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Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter München, Schwabing

   
TypWohnprojekte für Frauen (nicht nur) im Alter
StandortMünchen
Projektierungsbeginn1996 (Beginn Vorläuferprojekt 1986)
Fertigstellung/Erstbezug2003
Kontakt http:// http://www.frauenwohnen-im-alter.de
SchwerpunkteSelbstinitiiertes Projekt (ehemals) berufstätiger Frauen mit Multiplikatorinnenzielen, integriert in ein traditionelles Neubauprojekt
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinFörderverein Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V. (hervorgegangen aus FRAU IM BERUF)
EigentumWohnungen: Private Investorinnen (Eigentumswohnungen nach WEG) Gemeinschaftsraum: Förderverein Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V.
Kooperation Förderverein Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V. und Stadt München Projektdaten Das Projekt ist Teil eines größeren Wohn- und Geschäftshauses (mit Wohnungen für 2000 Menschen) auf einer Konversionsfläche. Es ist das zweite Projekt des Vereins.
WohnungenIn einem Gebäudeteil mit 16 Wohnungen wurden acht Wohnungen, davon zwei WE mit 41 m² und je drei WE mit 46 m² und 53 m² für die Wohngruppe des Vereins Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V. errichtet. (Die anderen acht Wohnungen im Gebäude sind nicht stufenlos zu erreichen und wurden deshalb nicht in das Projekt einbezogen).
GemeinschaftsflächenDer Wohngruppe steht im Erdgeschoss ein 28 m² großes Apartment mit Duschbad als Gemeinschaftsraum zur Verfügung, das allerdings nicht als Gästeapartment eingerichtet ist, sondern für Kunstausstellungen und Besprechungen dient. Eine Wand ist dauerhaft von einer Malerin bemalt worden.
Kosten/MietenMiethöhe zum Zeitpunkt des Bezugs: 8,50 € kalt. Kosten für die Ausstattung des Gemeinschaftsraums: 5000 €. Die Kosten, die die Bewohnerinnen für den Gemeinschaftsraum pro Monat aufbringen müssen, belaufen sich auf 20 € pro Frau – eine Summe, die von den Bewohnerinnen nicht leicht aufgebracht werden kann. Zur Reduktion dieser Kosten wird der Raum nun stundenweise an eine Psychologin vermietet, wodurch sich die Belastung derzeit (2008) auf die Hälfte reduziert.
Finanzierung/FörderungAuch dieses Projekt förderte, wie das Erste, die Landeshauptstadt München. Beim München Modell gewährt die Stadt München Fördermittel gegen eine 15-jährige Bindung der Miete (Mieterhöhungen maximal in Höhe der Inflation) verbunden mit der Auflage, für 15 Jahre auf eine Eigenbedarfskündigung zu verzichten. Ursprünglich war das München Modell nur für junge Familien mit durchschnittlichem Einkommen zur Förderung der Eigentumsbildung gedacht. Die Vorsitzende des Vereins, Dr. Christa Lippmann, setzte durch, dass auch Seniorinnen vom Modell profitieren konnten.
Die Ausstattung des Gemeinschaftsraums wurde vom Verein sowie durch kostengünstigen Erwerb einer Ausstellungsküche und weitere Spenden von Firmen finanziert, die die Idee des nachbarschaftlichen Wohnens gut fanden.
Der Gemeinschaftsraum sollte ursprünglich angemietet werden, doch war die Miete (die sich nach den Mieten für gewerbliche Räume richten sollte) für den Verein völlig untragbar. Nach längeren Verhandlungen und Versuchen der Beschaffung der notwendigen Mittel unter den Vereinsmitfrauen konnte das Apartment schließlich zu einem sozialen Preis mit Hilfe der Stiftung Münchner Altenfürsorge erworben werden.
ZielgruppenAllein stehende, ehemals berufstätige Frauen im Rentenalter.
BewohnerInnenstrukturDie Erstbezieherinnen waren zwischen 60 bis 80 Jahre alt und bezogen Rente, waren jedoch überwiegend nach stundenweise (als Backwarenverkäuferin, Reinigungskraft, Buchhalterin, Seniorenbetreuerin bei einer Kirchengemeinde etc.) tätig.
ZielsetzungenDas Projekt wurde im Rahmen der Erwachsenenbildungsarbeit von FRAU IM BERUF, einer Dienststelle der Evang.-Luth. Kirche für allein lebende berufstätige Frauen, von Teilnehmerinnen entwickelt, die sich Gedanken machten, dass allein stehende Frauen mit dem Eintritt ins Rentenalter ihre alltäglichen Kontakte aus der Berufstätigkeit verlieren und ihre sozialen Kontakte neu ordnen müssen. Ziel war ein gemeinsames Wohnen in einer Nachbarschaft, in der gegenseitige Hilfestellung und gemeinsame Unternehmungen mit Kontaktpflege möglich sind. Damit sollte auch die Notwendigkeit zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe reduziert werden. Neben der Gemeinschaft, die gegenseitige Hilfe, Geselligkeit und Wärme bietet, sind für die Bewohnerinnen aber auch Privatheit und die Möglichkeit des Rückzugs in die eigene Wohnung für die Beteiligung am Projekt unabdingbare Voraussetzung, was sich auch in der Änderung des Namens des Fördervereins spiegelt: Der ursprüngliche Name „Zusammenleben im Alter“, vielfach assoziiert mit dem Wohnen in einer Wohngemeinschaft, wurde in „Nachbarschaftlich leben im Alter“ umgewandelt.
Der Förderverein Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V. koordiniert die Gruppen, macht Medienarbeit und sucht die neuen Mitfrauen aus. Wenn sich aus dem Verein heraus eine neue Gruppe bildet – inzwischen sind im Förderverein zwei weitere Gruppen mit deutlich jüngeren Frauen aktiv – sucht der Vorstand Wohnungen, indem er mit Bauträgern in Kontakt tritt.
Auf Grund der großen Nachfrage wurden bisher zwei Projekte entwickelt, denn die Grundidee des Vereins spricht viele Frauen an, gerade jene, die verheiratet waren und jetzt unabhängig sein möchten. Zunehmend treten geschiedene und verwitwete Frauen in den Verein ein. Ihre Vorstellung ist, im Alter nicht allein zu sein, aber auch nicht in ein Altenheim gehen zu müssen. Sie wollen in ihrem Wohnumfeld helfen und die Gewissheit haben, dass auch ihnen im Krankheitsfall oder bei anderer Gelegenheit geholfen wird. Die Grundidee: Hilfe anbieten und Hilfe annehmen wird von allen gut geheißen.
PartizipationDie zukünftigen Bewohnerinnen wurden in der Vorphase intensiv beteiligt. Die regelmäßigen Treffen (die von manchen als fast zu häufig empfunden wurden) fanden im Rahmen der Monatstreffen des Vereins statt. Wegen der hohen Nachfrage wurden darüber hinaus monatliche Sprechstunden für neue Frauen eingerichtet, an denen interessierte Gruppenmitglieder teilnahmen. Zusätzlich gab es mehrere ganztägige Supervisionssitzungen.
Der Vorstand des Fördervereins konnte auf die Planung Einfluss nehmen, wofür er sich an einer „Wunschliste“ (s. u.) mit wichtigen zu beachtenden Kriterien orientierte.
Die Diskussion um den Gemeinschaftsraum nahm viel Raum ein, weil die Finanzierung lange nicht klar war. Der Erwerb des Gemeinschaftsraums war auch im Vorstand nicht unumstritten (Angst vor der Verantwortung und den unbekannten Risiken). Nach dem Erwerb des Apartments bestand Einigkeit, dass der Raum keinesfalls ein Sammelplatz für alte, abgelegte Möbel werden sollte.
LageDer Gebäudekomplex mit Etagenwohnungen, loftartigen Penthäusern, Maisonetten und familienfreundlichen Gartenwohnungen wurde auf einem gut erschlossenen ehemaligen Kasernengelände in der Nähe des Olympiageländes in München-Schwabing (auf dem Areal zwischen Schwere-Reiter-Straße, Ackermann- und Schleißheimer Straße) errichtet, umgeben von bestehenden Wohngebäuden. Das Grundstück galt als „Filetstück“ und wurde vom Bauträger als „Wohnen am Stadtwald – Schwabings schönste Mitte“ beworben.
GebäudeDer 6-(bis 8-)geschossige Gebäudekomplex, besteht aus vielfältig gegliederten klaren Baukörpern in kräftigen Farben (rot, weiß, orange) mit französischen Fenstern und großen Balkonen bzw. Terrassen. Die Wohnungen sind mit Aufzug erschlossen und z. T. nach einer Wunschliste altersgerecht gestaltet. So wurden die WC-Schüsseln höher gesetzt, damit im Falle einer Einschränkung das Sitzen besser möglich ist. Diese bauliche Veränderung stellt sich als ganz bedeutsam heraus. Neben hellen Farben und ausreichend Steckdosen in Armhöhe wollten alle Frauen eine abgeschlossene Küche haben. Die Schiebetüren im Bad und in der Küche konnten dann letztlich aus technischen Gründen, (weil z. B. der Zählerkasten im Wege war) nur zum Teil realisiert werden. Wegen der Thermohaut mussten Haken an der Fassade (z. B. zum Auslüften von Kleidung) o. ä. vorher geplant werden. Teppichböden wurden durch Parkett und Fliesen ersetzt, um die Reinigung zu erleichtern.
Chronik1985: Veranstaltung im Rahmen des Bildungsprogramms von FRAU IM BERUF München zur Wohnsituation von Frauen im Alter, auf der ca. 20 Teilnehmerinnen einen losen Kreis von Interessierten für ein Wohnprojekt bilden
1985: Beginn von Verhandlungen von FRAU IM BERUF mit dem Evangelischen Siedlungswerk, der Inneren Mission und der Stadt München um eine Neubebauung eines von der Stadt München in Erbpacht vergebenen Grundstücks im Münchner Westend, die sich bis ins Jahr 1991 hinziehen
1986: Gründung einer festen Wohngruppe, die sich regelmäßig im Rahmen des Bildungsprogramms von FRAU IM BERUF trifft
1988: Entwicklung des Modellprojekts „Zusammenleben im Alter“ (später geändert in „Nachbarschaftlich leben im Alter“), mit dem bei Politik und Kirche auf lokaler und überlokaler Ebene um Unterstützung geworben wird
1991: Zustimmung des Stadtrats zur Realisierung des Projekts im Westend. Die letztlich versagte Finanzierungszusage der Inneren Mission führt jedoch schließlich zur Nichtberücksichtigung des Projekts bei dem Bauvorhaben im Westend
1991: Der Fördervereins Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e. V. wird als gemeinnützig anerkannt
1992: Zustimmung der Evangelischen Landessynode Bayern zu einem Antrag auf Finanzierung eines Mietwohnungsbaus für das Modellprojekt und andere Mietparteien
1993: Das Modellprojekt wird in ein Neubauvorhaben des Evang.-Luth. Landeskirchenamts einbezogen
Oktober 1995: Baubeginn
Februar 1997: Fertigstellung und Einzug Projekt 1
ab 1996: Suche nach Bauträgern bzw. Bauherren für ein zweites Projekt des Vereins
2002: Erste Kontaktaufnahme mit dem Bauträger für das Projekt am Ackermannbogen
2006: Die Fertigstellung der Gebäude verzögert sich um ein Jahr
November 2007: Fertigstellung und Einzug
Entwicklungen seit Erstbezug Eine dritte Gruppe ist im Aufbau. In dieser haben sich Frauen mit akademischem Abschluss im Alter ab 48 Jahren gefunden, die ihr Leben weit blickend planen möchten. Da fast alle noch berufstätig sind, können sie wegen der Einkommensgrenzen das München Modell nicht in Anspruch nehmen, doch erwarten die Frauen wegen Scheidung und Berufsunterbrechungen eine geringe Rente. Für das dritte Projekt muss deshalb eine neue Konzeption entwickelt werden. Die Realisierung weiterer Projekte scheiterte nach Aussagen des Fördervereins bisher auch am fehlenden Angebot an (neuen) Mietwohnungen, da sich der Wohnungsbau in München sehr stark auf Eigentumsmaßnahmen konzentriert und München mit die höchsten Mieten in Deutschland hat, was für Rentnerinnen besonders belastend ist.
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung von Wohnraum für ehemals berufstätige Frauen im Alter
  • Partizipation
  • Beteiligung an der Belegung der Wohnungen
  • nachbarschaftliches Leben mit Rückzugsmöglichkeiten
  • gegenseitige Hilfeleistungen der Bewohnerinnen
  • Kommunikative halböffentliche Bereiche (Treppenhaus und Garten)
  • sehr gute Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung
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