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Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Klärung grundlegender Fragen

Nutzungskonzept – Vorstellungen über die gewünschten Flächen, die baulichen Eigenschaften und die architektonischen Rahmenbedingungen

Auch wenn die endgültige bauliche Realisierung des Projekts sehr stark vom Angebot an Grundstücken bzw. Bau-Objekten abhängt, sollten zumindest die grundlegenden Fragen bereits im Vorfeld der Projektentwicklung geklärt werden – auch wenn es dann im konkreten Fall eines angebotenen Grundstücks oder Objektes zu Abstrichen an dem „Idealkonzept“ kommen kann. Werden die diesbezüglichen Fragen erst bei Vorliegen eines konkreten Angebots diskutiert, besteht die Gefahr, dass eine Einigung nicht in der gebotenen Zeit zu Stande kommt. Außerdem erleichtert die Entwicklung eines Nutzungskonzepts möglicherweise die Suche nach geeigneten Grundstücken/Objekten.

In dem Nutzungskonzept sollten insbesondere die folgenden Aspekte geklärt werden:

Bitte wählen Sie ein Thema:

  • Größe des Projekts und Wohnungsstruktur
  • Weitere Flächen/Räume
  • Kriterien für den Standort
  • Kriterien des frauengerechten Bauens

    Die feministische Architektur und Planung hat auf der Grundlage ihrer Kritik am vorherrschenden Wohnungsbau eine Vielzahl von Kriterien zur Berücksichtigung der Interessen von Frauen im Wohnungsbau entwickelt. Vorgeschlagen wurden alternative Grundrisskonzepte, Kriterien zur Anordnung der Wohnungen und Gebäude, zur Ausbildung kommunikativer Verkehrsflächen (Treppenhäuser, Flure, Laubengänge), zur Bereitstellung ausreichender Nebenflächen (Kinderwagen, Fahrradstellplätze …) und zu einem sicheren Wohnumfeld. Nicht alle diese Kriterien sind jedoch für alle zukünftigen Bewohnerinnen und/oder Initiatorinnen gleich wichtig. Ihre Bedeutung hängt vielmehr vor allem von der Lebensform und der Lebenslage der Bewohnerinnen bzw. der Projektzielsetzung ab. Bei den Projekten des frauenfreundlichen Bauens stehen diese Kriterien im Mittelpunkt. Eine bedeutende Rolle spielen jedoch insbesondere alternative Grundrisskonzepte auch bei vielen Projekten für allein erziehende Frauen. Bei den autonomen, Alten- und Beginenprojekten (von denen nicht wenige in – abgesehen von der Integration von Gemeinschaftsflächen – recht konventionellen Grundrissen und Gebäudeformen verwirklicht wurden) spielen diese Kriterien dagegen nur teilweise eine Rolle – nicht so sehr, weil den Projektfrauen die genannten Konzepte nicht wichtig oder nicht bekannt waren, sondern oft deshalb, weil die Projekte letztlich nur wenig bis keinen Einfluss auf die von den InvestorInnen realisierte Architektur hatten. In vielen in der Planungsphase entworfenen Projektflyern und -beschreibungen finden sich Hinweise auf architektonische Vorstellungen entsprechend den Konzepten des frauengerechten Bauens, die im Endeffekt nicht realisiert wurden. Auch aus diesen Gründen empfiehlt es sich, bereits frühzeitig die Bedeutung der Kriterien des frauengerechten Bauens zu klären, da hiervon nicht zuletzt auch die Entscheidung über die Rechts- und Trägerform beeinflusst wird. Denn bei einem durch einen Investor als Mietwohnungsbau realisierten Projekt sind die Möglichkeiten der Beeinflussung der Planung und der Durchsetzung unüblicher baulicher Konzepte in aller Regel deutlich geringer als bei einem im Rahmen einer Genossenschaft realisierten Projekt – bei nicht wenigen Projekten bestanden überhaupt keine Einflussmöglichkeiten auf die bauliche Gestaltung.

    Barrierefreiheit/Behindertengerechtigkeit

    Das von vielen Projekten verfolgte Ziel, Wohnungen für Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen und -lagen und verschiedenen Alters zur Verfügung zu stellen, erfordert auch eine Auseinandersetzung mit der Frage der Barrierefreiheit bzw. Behindertengerechtigkeit der Wohnungen und sonstigen Flächen. Barrierefreiheit (im Sinne der DIN 18025 Teil 2) ist in vielen Bundesländern Standard bei im Rahmen der Sozialen Wohnraumförderungen geförderten Neubau-Wohnungen und führt nur zu geringfügigen Mehrkosten, zumal ein Aufzug für diesen Grad der Barrierefreiheit nicht vorgeschrieben ist. Im Altbau können für die Herstellung von Barrierefreiheit nach DIN 18025 Teil 2 [Barrierefreies Bauen] dagegen unter Umständen erhebliche Umbaukosten auftreten – soweit die räumlichen Möglichkeiten dafür überhaupt gegeben sind.

    Weit kostenintensiver als die Barrierefreiheit ist die Rollstuhlgerechtigkeit (DIN 18025 Teil 1), vor allem, wenn sie für alle Wohnungen bzw. alle Flächen sichergestellt werden soll. Der bedeutendste Kostenfaktor ist, neben den etwas größeren Flächen für die Nebenräume, der bei Gebäuden mit mehr als einem Geschoss erforderliche Aufzug, zumal dieser, soll er für Rollstuhlfahrerinnen geeignet sein, nicht zu klein sein darf. Neben den Baukosten (und den daraus resultierenden Kapitalkosten bzw. Mieten) schlagen auch die Betriebs- und Wartungskosten deutlich zu Buche. Allerdings können unter Umständen bei der rollstuhlgerechten Ausführung des Projekts zusätzliche Fördermittel beantragt werden. Um die Kosten des behindertengerechten Bauens in Grenzen zu halten und auf einen Aufzug verzichten zu können, werden in „normalen“ Wohnbauprojekten, soweit überhaupt rollstuhlgerechte Wohnungen geplant werden, diese im Erdgeschoss gebaut und ausgewiesen – eine Lösung, die Wohnprojekte meist ablehnen, da hierdurch eine Hierarchie der Bewohnerinnen geschaffen wird, weil Rollstuhlfahrerinnen dann weder einen Wunsch nach einer Wohnung in einem höheren Geschoss (mit mehr Licht und Aussicht) realisieren noch die dort Wohnenden besuchen können. Die Beginen in Dortmund haben die Weiterführung des Aufzugs in den Keller, die die InvestorInnen nicht vorgesehen hatten, aus eigener Tasche bzw. mit Hilfe von Krediten von Unterstützerinnen finanziert.

    Autoarmes Wohnen

    In den meisten Bundesländern gibt es Regelungen über die Anzahl der Auto-Stellplätze, die pro Wohnung zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Grundsätze sind in der „Stellplatzverordnung“ des jeweiligen Bundeslandes festgelegt, nur das Land Berlin hat seine Verordnung aufgehoben. Die Umsetzung der Verordnung obliegt den Kommunen, sie können in mehr oder weniger großem Umfang entweder fall- oder gebietsbezogen Ausnahmen genehmigen. So gelten beispielsweise in Hamburg für weite Teile der Innenstadt Sonderregelungen.

    Die Pflicht zur Bereitstellung von Autostellplätzen ist ein erheblicher Kostenfaktor, insbesondere bei Projekten in zentralen, dicht bebauten Lagen. Oft bleibt nur die Möglichkeit des Baus einer Tiefgarage – oder die Ablösung von Stellplätzen durch die Zahlung einer von der Kommune festgelegten, vier- bis oft fünfstelligen Summe, soweit dies überhaupt zulässig ist.

    Einige Frauenwohnprojekte haben deshalb versucht, in Verhandlungen mit der kommunalen Baugenehmigungsbehörde die Zahl der geforderten Stellplätze mit Hinweis auf den geringen Motorisierungsgrad der Bewohnerinnen und auf Konzepte des Carsharings auf privater Ebene und/oder durch die Integration eines Standplatzes für die örtliche Carsharing-Organisation zu reduzieren. In manchen Fällen ist dies auch gelungen (z. B. beim Bremer Beginenhof, beim Wohnprojekt für Alleinerziehende Bachstraße in Hagen und beim Projekt FrauenWohnen in München-Riem). Hinweise auf den Anteil älterer Frauen in der Projektgruppe sind hierbei in aller Regel von Nutzen. Eine besonders weit gehende Reduktion der Zahl der Stellplätze (auf etwa 0,2 Stellplätze pro Wohnung) ist beim „autoarmen“ Wohnen möglich [Autofreies Wohnen].

    Ökologisches Bauen

    Bauen ist, daran führt kein Weg vorbei, im strengen Sinn „antiökologisch“. Bauen versiegelt den Boden, verbraucht Ressourcen, führt auch in der Nutzungsphase zu erheblichem Energieverbrauch (Strom, Wasser, Heizung) und erzeugt meist zusätzlichen Verkehr.

    Es gibt jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, das Bauen ökologisch verträglicher zu machen [Ökologisches Bauen]. Die Maßnahmen reichen von der Verwendung natürlicher, regional erzeugter Baustoffe über Maßnahmen zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs beim Bau und bei der Nutzung bis zur Wahl eines integrierten Standorts zur Verringerung des Verkehrsaufkommens.

    Der wohl meist diskutierte Aspekt des ökologischen Bauens ist die Reduzierung des Energiebedarfs für die Raumwärme. Ca. 15 % des bundesrepublikanischen Endenergieverbrauchs entfallen auf das Heizen der Wohnungen.

    Im Prinzip gibt es folgende Möglichkeiten zur Energieeinsparung beim Temperieren von (Wohn)Gebäuden:

    • eine kompakte Bauweise, bei der das Verhältnis von Außenfläche und Raumvolumen minimiert wird
    • eine möglichst gute Dämmung und Dichtheit der Außenflächen
    • eine Architektur, die ein hohes Maß an passiver Wärmegewinnung ermöglicht (Aufheizung von Räumen durch Glasflächen)
    • ein effizientes Heiz- (und Lüftungs-)system
    • regenerative Formen der Wärmeerzeugung (Sonnenkollektoren, Wärmepumpe).

    Die Vorteile solcher Maßnahmen liegen auf der Hand: neben der Umwelt wird auch der Geldbeutel der Bewohnerinnen geschont – zumindest auf lange Sicht. Zunächst jedoch entstehen – bspw. durch erhöhte Dämmung oder durch den Austausch der Heizanlage beim Altbau – höhere Baukosten, die erst im Laufe der Zeit durch geringere Energiekosten kompensiert werden. Allerdings können für viele dieser, über den gesetzlichen Mindeststandard nach der Energiesparverordnung (EnEV) hinausgehenden Maßnahmen Fördermittel eingeworben

    werden. Außerdem erfordert eine sehr dichte Außenhaut zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden (Schimmelbildung) eine sehr sorgfältige Belüftung, die nach Ansicht vieler Experten nur durch ein Belüftungssystem erreichbar ist. Ein solches System kostet jedoch, insbesondere in der konsequenteren Form mit Wärmerückgewinnung, zusätzlich, braucht Raum(höhe), verbraucht Energie und muss regelmäßig gewartet werden.

    Wesentliche Faktoren der Energieeinsparung sind auch die Gebäudeform und die Ausrichtung des Gebäudes, Kriterien, die tendenziell einigen Kriterien des frauengerechten Bauens entgegenstehen. Eine kompakte Gebäudeform wird zwar unter Kostengesichtspunkten einem Wohnprojekt entgegenkommen. Die „Idealform“ des Kompakten, der Würfel, führt allerdings in der meist realisierten Größenordnung (freistehende Gebäude mit mindestens vier Wohnungen je Ebene) zwangsläufig zu sehr unterschiedlich belichteten, also auch qualitativ sehr unterschiedlichen Wohnungen (und läuft in dieser Form auch dem Ökologie-Kriterium der optimalen Ausrichtung zuwider – mit innen liegenden Bädern und eingeschränkter Möglichkeit des „Durchwohnens“). Und der Wunsch nach einem Kommunikationsbereich in Form eines „Innenhofes“ kann bei dieser Gebäudeform erst bei relativ großen Projekten annähernd realisiert werden.

    Transparenz/Durchwohnen und gleichwertige Räume, zentrale Kriterien des frauenfreundlichen Wohnens, können zwar (und werden auch häufig) sehr gut auch in kompakten Gebäuden realisiert werden. Jedoch wirken gegliederte, differenziertere Baukörper tendenziell leichter und freundlicher und die kommunikationsfreundlichen halböffentlichen Bereiche (offene Treppenhäuser, erweiterte Verkehrsflächen im/am Gebäude) lassen sich besser in auskragenden, vorspringenden und offenen Bauteilen realisieren.

    Auch eine optimale Gebäudeausrichtung (Nebenräume mit kleinen Fenstern nach Norden, offene Räume, eventuell mit Wintergarten nach Süden) ist nicht in allen Belangen mit den Anforderungen des frauengerechten Bauens vereinbar: Abgesehen davon, dass nicht bei jedem Grundstück (insbesondere innerstädtischen) eine Nord-Süd-Ausrichtung möglich und sinnvoll ist, erlaubt eine solche Ausrichtung z. B. nicht die konsequente Orientierung der Küchen und/oder „Familien“räume (Allräume) zu einem gemeinschaftlichen Innenhof, wie sie in Frauenwohnprojekten (Kommunikation, Kinderbeaufsichtigung usw.) oft gewünscht wird [f_4].

    Weitere, in den Frauenwohnprojekten teilweise realisierte ökologisch orientierte Baumaßnahmen sind Maßnahmen zur Regenwasserversickerung und/oder Nutzung (Dachbegrünung, Regenwasserzisternen, Toilettenspülung mit Regenwasser, Rasensteine für Stellplätze, …). Dagegen sind die ebenfalls auf längere Sicht kostensparenden, zunächst aber kostenträchtigen Sonnenkollektoren oder Photovoltaik-Anlagen nur selten in Frauenwohnprojekten realisiert worden, obwohl auch für solche Anlagen Förderungsmöglichkeiten der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie auf Landes- und kommunaler Ebene bestehen.

    Der Grund liegt wohl nicht zuletzt darin, dass die Investoren (bei Mietwohnungsprojekten) bisher trotz der Förderung oft kein Interesse an den zusätzlichen Investitionskosten haben, die sich erst im Laufe der Zeit über höhere Mieteinnahmen amortisieren [f_5]. Bei den von den Bewohnerinnen getragenen Projekten (Genossenschaften oder Einzeleigentum) spielt wohl ebenfalls das zusätzlich benötigte Investitionskapital eine entscheidende Rolle, da die Projekte in der Regel tendenziell ein zu geringes Eigenkapital haben.

    In beiden Fällen dürfte ein wesentlicher Faktor der Entstehungszeitpunkt sein: war das Thema zur Gründungszeit der Schokofabrik noch eher exotisch und die technische Umsetzung im Experimentierstadium, so wird es in den letzten Jahren in der politischen Diskussion wie in der Bauwirtschaft ernstgenommen und auch ökonomisch interessant – der Markt bietet inzwischen eine breite Palette technisch ausgereifter Produkte.


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