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Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Realisierung des Projekts

Kommt eine Realisierung im Gebäudebestand in Frage?

Die überwiegende Zahl der dokumentierten Frauenwohnprojekte wurde im Neubau realisiert. Dies scheint zunächst aus vielen Gründen einfacher: Neubauten bieten eine größere Gestaltungsfreiheit und ermöglichen (eher) eine bauliche Gestaltung entsprechend den Wünschen der Projektbeteiligten. Bei einem Neubauprojekt kann das Wohnprojekt von Anfang an in voller Projektgröße gestartet werden und es muss keine Rücksicht auf etwaige frühere BewohnerInnen (mit möglicherweise ganz anderen Wohnvorstellungen) genommen werden. Andererseits gibt es in manchen Regionen Deutschlands Wohnungsleerstände sowie leerstehende Gewerbeimmobilien, die gegebenenfalls nach Umbau- und/oder Modernisierungsmaßnahmen für Wohnprojekte geeignet sind. Auch wird in manchen Bundesländern vor allem im Mietwohnungsbereich die Förderung zunehmend auf den Bestand konzentriert. Deshalb sollte zu Beginn der Realisierungsphase geprüft werden, ob eine Realisierung des Projekts im Gebäudebestand (Wohn- oder Gewerbeimmobilie) denkbar ist. Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile der Realisierung im Bestand vorgestellt.

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  • Vorteile einer Realisierung im (Wohnungs-)bestand

    KostenersparnisDer größte Vorteil einer Projektrealisierung im Altbau besteht in den geringeren Kosten, die die Realisierung eines Wohnprojekts im Wohnungsbestand in aller Regel verursacht. Das gilt insbesondere dann, wenn an den (Ausstattungs-)Standard der Wohnungen keine dem Neubau entsprechenden Ansprüche gestellt werden. Das gilt zum Beispiel für einige der älteren autonomen Projekte, die teilweise aus Hausbesetzungen hervorgegangen sind, wobei die Standardreduktionen von den Bewohnerinnen nicht unbedingt als Nachteil empfunden werden, denn Altbauten haben bekanntlicherweise Qualitäten, die im Neubau nur noch mit extremen Kosten realisiert werden könnten (z. B. große Geschosshöhen). Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass sechs der ältesten von uns dokumentierten Projekte (Sarah in Stuttgart, Schokofabrik und Hexenhaus in Berlin, Villa Magdalena K. in Hamburg und AMANDA in Rostock) alle Altbauprojekte sind.

    Teilweise spielte dabei auch eine Rolle, dass bei einer Realisierung eines Wohnprojekts im Bestand ein größerer Anteil der Kosten durch Selbsthilfe (überwiegend im Innenausbau) ersetzt werden kann als bei einem Neubauprojekt, was insbesondere Projekten, die einen Teil des Eigenkapitals durch Selbsthilfe ersetzen wollen, entgegen kommt.

    Darüber hinaus ist es im Bestand eher möglich, Standardverbesserungen sukzessive, entsprechend der finanziellen Leistungsfähigkeit der Projektgruppe durchzuführen. So kann z. B. der Anbau eines Aufzugs planerisch vorgesehen, auf die Realisierung aber zunächst verzichtet werden. Unter Umständen sind auch individuelle Entscheidungen jeder Bewohnerin über die Modernisierungsmaßnahmen in ihrer Wohnung (sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch hinsichtlich der zeitlichen Durchführung) möglich, was den beteiligten Frauen einen größeren individuellen Gestaltungsspielraum lässt. Allerdings muss in solchen Fällen zwischen der individuellen Wahlfreiheit und den möglichen Kostenvorteilen einer integrierten Lösung abgewogen werden. Beim Neubau dagegen sind nachträgliche Maßnahmen fast immer wesentlich teuerer, als wenn sie gleich in die Bauplanung mit einbezogen und umgesetzt werden, so dass das Aufschieben bestimmter Maßnahmen nur in den seltensten Fällen sinnvoll ist [f_28].

    Zentrale Lage eher möglich
    Unbebaute Grundstücke in zentraler Lage sind rar und teuer. Da für viele Frauenwohnprojekte, wie unsere Dokumentation zeigt, eine zentrale Lage einen besonderen Stellenwert besitzt, sollte die Realisierung in einem bestehenden Gebäude ernsthaft geprüft werden. So ist zum Beispiel der Essener Beginenhof in einem ehemaligen Finanzamtsgebäude realisiert worden – in einer sehr zentralen Lage, in der es kaum verfügbare Neubaugrundstücke gibt [f_29]. Auch das Stuttgarter Frauenwohnprojekt Sarah Café und Kulturzentrum wurde in einem Altbau an einem sehr zentralen Standort realisiert.

    Größere Chancen auf Förderung bzw. Unterstützung
    In allen Regionen mit einer (quantitativen) Sättigung des Wohnungsmarkts wird von kommunaler und Landesseite zunehmend versucht, die Wohnungsbauaktivitäten in den Bestand zu lenken. Zwar gibt es auch in Regionen mit erheblichem Wohnungsleerstand (z. B. in Ostdeutschland) weiterhin geförderten und nicht geförderten Wohnungsneubau, doch konzentriert der sich zunehmend auf den Eigenheimbau. Ohne Zweifel sind die Chancen von Wohnprojekten auf eine kommunale Unterstützung und auf Förderung zumindest in schrumpfenden Regionen bei einer Projektrealisierung im Bestand größer als bei einer angestrebten Neubaulösung.


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  • Nachteile einer Altbaulösung
  • Beschränkte Kündigungsmöglichkeit bei vermieteten Wohnungen

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