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Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Klärung grundlegender Fragen

Nutzungskonzept – Vorstellungen über die gewünschten Flächen, die baulichen Eigenschaften und die architektonischen Rahmenbedingungen

Auch wenn die endgültige bauliche Realisierung des Projekts sehr stark vom Angebot an Grundstücken bzw. Bau-Objekten abhängt, sollten zumindest die grundlegenden Fragen bereits im Vorfeld der Projektentwicklung geklärt werden – auch wenn es dann im konkreten Fall eines angebotenen Grundstücks oder Objektes zu Abstrichen an dem „Idealkonzept“ kommen kann. Werden die diesbezüglichen Fragen erst bei Vorliegen eines konkreten Angebots diskutiert, besteht die Gefahr, dass eine Einigung nicht in der gebotenen Zeit zu Stande kommt. Außerdem erleichtert die Entwicklung eines Nutzungskonzepts möglicherweise die Suche nach geeigneten Grundstücken/Objekten.

In dem Nutzungskonzept sollten insbesondere die folgenden Aspekte geklärt werden:

Bitte wählen Sie ein Thema:

  • Größe des Projekts und Wohnungsstruktur
  • Weitere Flächen/Räume

    Gemeinschaftliche Flächen/Räume
    Gemeinschaftliche Flächen bzw. Räume sind für viele Projekte der Kern gemeinschaftlicher Wohnprojekte. Sie ermöglichen den Bewohnerinnen gemeinsame Aktivitäten, bieten aber auch einzelnen oder kleinen Gruppen von Bewohnerinnen die Möglichkeit, zeitweilig über zusätzliche Räume zu verfügen. In den meisten Projekten geht es um einen großen Raum für Besprechungen oder Feste der Bewohnerinnen, um Spielflächen für Kinder oder um Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. Aber auch Meditationsräume, Räume der Stille, Werkstätten, Wellnessbereiche, ein Hamam (die z. T. auch der Frauenöffentlichkeit zugänglich sind) sind in Frauenwohnprojekten verwirklicht worden.

    Die Ideen für das mögliche Angebot an Gemeinschaftsflächen sind vielfältig – eine Grenze setzt vor allem das für die Finanzierung dieser Flächen nötige Geld. Denn auch die Gemeinschaftsflächen müssen gebaut bzw. gekauft bzw. gemietet werden und verursachen zudem in aller Regel nicht unerhebliche Betriebskosten (Strom, Wasser, Heizung, Instandhaltung usw.) und auch Arbeit (Herrichten, Reinigen, Verwalten). Außerdem sind die Förderungsmöglichkeiten bei Gemeinschaftsflächen beschränkt, soweit überhaupt solche bestehen.

    In dem Nutzungskonzept sollte deshalb geklärt werden, welche Funktionen die Gemeinschaftsflächen erfüllen sollen, wie groß die Räume sein sollen, inwiefern diese Funktionen kombinierbar sind oder mehrere Räume erfordern und wie die Räume finanziert werden sollen. In der Regel sind die Räume mit einer Küchenzeile und einem Bad ausgestattet – nicht zuletzt deshalb, weil dies die Umnutzung als normale Wohnung für eine weitere Bewohnerin erleichtert. Eine entsprechende Planung ist auch dringend anzuraten, da die Finanzierung der Gemeinschaftsräume nicht selten – vor allem nach einer ersten euphorischen Phase – zum Problem wird.

    Büro- und Praxisflächen
    In vielen Projekten wird die Idee der Kombination von Wohnen und Arbeiten diskutiert. Zu klären ist also die Frage, ob neben den Wohnungen und den Gemeinschaftsflächen auch Büro- und Praxisräume für freiberuflich arbeitende Bewohnerinnen (etwa Krankengymnastinnen, Heilpraktikerinnen, Therapeutinnen, Übersetzerinnen oder Architektinnen) und eventuell auch Werkstätten gewünscht werden. In einigen Projekten werden auch Vereinsräume (etwa für den Förderverein des Projekts oder auch einen übergeordneten Verein) eingeplant. Die Finanzierung dieser Flächen ist unproblematisch, solange die Flächen von Bewohnerinnen angemietet werden bzw. der Verein zahlungsfähig ist. Besteht aber seitens der Bewohnerinnen kein ausreichendes Interesse an diesen Räumen (mehr), muss gegebenenfalls an Dritte vermietet werden, was insbesondere bei peripheren Standorten möglicherweise nicht einfach ist, v. a. wenn ausschließlich an Frauen vermietet werden soll. Auch hier wäre eine Konzeption, die eine Wohnnutzung ohne große Umbaumaßnahmen möglich macht, von Vorteil.

    Cafés, Frauenhotels, Läden, Kindertagesstätten, sonstige Flächen
    Beim ersten in unserer Dokumentation erfassten Projekt war ein Café- und Kulturzentrum für Frauen der Kern der Projektidee und die Wohnungen für die Projektfrauen zunächst eher eine gewünschte Zugabe, die aber im Laufe der Zeit eine immer gewichtigere Rolle bekommen hat. Auch in der Schokoladenfabrik in Berlin nehmen die für Frauen öffentlichen Räume (Café, Hamam, Sporträume, Werkstätten) breiten Raum ein. Für andere Projekte gilt dies nicht, doch wird die Idee zur Integration eines Cafés (nicht nur für Frauen) nicht selten diskutiert, aber letztlich doch nur sehr selten realisiert (obwohl ein solches Café u. U. das Problem der Finanzierung der Gemeinschaftsräume lösen oder zumindest verringern könnte, wie die genannten Beispiele Sarah und Schokofabrik zeigen). In einigen Projekten sind (für Kinder aus dem Wohngebiet offene) Kindertagesstätten eines gemeinnützigen Trägers integriert.

    Auch die Idee der Integration eines Frauenhotels findet sich in manchen Konzepten größerer autonomer Projekte (z. B. Beginenhof Bremen und Frauenwohnen im 21. Jahrhundert in Berlin), wurde jedoch bisher noch nie realisiert, da sich letztlich keine Frauen fanden, die investieren und das Risiko übernehmen wollten. Das Problem solcher Flächen ist zweifellos die dauerhafte Sicherung der Finanzierung bzw. Vermietung4 [f_2], weshalb die Projektgruppe genau prüfen sollte, inwieweit es im Zweifelsfall möglich (und akzeptiert!) ist, dass solche Flächen gegebenenfalls an „normale“ (auch männliche) Mieter/Investoren vermietet/verkauft werden. Besonders in diesem Fall erweist sich eine klare räumliche Trennung der gewerblichen und der Wohnbereiche als vorteilhaft.

    Freiflächen/Gärten
    Neben Gemeinschaftsräumen sind auch gemeinsame Freiflächen ein häufig gewünschter Aspekt von Frauenwohnprojekten, zumal diese in vielen Fällen wesentlich leichter zu realisieren und zu „betreiben“ sind als Räume. Als ideal angesehen wird eine Kombination von privaten, den Wohnungen zugeordneten Freiflächen und einer gemeinsamen, größeren Freifläche. Gewonnen werden können diese – bei Neubauprojekten und soweit dies Größe und Zuschnitt des Grundstücks erlauben – durch eine entsprechende Anordnung der Gebäude (z. B. in U-Form, eine nicht nur bei den Beginenprojekten beliebte Konzeption). Entscheidend hierbei ist allerdings das Verhältnis von bebauter und unbebauter Grundstücksfläche, die nicht zuletzt mit dem Standort (und dem Grundstückspreis) zusammenhängt. Bei innerstädtischen Grundstücken sind großzügige Freiflächen in aller Regel weit schwieriger zu verwirklichen als bei Projekten an peripheren Standorten.


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  • Kriterien für den Standort
  • Kriterien des frauengerechten Bauens

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