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Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Rechtsformen

Einzeleigentum

Gemeinschaftliche Wohnprojekte werden teilweise auch in der traditionellen Form des individuellen Eigentums realisiert. Neben dem klassischen Immobilieneigentum auf einem eigenen Grundstück (z. B. in Form mehrerer, gemeinsam geplanter Reihenhäuser), auf das hier nicht weiter eingegangen wird, kommen insbesondere das Einzeleigentum nach WEG oder das (wenig bekannte) Dauerwohnrecht nach WEG in Frage.

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  • Einzeleigentum nach Wohnungseigentumsgesetz (WEG)

    Die Eigentumswohnung, genauer gesagt das Wohnungseigentum nach Wohnungseigentumsgesetz (meist mit WEG abgekürzt, amtlich korrekt jedoch WoEigG) ist die übliche (und allgemein bekannte) Form der Eigentumsbildung im Geschosswohnungsbau. Bei Eigentumswohnungen erwirbt die Käuferin einen Bruchteil des Grundstücks und Gebäudes sowie ein Sondereigentum an der Wohnung. Die Rechte und Pflichten der Eigentümerin regelt das [Wohnungseigentumsgesetz] (WEG).

    Die Vorteile einer Realisierung eines Projekts oder eines Teils des Projekts in Form von Eigentumswohnungen liegen zum einen darin, dass Frauen, die eine solche Wohnung finanzieren können, eine vergleichsweise hohe Sicherheit für ihren Kapitaleinsatz erhalten. Die Erwerberin bildet individuelles Vermögen, das sie im Fall des Scheiterns des Projekts veräußern kann – mögliche Verluste lassen sich so in Grenzen halten. Im Gegensatz zu gemeinschaftlichen Erwerbsformen ist die Erwerberin nicht unmittelbar von der Zahlungsfähigkeit der übrigen Beteiligten abhängig (auch wenn die Zahlungsunfähigkeit einer Mitbewohnerin und der dann nötige Verkauf oder im schlimmsten Fall die Zwangsversteigerung der Wohnung die Wohnsituation auch der übrigen Bewohnerinnen nachhaltig verändern kann).

    Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass in diesem Rahmen auch Mietwohnungen für solche Frauen geschaffen werden können, die sich die Eigentumsbildung nicht leisten können bzw. kein Eigentum bilden wollen, sofern sich Kapitalanlegerinnen finden, die diese finanzieren. Diese Lösung wurde zum Beispiel nach der Liquidation der Bremer Beginen-Genossenschaft versucht, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Auch im Eigentumsprojekt „Frauen Wohnen im 21. Jahrhundert“ des Berliner Beginenwerks sind einige Wohnungen von den Erwerberinnen vermietet worden – wobei hier wohl eher eine zeitweilige Vermietung mit späterem Einzug der Eigentümerin vorgesehen ist, was für die Mieterin zweifellos keine ideale Situation ist.

    Handelt es sich dagegen um „echte“ Kapitalanlegerinnen ohne Einzugsabsichten, dann ist die Schaffung von Mietwohnungen in Form vermieteter Eigentumswohnungen eine durchaus überlegenswerte Lösung, um ein Wohnprojekt zu realisieren, in dem Frauen mit und ohne Interesse an (oder Möglichkeiten zur) Eigentumsbildung zusammenwohnen.

    Solidarkapital im engeren Sinne ist hierfür nicht notwendig. Denn im Gegensatz zu den beispielsweise beim Konzept des Mietshäuser Syndikats einzuwerbenden zinsverbilligten bzw. zinslosen Direktkrediten hat die Erwerberin einer Eigentumswohnung in einem Frauenwohnprojekt einen hohen Grad an Sicherheit, da ihr eingesetztes Kapital durch den Eigentumstitel an der Wohnung gesichert ist. Auch ist mit dem Modell „Eigentumswohnungen von Kapitalanlegerinnen“ nicht notwendigerweise ein Verzicht auf eine angemessene Miete verbunden – zumindest formal ähnelt das Modell dem bei Frauenwohnprojekten durchaus verbreiteten InvestorInnen-Modell, bei dem nicht davon ausgegangen wird, dass Solidaritätsmieten vereinbart werden [f_15], auch wenn die tatsächlichen Erwartungen an eine Kapitalanlegerin, die eine Wohnung in einem Frauenwohnprojekt kauft, möglicherweise über die Erwartungen an einen „normalen“ Investor hinausgehen. Ein gravierender Nachteil des Konzepts ist auf jeden Fall die Tatsache, dass es sich ausschließlich an Kapitalanlegerinnen mit einem gewissen Vermögen wendet. Klein- und Kleinstkredite der vom Mietshäuser Syndikat angesprochenen „1000 Freundinnen“ können für das Kapitalanlegerinnen-Konzept nicht genutzt werden.

    Die weitgehenden Rechte der Eigentümerinnen sind allerdings auch (neben den Finanzierungsfragen) das größte Problem der Realisierung eines Frauenwohnprojekts in Form von Eigentumswohnungen. Was passiert, wenn eine Eigentümerin dem Projekt – aus welchen Gründen auch immer – den Rücken kehrt? Ein Bewohnerinnenwechsel ist schon bei Mieterinnen u. U. nicht ganz einfach, muss doch eine Bewohnerin gefunden werden, die ins Projekt „passt“ und die bereit ist, all die Vereinbarungen und Usancen im Umgang miteinander zu akzeptieren, die andere über Jahre hinweg entwickelt haben, ganz zu schweigen vom passenden Einkommen (bei geförderten Wohnungen) und dem notwendigen Einverständnis der Vermieterin. Bei einem Eigentümerinnenwechsel potenziert sich dieses Problem. Dann muss eine neue Interessentin gefunden werden, die nicht nur am Projekt interessiert ist, sondern auch noch ausreichend Kapital mitbringt, um die Wohnung zu erwerben. Vor allem aber: Wer entscheidet, an wen verkauft wird? Wie kann vermieden werden, dass die Voreigentümerin, oder deren Erben (!) die Wohnung an die oder den (!) Meistbietenden verkauft?

    Das WEG bietet nur wenige Möglichkeiten, um Mitwirkungsmöglichkeiten der übrigen Bewohnerinnen beim Verkauf einer Wohnung oder bei einer Weitervermietung zu sichern. Höchst problematisch ist auch der Erbfall – soweit die jeweilige Eigentümerin nicht bereit ist, die (beschränkten) Möglichkeiten des Erbrechts zu Gunsten des Projekts auszuschöpfen.


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  • Dauerwohnrecht nach Wohnungseigentumsgesetz

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