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Offensiv Altern – Offensiv Leben

   
TypWohnprojekte für Frauen (nicht nur) im Alter
StandortBerlin
Projektierungsbeginn1977
Fertigstellung/Erstbezug1999
SchwerpunkteIntergeneratives Projekt mit dem Ziel der Schaffung einer anderen Realität älterer Frauen, mit starker Außenorientierung
BesonderheitDas Projekt wurde im Rahmen des Bund-/Länder-Programms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ mit dem Schwerpunkt der Entwicklung gemeinschaftsbezogener Wohnformen errichtet.
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinEine Gruppe von Frauen zwischen (zu Beginn) 30 und 80 Jahren, hervorgegangen aus dem 1977 im Berliner Frauenzentrum gegründeten Verein „Offensives Altern e. V.“ (Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband und im „Forum Gemeinschaftliches Wohnen e. V.“)
EigentumBerliner Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft von 1892 eG
ArchitekturArchitekturbüro Liepe/Steigelmann, Berlin Projektdaten Neubauprojekt auf einem ca. 4.500 m² großen Grundstück.
WohnungenEs umfasst 30 Mietwohnungen, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Single- bzw. Familienhaushalte bieten. Sechs 4-Zimmer-Wohnungen in einem separaten Gebäude, vier 3-Zimmer-Wohnungen, neun 2-Zimmer- und elf 1,5-Zimmer-Wohnungen. 24 Wohnungen belegt der Verein Offensives Alter e. V., weitere sechs Wohnungen sind für die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft 1892 reserviert.
GemeinschaftsflächenEs gibt einen Gemeinschaftsraum mit Küche, der von den Bewohnerinnen selbst gestaltet werden konnte, sowie eine Gästewohnung und diverse Räume im Keller zur freien Nutzung.
Kosten/MietenDas Baugrundstück hat die „1892“ zum größeren Teil vom Land, zum kleineren vom Bund (ein altes Bunkergelände) erworben, ein (wegen des erforderlichen Bunkerabbruchs) langwieriges und mühsames Prozedere. Nur durch unermüdliche Einmischung des Vereins „Offensives Alter“ – Schreiben, Eingaben, Aktivieren politischer Schlüsselpersonen und Parteien – kam es nach jahrelangen Verzögerungen zu einem Abschluss. Wegen der inzwischen gewaltig gestiegenen Bodenpreise war die „1892“ zudem gezwungen, ihre ursprünglich bereits anerkannten Baukosten um ca. ein Drittel zu reduzieren, um mit der Bauverwaltung und der IBB (Investitionsbank Berlin) eine Einigung um die Förderkonditionen herbeizuführen.
Finanzierung/FörderungDas Projekt ist ein im Rahmen des Bund-/Länder-Programms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ mit dem Schwerpunkt der Entwicklung gemeinschaftsbezogener Wohnformen errichteter, im 1. Förderweg des Sozialen Wohnungsbaus geförderter Wohnungsbau.
ZielgruppenAllein stehende Frauen jeden Alters mit und ohne Kinder, v. a. aber ältere Frauen, die der drohenden Vereinsamung im Alter entgegenwirken wollen bzw. eine Alternative zum Altersheim suchen sowie allein erziehende Mütter.
BewohnerInnenstrukturIm Jahr 2007 wohnten 24 Frauen zwischen 27 und 73 Jahren und 18 Kindern zwischen 0 und 18 Jahren in dem Projekt.
Die lange Wartezeit hatte nicht nur den Preis höherer Erstellungskosten, sondern auch einen menschlichen Preis: manche Alleinerziehende hatte inzwischen eine andere Lösung finden müssen und leider starben in dieser Zeit einige der älteren Aktivistinnen.
ZielsetzungenSelbst bestimmt Leben im Alter, nicht vereinzelt in einer irgendwann zu großen Familienwohnung, sondern im eigenen Rahmen, eingebettet in eine Gemeinschaft, in der gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung sicher sind, wo die Chance besteht, Gleichgesinnte zum Austausch oder zu gemeinsamen Aktivitäten zu finden. Eine andere Frauen-Realität umsetzen, in Abgrenzung zur „typischen älteren Frau“. Das waren die Ziele der frühen Initiatorinnen. Hinzu kam der Gedanke der Einbindung der eigenen Wohnumgebung in einen größeren sozialen Rahmen, z. B. durch Beiträge zur kulturellen und sozialen Versorgung des Quartiers durch Seminare und Gesprächskreise. Ziel war es:
  • alternativ zur traditionellen Familienstruktur einen Frauenalltag gemeinsam zu leben, der uns ermöglicht, Härten und Isolation sowohl von alten als auch von jungen Frauen – besonders allein erziehenden Müttern – entgegen zu wirken,
  • eine Gemeinschaft zur gegenseitigen Hilfeleistung in allen Lebenslagen zu bilden, die tolerant und offen miteinander umgeht,
  • mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten, wie wöchentliches Yoga, Haustreffen, Feiern, Lesungen, Ausflüge und Reisen zur Festigung der Gemeinschaft beizutragen,
  • in all diese Aktivitäten auch die Bewohnerinnen der Nachbarschaft mit einzubeziehen.
    Diesen Ansprüchen im Alltag gerecht zu werden, war zunächst nicht unproblematisch – beispielsweise in Bezug auf die Bedürfnisse nach Nähe und Abgrenzung. In praktischen Fragen hingegen blieben viele der üblichen Querelen des Gemeinschaftswohnens glücklicherweise aus. Schon kurz nach Einzug waren der Gemeinschaftsraum möbliert und eine Reihe von Gemeinschaftsaktivitäten organisiert worden, von der Gymnastikgruppe bis zum wöchentlichen Treff, bei dem Fragen des Gemeinschaftslebens angesprochen werden oder dem sonntäglichen Brunch, zu dem auch Frauen aus der Nachbarschaft gern gesehen sind.
    Ziele der „1892“, die sich mit denen der Initiatorinnen teilweise decken, waren (und sind) u. a. das Bündeln von Angeboten für ein lebenslanges, gutes, nachbarschaftsorientiertes Wohnen, das Fördern anspruchsvoller Wohnreformen, verbleiben können in der herkömmlichen Wohnung im Alter durch Anpassung der baulichen Gegebenheiten.
PartizipationDas Projekt entstand durch das Engagement der Frauen vom Verein „Offensives Altern“, das sich mit den (alten und) neuen Konzepten der „1892“ traf – insbesondere in Hinblick auf „Generationen-Mix“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“. So haben die Frauen von vorne herein ihre Vorstellungen und Wünsche in die Konzeptentwicklung eingebracht. Zwangsläufig wurde auch der Vorlauf, insbesondere die Grundstücksverhandlungen, in starkem Maße von ihnen mit bestimmt.
Es lag durchaus im Interesse der Wohnbaugenossenschaft, die Bewohnerinnen in die Planungen einzubeziehen, da sie auf diese Weise ein Wohnexperiment wagen und dabei auf Engagement und Identifikation der Bewohnerinnen „bauen“ konnte – allerdings nicht ohne notwendige Lerneffekte im Umgang mit den unkonventionellen Bewohnerinnen.
Auch in die Planung des Architekturbüros flossen von Anfang an die Visionen der künftigen Nutzerinnen in einem intensiven Dialog ein. Das konnte allerdings nicht verhindern, dass manche erst bei den ersten Baustellen-Begehungen die genauen Bedingungen ihres neuen Zuhauses realisierte – nicht ohne Enttäuschungen.
LageDas Baugrundstück liegt im Neuköllner Ortsteil Buckow, südöstlich der 1925-32 errichteten, damals als vorbildlich geltenden „Hufeisensiedlung“ (des Architekten Bruno Taut). Im Rahmen des Bund-Länder-Programms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau entstand hier zunächst (bis Frühjahr 1992) als Pilotprojekt die Siedlung „Kommunikativ Wohnen“ als öffentlich geförderter Wohnungsbau und im Anschluss das Projekt „Offensiv Altern – Offensiv Leben“. Die isolierte Lage am Stadtrand, geprägt durch Einfamilienhäuser, Kleingärten und Siedlungsbauten der 1970er und 1980er Jahre und ohne Infrastruktur entspricht nicht unbedingt den von Wohnprojektbeteiligten im Allgemeinen geäußerten Wünschen. Insbesondere die mangelhafte Anbindung an den ÖPNV wird auch von den Bewohnerinnen von Offensiv Altern als tendenziell problematisch empfunden, kann aber bisher aufgrund der sehr guten Beziehungen untereinander gelöst werden (Autobesitzerinnen nehmen andere zum Einkaufen mit). Die Ruhe einerseits und die starken internen Bezüge andererseits („Heimatgefühl“) sind für die meisten Bewohnerinnen ein ausreichender Ausgleich. Die Mütter kleinerer Kinder schätzen zudem den Sicherheitsaspekt und das Angebot naturnaher Spielräume.
GebäudeDas Projekt „Offensiv Altern – Offensiv Leben“ ist in drei Baukörper gegliedert, L-förmig entlang der Straßen angeordnet und verbunden durch verglaste Gänge und Brücken. Formal haben die ArchitektInnen sich an die Gestaltungssprache des ebenfalls von ihnen geplanten Projekts „Kommunikativ Wohnen“ angelehnt: kubische Baukörper mit Klinker- und weißen Putzfassaden, französische Fenster in den Wohnräumen, v. a. zum Hof, Balkone mit transparenten Geländern. Die Gebäude am Wendehalsweg sind 3-geschossig und nehmen die Strukturen des gegenüberliegenden Hauses D („Kommunikativ Wohnen“) auf. Der 5-geschossige Bauteil am Ortolanweg 88 enthält das zentrale Treppenhaus mit Lift und ist durch eine Rampenanlage erschlossen, so dass von hier aus alle Wohnungen rollstuhlgerecht erreicht werden können. Der 2-geschossige Gemeinschaftraum, ausgestattet mit einer Küche, liegt im Kreuzungspunkt beider Gebäudeteile. Die Wohnungen öffnen sich großzügig nach Südosten zum Innenhof, alle mit Balkonen oder (z. T. Gemeinschafts-)Terrassen. Die größeren Wohnungen sind nach dem Konzept des generationenübergreifenden Wohnens für allein erziehende Mütter mit Kindern geplant und auf neue Haushaltsformen ausgerichtet (gleichwertige Räume). Lichte Treppenhäuser, Laubengänge und Gemeinschaftsbalkone erlauben informelle Kontakte.
AussenanlagenDer Innenhof ist im Sommer ein Ort der Erholung und Begegnung sowie vielfältiger gemeinsamer Aktivitäten, wie gemeinsamen Feiern und dem Sonntagsbrunch, zu dem auch Frauen und Kinder aus der Nachbarschaft willkommen sind.
Chronik1977: Erste Treffen der Gruppe „Offensives Altern“
1983: Gründung des Vereins „Offensives Altern“ e.V.
1989: Erste Kontakte des Vereins zur Genossenschaft von 1892 eG. Angebot der „1892“, ein Wohnbauvorhaben auf dem landes- und bundeseigenen Grundstück „Ortolanweg“ zu planen
1990: Antrag des Vereins auf Förderung und Bewilligung durch den SenBauWohn
1991: Beauftragung des Architekturbüros zur Erstellung detaillierter Pläne
1993: Bewilligung der Förderung mit Mitteln des Sozialen Wohungsbaus
1996: Nach langwierigen Verhandlungen um das Bunkergrundstück, die das Projekt – mit der Folge bedrohlicher Bodenpreissteigerungen – stark verzögert hatten, und nach einer Folge von Protestaktionen und einer Demonstration vor dem Roten Rathaus, schließlich Bewilligung des Projekts durch die IBB, jedoch zu unrealistischen Konditionen
1997: Dringlichkeitsantrag (durch Bündnis 90/die Grünen) im Abgeordnetenhaus – neue Wirtschaftlichkeitsberechnung, bei der die „1892“ die Reduzierungen der ursprünglich angesetzten Kosten um ca. 1/3 akzeptiert. Kauf der landes- und bundeseigenen Grundstücksanteile und Baubeginn im Herbst
1998: Moderiertes Wochenendseminar (des Genossenschaftsforums „Anders Leben in Genossenschaften“) zur Wohnungsvergabe und Richtfest
1999: Abschnittsweise Fertigstellung und Wohnungsbezug und Einzug des Büros des Vereins „Offensives Altern“. Im September offizielles Einweihungsfest
Entwicklungen seit Erstbezug 2000: Beginn vielfältiger Öffentlichkeitsarbeit, Vorstellung des Projekts auf diversen Veranstaltungen und im ZDF
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Begründung von neuen Lebens- und Wohnformen von Frauen auch im Alter
  • generationenübergreifendes Wohnen
  • Konzept der gegenseitigen Unterstützung, insbesondere zwischen alten und allein erziehenden Frauen
  • Starke Gemeinschaftsbetonung bei gleichzeitiger Möglichkeit der Abgrenzung (Wohnen in selbständigen Einheiten einerseits, eine Vielfalt von informellen, halböffentlichen Bereichen und gemeinschaftlich zu nutzenden Räumen andererseits)
  • Starke Verantwortlichkeit der Einzelnen für Gemeinschaftsbereiche
  • Öffnung zur Nachbarschaft im Haus und nach außen (Sonntagsbrunch, vielfältige Gruppen)
  • Planung unter intensiver Beteiligung der künftigen Bewohnerinnen
  • Wohnungsmix für verschiedene Wohnbedürfnisse
  • Große Wohnungen mit gleichwertigen Räumen für Alleinerziehende
  • teilweise barrierefrei
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