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Stadt & Frau Modellprojekt

   
TypFrauengerechter Wohnungsbau
StandortFreiburg
Projektierungsbeginn1990
Fertigstellung/Erstbezug1998/2001
Kontakt verein[at]stadtundfrau.de
http://www.modellprojekt-stadtundfrau.de
Architektinnengemeinschaft Renate Bert, Ch. Smuda-Jescheck, Ursula E. Müller
architektinnengemeinschaft[at]t-online.de
Architekturbüro I. Thor-Klauser, Jahnstr.17 79117 Freiburg
architekturbuero[at]thor-klauser.de
SchwerpunkteFeministisches Modellprojekt für geschlechtergerechte Planung mit umfangreicher Beteiligung von Fachfrauen und Bewohnerinnen, anfangs verwaltet von einer eigens gegründeten Frauenwohngenossenschaft
BesonderheitFür das Projekt wurde der erste Architekturwettbewerb in Baden-Württemberg ausgelobt, der sich ausschließlich an Architektinnen richtete. Das Projekt erhielt 2002 beim Wettbewerb „Wohnen mit Kindern“ – ausgelobt von der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen, dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und dem Sozialministerium Baden-Württemberg – den 2. Preis in der Gruppe B: Wohnung, Haus und Wohnumfeld.
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinVerein „Stadt & Frau e. V.“, hervorgegangen aus privater Initiative einiger Frauen
EigentumEinzeleigentum (überwiegend KapitalanlegerInnen, zum Teil EigennutzerInnen), Verwaltung der Mietwohnungen (in den Anfangsjahren): „Stadt & Frau Wohnungsgenossenschaft eG“ (inzwischen aufgelöst)
Architektur1. und 2. Bauabschnitt: Arbeitsgemeinschaft Architektinnengemeinschaft Renate Bert, Ursula Müller, Charlotte Jescheck, Architekturbüro Ingeborg Thor-Klauser, Freiburg; Matilde Iaccarino (Freiraumplanung) 3. Bauabschnitt: evaplan, Karlsruhe
Kooperation Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Freiburg, Gemeinderätinnen aller Parteien, Bürgermeister der Stadt Freiburg
ProjektumfangGesamtprojekt Das Projekt umfasst drei Bauabschnitte auf 3.600 m² Grundstücksfläche mit Wohnungen, Gemeinschafts- und öffentlichen Einrichtungen.
Wohnungen67 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 4.800 m²
Gemeinschaftsflächen450 m² Fläche zur gemeinschaftlichen Nutzung (Gruppenarbeitsraum, Mutter-Kind-Treff, Krabbelstube, Gymnastikraum u. a.)
sonstige Flächen 250 m² gewerblich zu nutzende Flächen. Die gewerblich genutzten Flächen sollen „frauenfreundliche“ Erwerbsarbeitsplätze bieten. Die Tiefgaragenfläche konnte durch Doppelparkpaletten reduziert werden.
Kosten
Anfangsmiete für die Sozialmietwohnungen (1998): 9,25 DM bzw.
12,50 DM pro m² Wohnfläche je nach Förderweg.
Die Nutzung der Gemeinschaftsräume ist kostenlos, da die Kosten der Gemeinschaftsräume auf die Kosten der Wohnungen umgelegt und jeweils von den EinzeleigentümerInnen bezahlt werden.
Finanzierung/FörderungDie Wohnungen des 1. und 2. Bauabschnitts sind überwiegend im Rahmen des Sozialen Wohnungsbaus, 3. Förderungsweg, als „Mietwohnungen im Anlegermodell“ gefördert. Die Wohnungen wurden von einem Bauträger erstellt, von KapitalanlegernInnen erworben und zunächst von der „Wohnungsgenossenschaft Stadt & Frau eG“ verwaltet. Inzwischen wurde diese Aufgabe von einem kommerziellen Verwalter übernommen. Die Stadt Freiburg hat ein 15-jähriges Belegungsrecht.
Der 3. Bauabschnitt sollte ursprünglich von der „Stadt & Frau Wohnungsgenossenschaft eG“ in Eigenregie realisiert werden. Da das Grundstück nicht zu erwerben war (der Bauträger war bereits im Besitz des Grundstückes und stellte zu hohe Forderungen), konnte dieses Vorhaben jedoch nicht verwirklicht werden. Der 3. Bauabschnitt wurde schließlich in umweltgerechter, energiebewusster und kostengünstiger Bauweise von einer Bauleutegemeinschaft als frei finanzierter Wohnungsbau realisiert.
ZielgruppenAllein lebende Frauen, allein erziehende Frauen, Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, getrennt wohnende Eltern, die ihre Kinder gemeinsam erziehen wollen, Menschen und Familien, die nachbarschaftlich leben wollen.
ZielsetzungenDas Projekt will angemessene Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen mit Hilfe architektonischer und partizipatorischer Maßnahmen herstellen sowie Frauenbelange in Bau- und Umweltplanung durch eine dezidierte Beteiligung von Frauen und Fachfrauen an der Stadt- und Wohnraumplanung fördern und manifestieren. Durch eine Aufwertung alltäglicher Lebensvollzüge und der Reproduktionsarbeit soll eine Veränderung der dominanten Ökonomie und des tradierten Rollenverständnisses erreicht werden. Die Trennung der Funktionsbereiche Arbeiten, Wohnen, kulturelle Aktivitäten und Versorgung soll zugunsten einer integrativen Verschränkung dieser Bereiche aufgehoben werden. Großzügige Gemeinschaftsräume für selbstorganisierte, soziale und kulturelle Initiativen sollen die „konkrete Utopie“ neuer Wohn- und Lebensformen vervollständigen. Die zukünftigen NutzerInnen sollten frühzeitig in den Bau- und Planungsprozess eingebunden werden und die Hausverwaltung sowie Vermietung aktiv beeinflussen und mitbestimmen können. Wohnraum und Wohnrecht sollten dauerhaft gesichert und der Spekulation auf dem Wohnungsmarkt entzogen werden. Die Wohnungen sollten so geplant werden, dass sie sich verschiedensten Lebensphasen und -konzepten anpassen können.
Als Fazit stellen die Initiatorinnen fest: Das Projekt zeigt, dass Prinzipien der geschlechtergerechten Planung auch ohne zusätzliche Kosten umgesetzt werden können.
PartizipationDie zukünftigen BewohnerInnen des neuen Stadtteils wurden frühzeitig beteiligt, um soziale Netzwerke für ein nachbarschaftliches Zusammenleben entstehen zu lassen. Dazu wurden Fragebogenaktionen und BewohnerInnentreffs von Frauen des Vereins „Stadt & Frau e. V.“ organisiert. Es wurde eine baulich-architektonische Planungsstruktur erarbeitet, innerhalb derer es möglich war, auf individuelle Bedürfnisse der BewohnerInnen einzugehen. In der Anfangsphase verwaltete und vermietete die eigens gegründete Wohnungsgenossenschaft „Stadt & Frau eG“ alle Wohnungen und gewerblichen Räume. Die geförderten Wohnungen wurden in Absprache mit dem Amt für Wohnungswesen der Stadt Freiburg vermietet.
Architektur und Stadtplanung
LageDas Projekt befindet sich in städtebaulich bevorzugter Lage am östlichen Eingang des Stadtteils Rieselfeld im Westen der Stadt Freiburg, der als neuer Stadtteil für 10.000 BewohnerInnen geplant wurde. Der Stadtteil verfügt über eine eigenständige Infrastruktur mit Erwerbsarbeitsplätzen, einem eigenen Stadtbahnanschluss und Einrichtungen für den täglichen Bedarf. Durch gut erreichbare Naherholungsflächen gewinnt der Stadtteil an zusätzlicher Attraktivität.
GebäudeDas 5-geschossige Gebäudeensemble des dritten Bauabschnitts, das als Eckgebäude Teil einer Blockrandbebauung ist, besteht aus zwei Baukörpern, die über einen dazwischen liegenden verglasten Erschließungsbereich mit Treppenanlage, Aufzug und großzügigen Gemeinschaftsbereichen erschlossen werden. Die beiden Gemeinschaftsräume sind als Kuben über 1,5 Geschosse in die Erschließungszone eingefügt und bilden so eine städtebauliche Markante. Die Wohnungen werden über verglaste Laubengänge erschlossen. Dem Südflügel ist eine gläserne Pufferzone vorgelagert, die mit den Wohneinheiten konzeptionell verbunden ist und eine Wohnraumerweiterung in den Übergangsmonaten bietet. Im Ergeschoss des Westflügels sind gewerbliche Nutzungen (Café, Laden, Büro) untergebracht. Der südliche Teil des Flügels ist als Kopfbau ausgebildet, um eine Torsituation zu schaffen, die durch eine durchgehende Balkonzone in den Obergeschossen zusätzlich betont wird. In diesem Gebäudeteil befinden sich auch die Wohnungen für Wohngemeinschaften mit einer großen Wohnküche und Individualräumen mit eigenem Bad. Alle Wohnungen verfügen über gleich große, nutzungsneutrale Zimmer, multifunktionale, zum Laubengang hin orientierte Küchen mit Blick- und Rufkontakt zum Innenhof sowie zum Hof orientierte, natürlich belichtete und belüftete Bäder. Es besteht Barrierefreiheit für einen großen Teil der Wohnungen.
AussenanlagenDie Freiräume sind klar zoniert in private, halböffentliche und öffentliche Bereiche für vielfältige Nutzungen.
ÖkologieDie Gebäude wurden in Niedrigenergiebauweise (65 kWh/m² Jahr), mit einem Gründach und aus schadstoffarmen Materialien errichtet.
Chronik1990: der Arbeitskreis Stadt & Frau wird gegründet
1991/1992: städtebaulicher Ideenwettbewerb für den neuen Stadtteil Rieselfeld in Freiburg
1992: Erarbeitung eines frauenorientierten Kriterienkatalogs für die Entwicklung des neuen Stadtteils Rieselfeld
1993: Organisation eines Seminars: „Frauenorientierte Prozessplanung“ und Konkretisierung der Zielsetzung des Baus eines eigenen Wohnprojektes; Gründung des Vereins „Stadt & Frau e. V.“
1994: öffentliche Informationsveranstaltungen, umfangreiche PR-Arbeit. „Stadt und Frau e. V.“ reserviert fünf Grundstücke bei der Stadt
1995: Erarbeitung eines Gesamtkonzepts sowie Verhandlungen mit Bauträgern, Bewohnerinnenbeteiligung an Planung und Organisation
Planungsauftrag durch den Bauträger an Architektinnen aus dem Verein Stadt und Frau, Wettbewerbsausschreibung für Architektinnen für den 3. Bauabschnitt durch den Verein Stadt & Frau und den Bauträger
1996: Wettbewerbsentscheidung im März für eva-plan, Karlsruhe (3. Bauabschnitt) und Gründung der Wohnungsgenossenschaft Stadt & Frau eG durch Verein Stadt & Frau und zukünftige Bewohnerinnen
1997: Eintragung der Genossenschaft
Dezember 1997: Baubeginn, Wohnungsvergabe durch Gremium von zukünftigen Bewohnerinnen in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wohnungswesen
1998: Fertigstellung und Bezug des 1. Bauabschnitts im Frühjahr und Fertigstellung des 2. Bauabschnitts im Herbst
1999: Baubeginn des 3. Bauabschnitts. Insolvenz des Bauträgers verzögert Bau
2000: Gründung einer Bauleutegemeinschaft
2001: Fertigstellung und Bezug des 3. Bauabschnittes
Entwicklungen seit Erstbezug 2006 wurde die Genossenschaft Stadt & Frau eG aufgelöst. Das Projekt hat für den neuen Stadtteil eine wichtige integrierende Rolle übernommen. Die BewohnerInnenzufriedenheit ist ausgesprochen hoch. Das Projekt will Impulse für die Weiterentwicklung der hier gewonnenen Erkenntnisse geben und Mut machen für mehr Projekte mit verändertem Planungsverständnis.
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Durchsetzung eines Architektinnenwettbewerbs
  • Planung durch Architektinnen in partizipativem Planungsprozess
  • (preiswerter) Wohnraum, der die Vereinbarung von Beruf und Kindern unterstützt
  • Wohnungen, die durch Schaltung vergrößerbar und unterteilbar sind
  • differenzierte Wohnungsgrößen
  • Wohnungen barrierefrei und bei Bedarf in behindertenfreundliche Wohneinheiten umbaubar
  • für jede(n) einen eigenen, gleich großen Raum
  • Küche als zentraler Wohnraum
  • verschiedene Kommunikations- und Gemeinschaftsräume für selbstorganisierte Nutzungen, Kristallisationspunkte für nachbarschaftliches Leben des gesamten Stadtteils
  • Erleichterung der Orientierung und Verstärkung des Sicherheitsgefühls durch transparente Gestaltung der öffentlichen und halböffentlichen Bereiche, Blick- und Rufkontakt zur Straße und zum Innenhof
  • differenziertes Freiraumkonzept für vielfältige Nutzungen
  • halböffentliche „Zwischenräume“ als Zonen möglicher Nachbarschaftskontakte und mit ebenerdigen Abstellflächen für Fahrräder und Kinderwagen
  • Belebung des öffentlichen Raumes mit Eingängen an Straße und Platz sowie Schaffung von zahlreichen Durchgängen zum Innenhof
  • Frauenarbeitsplätze im Projekt
  • Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Sporteinrichtungen, Straßenbahn
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