sachverwalterinnen von bezahlbarem Wohnraum für die selbstbestimmte Frau in unterschiedlichen Lebensformen. Der so geschaffene Wohnraum soll den üblichen Verwertungsmechanismen des Wohnungsmarktes entzogen werden.
Angestrebt wird eine Gemeinschaft gleichberechtigter Menschen, in der alle nach ihren jeweiligen Vorstellungen leben können, sofern die Interessen der MitbewohnerInnen nicht beeinträchtigt werden, bei der aber allmählich ein Miteinander entsteht, bei dem Achtsamkeit und Rücksicht das Leben bestimmen, bei der Wahlverwandtschaften entstehen und es eine Selbstverständlichkeit sein wird, Hilfe zu erbitten und anzubieten, wenn es erforderlich ist – ein Schritt aus der Anonymität der Großstadt in die Geborgenheit einer Frauengemeinschaft.
PartizipationDie Bewohnerinnen waren (als Genossinnen) an allen Planungen und Entscheidungen aktiv beteiligt. Zwar ist der von der Mitfrauenversammlung gewählte Vorstand aus fachkompetenten Frauen für Planung und Bauausführung, für die Finanzen und für die Vertretung der Genossenschaft bei Behörden und in der Öffentlichkeit verantwortlich. Doch richten sich die Vorstandsfrauen möglichst nach den Wünschen der Bewohnerinnen, die in den Begegnungsgruppen (für jedes Projekt extra) ihre Vorstellungen vom Zusammenleben konkretisieren und koordinieren. In regelmäßigen Plenen treffen sich alle „aktiven“ Frauen mit dem Vorstand.
Das soziale Leben wird auch durch den Verein FrauenWohnen e. V. unterstützt, der Fortbildungen, kulturelle und gesellige Veranstaltungen anbietet.
Architektur/Städtebau
LageDas Grundstück liegt im Münchner Stadtteil Westend (Westendstraße Nr. 74), einem zentrumsnahen, gewachsenen Stadtteil mit urbanem Charakter, in dem die MGS (Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung) ein städtisches Konzept zur Sanierung des Stadtviertels mit anschließender Privatisierung umsetzt. Das Grundstück liegt direkt an einer Grünanlage mit Spiel- und Bolzplatz, eingeschlossen von Wohnhäusern, einer Kirche und einem Jugendtreff.
Gebäude4 einzelne 3-geschossige Häuser, verbunden durch kleine Höfe und Laubengänge bereichern mit ihrer Architektur die vielschichtige städtische Hinterhofbebauung. Zu jeder Wohnung gehört ein Gartenanteil oder ein Balkon nach Süden oder Westen. Alle Wohnungen sind barrierefrei und energetisch nachhaltig erstellt.
AussenanlagenDie städtebauliche Planung für die durch Abriss alter Bausubstanz erweiterte Baulücke war schwierig. Die Grundstückseigentümerin (die MGS – Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung) strebte zusammen mit dem Planungsreferat der Stadt München eine städtebauliche Gesamtlösung an, die dem Wunsch von FrauenWohnen nach einem eigenen Kommunikationshof Rechnung trägt. Stellplätze waren bereits vorhanden. FrauenWohnen konnte mit der Stadtverwaltung eine Reduktion des Stellplatzschlüssels auf 0,3 erreichen. Die Lage in einem großzügigen Innenhof hält den Verkehr draußen und schafft Raum für eine gemeinschaftliche Hof- und Gartengestaltung zusammen mit der Bewohnerschaft (Genossenschaft WoGeno) aus dem Vorderhaus.
ÖkologieFrauenWohnen erfüllt den anspruchvollen ökologischen Kriterienkatalog der Landeshauptstadt München. Mit dem Bau eines KFW50-Effizienzhauses und der Nutzung von Fernwärme mit hohem regenerativem Energieanteil werden die ökologischen Anforderungen übertroffen.
Chronik1990: Initiative von Münchner Frauen zur Schaffung eines selbstverwalteten Frauenwohnprojekts
1995: Gründung des Vereins „FrauenWohnen e. V.“; Fachtagung zusammen mit drei anderen Münchener Frauenprojekten zum Thema „Autonome Lebens- und Wohnformen für Frauen“
1998: Gründung der Genossenschaft FrauenWohnen eG. Bemühungen um ein städtisches Grundstück nahe dem Olympiagelände (sog. Ackermannbogen)
2000: Das Projekt „Ackermannbogen“ scheitert endgültig, weil die Wohnungen dort für FrauenWohnen unbezahlbar würden und ihr kommunikatives Konzept sich dort nicht realisieren lassen würde
2001: Die Stadt bietet die Beteiligung an einem Sanierungsprojekt im Westend an
2007: Das Grundstück im Westend muss auf Grund einer EU-Richtlinie neu ausgeschrieben werden, so dass der ursprünglich für 2008 geplante Baubeginn nicht möglich ist
2009: Zuschlag für das Grundstück nach EU-weiter Ausschreibung
2012: Baubeginn
2014: Erstbezug
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung von Wohnraum/Wohneigentum, nachhaltig bezahlbar aus den (niedrigeren) Einkommen von Frauen
  • Schaffung und Sicherung von Wohnraum für eine Frauengemeinschaft
  • Selbstverwaltung und Selbstbestimmung
  • Planung durch Architektinnen unter starker Beteiligung der künftigen Bewohnerinnen
  • Arbeitsplätze in Wohnungsnähe, z.B. Büro, Therapie, Altenpflege
  • Alten- und behindertengerechte Wohnungen, damit die Frauen ihr lebenslanges Wohnrecht nutzen können (generationenübergreifendes Wohnen)
  • vielfältige Wohnungsgrundrisse/-größen für verschiedene Bedürfnisse
  • gleich große, nutzungsneutrale Räume
  • Küchen als Aufenthaltsräume nutzbar bzw. Küche in Wohnbereich integriert
  • Unterstützung von Kommunikation durch architektonische Maßnahmen (Laubengänge, grüne Innenbereiche mit Gemeinschaftsflächen, Gemeinschaftsraum für Versammlungen und zum Feiern)
  • Gastlichkeit trotz kleiner Wohnungen: Gästeappartement/Zimmer
  • Sicherheitsbedürfnis: Beleuchtung, Übersichtlichkeit
  • Autoreduzierte Anlagen, weil Frauen weniger Autos haben/brauchen
  • gute infrastrukturelle Ausstattung (ausreichende Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Freizeit- und kulturelle Angebote)
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