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Beginenhof Essen

   
TypBeginen
StandortEssen
Projektierungsbeginn1996
Fertigstellung/Erstbezug2008
Kontakt info[at]beginenhof-essen.de
http://www.beginenhof-essen.de
SchwerpunkteSelbstinitiiertes, öffentlichkeitsorientiertes Umbau-Projekt mit großem Gemeinschafts- und Gewerbeanteil
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinUte Hüfken und Waltraud Pohlen, Beginen im Pott, Frauenkultur an der Ruhr e. V.
EigentumHerbert Köhnemann und Gabriele Ruess, Unna (Projektentwicklung und InvestorInnen)
ArchitekturDipl.-Ing. Herbert Köhnemann, Unna
Projektentwicklung Dipl. Ing. Birgit Pohlmann-Rohr, Büro für Entwicklung und Moderation von gemeinschaftlichen Wohnprojekten, Dortmund
weitere BeteiligteBeginenhof Essen e. V. (Bewohnerinnenverein)
ProjektumfangUmbau des ehemaligen Finanzamtes-Süd der Stadt Essen, eines Bürogebäudes aus dem Jahr 1927/28 mit 4.478 m² Gesamtfläche davon 4.126 m² Geschossfläche und 352 m² Kellerfläche. Geschaffen wurden 26 Wohnungen, 12 Apartments und 12 Gewerbeflächen.
WohnungenFür die Beginen sind 24 Wohnungen reserviert.
(12 Apartments sind für Frauen mit Pflegestufe 0 bis 1 vorgesehen und werden vom FAK Freie Alten- und Krankenpflege e. V. belegt, der darüber hinaus noch über zwei weitere Wohnungen verfügt. Je sechs Apartments bilden eine Wohngruppe mit einem Gemeinschaftswohnzimmer und einer Küche.)
GemeinschaftsflächenNeben den Wohnungen entstand eine große Zahl von Gemeinschaftsräumen: Ein Saal (70 m²), der von den Beginen für ihre öffentlichen Bildungs- und Kulturangebote genutzt, aber auch extern für Tagungen, Ausstellungen, Seminare, Familienfeiern usw. vermietet werden soll, ein Raum der Stille (33 m²), in erster Linie von den Beginen zu nutzen, aber auch als offenes Angebot für die Nachbarschaft gedacht, eine Galerie (ca. 60 m²) für kleinere Veranstaltungen, evtl. auch als Treffpunkt. Ein weiterer Raum, das „Wohnzimmer“, konnte durch Abtrennen einer gut belichteten Fläche im Treppenhaus gewonnen werden. Im Keller finden sich eine Gemeinschaftswaschküche und Werkstatträume für „Hausmeisterinnenarbeiten“.
Außerdem soll, sobald finanzierbar, ein Wellnessbereich im UG entstehen, für den im Zuge des Umbaus die notwendigen Anschlüsse schon vorgesehen wurden.
sonstige Flächen Die 380 m² gewerbliche Flächen für ein öffentliches Café, Büros, Atelier sowie Therapie- und Beratungsräume werden an freiberuflich tätige Frauen vermietet, einige davon, z. B. das Café, werden von (Haus- oder Wander-)Beginen betrieben.
Kosten/Mieten18 Wohnungen sind frei finanziert. Die Anfangsmiete liegt für die frei finanzierten Wohnungen bei 7.50 € kalt + (voraussichtlich) 2 € Nebenkosten je m² zuzüglich 25 € Umlage zur Teilfinanzierung für die Gemeinschaftsräume. Die Gemeinschaftsräume werden vom Verein Beginenhof Essen e. V. gemietet. Der nicht über die Umlage finanzierte Teil der Gemeinschaftsraummiete soll über externe Vermietung eingebracht werden. Die geförderten Wohnungen (Typ A) haben eine Anfangsmiete von 4,55 € je m² kalt + NK + 25 € Teilumlage Gemeinschaftsräume.
Finanzierung/FörderungAcht der Apartments sind im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung gefördert, davon sechs mit der höheren Förderung Typ A und zwei mit der niedrigeren Förderung Typ B. Auch die beiden zugehörigen Wohnungen des FAK Freie Alten- und Krankenpflege e. V. sind Typ B gefördert. Bei den Beginenwohnungen sind sechs Wohnungen nach Typ A gefördert, davon drei für allein stehende und drei für allein erziehende Frauen.
Die Konzeptentwicklung des Beginenprojekts wurde in den Jahren 2004/2005 vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW gefördert, außerdem wurde die Projektbegleitung im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Programms des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWOST) „Modelle genossenschaftlichen Wohnens – Erschließen von Genossenschaftspotentialen – Teilprojekt Dachgenossenschaft für Beginenhöfe“ unterstützt.
ZielgruppenFrauen aller Altersgruppen, allein oder mit Kindern.
ZielsetzungenZiel ist eine auf Geben und Nehmen basierende Lebensform in einer spirituellen Gemeinschaft, die sich als Wahlverwandtschaft versteht.
Es soll ein Wohn- und Arbeitsprojekt entstehen, das sich auch durch engagierte Stadtteilarbeit lokal integriert.
PartizipationDie künftigen Mieterinnen waren von Anfang an in die Planung mit einbezogen. Die Gestaltung der einzelnen Wohnungen erfolgte nach Absprache. Dadurch wurden viele kleine Wohnungen realisiert, die leichter finanziert und organisiert werden können und den Frauen Raum lassen für weitere Aktivitäten.
Für die Verwaltung wurde ein Kooperationsvertrag/Pachtvertrag mit dem Investor abgeschlossen, der daran interessiert ist, die Verwaltung möglichst weitgehend an die Beginen zu übertragen. Darin wird das Vorgehen bei Nachbelegung, Kündigung oder Mietsäumnis sowie das Mietausfallwagnis geregelt.
Wohnungen werden nur an Beginen vergeben, d. h. dass jede Frau, die einziehen möchte, sich entschließt, ein Beginenversprechen abzulegen, das sie an die Gemeinschaft der Beginen bindet und mit dem sie ihre Solidarität und Mitarbeit zusichert. Die „Kerngruppe“ entscheidet dann über die Aufnahme. Es wurde bereits eine Warteliste angelegt. Langfristig wird eine dauerhafte Sicherung der Wohnungen für Frauen durch Ablösung der Mietsituation angestrebt.
LageDas Gebäude liegt sehr zentral und dennoch relativ ruhig in einer Seitenstraße und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Eine zentrale Einkauffstraße sowie Kultureinrichtungen, wie bspw. das Folkwang-Museum, liegen in der unmittelbaren Nachbarschaft.
GebäudeDas alte Finanzamt ist ein 4-geschossiges Bürogebäude von 1927/28, ein Eckgebäude mit einem zentralen Treppenhaus und zwei durch breite, innen liegende Flure erschlossenen Gebäudeflügeln. Ein erheblicher Teil des Gebäudes, darunter das repräsentative Treppenhaus, das in dem durch eine geschwungene Wand gebrochenen Winkel zwischen beiden Flügeln liegt, ist denkmalgeschützt, wodurch ein relativ großer Flächenanteil nicht für Wohnnutzung umgebaut werden konnte, jedoch vielfältig nutzbare Räume und Flächen für die Gemeinschaft entstanden. Die nach Süden gelegenen Gemeinschaftsräume (Saal und Raum der Stille) haben wegen ihrer Lage über dem Eingang und zum Treppenhaus eine ganz besondere Form mit großer geschwungener Fensterfront. Im großzügigen lichten Treppenhaus ist Platz für eine Kinderspielecke und die Tischtennisplatte. Die Gewerberäume wurden im EG des Südostflügels, unterhalb der Wohngruppe, untergebracht. Für die Beginen wurden, im Flügel zur Goethestraße, überwiegend Zweiraumwohnungen mit einem Schlaf- und einem Wohnzimmer (mit integrierter Küche) geschaffen, alle mit großem, vorgestelltem Balkon oder Terrasse. Trotz des Grundprinzips sind die Wohnungen individuell unterschiedlich, z. B. indem durch Einziehen einer weiteren Wand noch ein kleines Arbeitszimmer geschaffen wurde oder Bäder unterschiedlich groß ausgelegt wurden. Im EG wurde für eine allein erziehende Mutter mit mehreren Kindern eine 4-Zimmer-Flucht geschaffen. Alle Wohnungen sind, bedingt durch die zentralen Flure, jeweils nur auf einer Seite, entweder nach Nordwesten zur Straße oder nach Südosten, zum Innenhof, orientiert – mit Ausnahme der größeren „Kopfwohnungen“ am Ende der Flügel.
AussenanlagenDer Innenhof soll autofrei bleiben. Zwar mussten 26 Stellplätze im Hof nachgewiesen werden, doch erlaubt die zentrale Lage, die Anzahl der Autos zu reduzieren – u. a. soll car-sharing organisiert werden – und die verbleibenden in einem Parkhaus abzustellen.
ÖkologieDie gewünschten ökologischen Maßnahmen konnten nur teilweise realisiert werden, teilweise natürliche Materialien im Innenausbau. Die ursprünglich geplanten Sonnenkollektoren auf dem Dach sowie eine Regenwassernutzung waren nicht möglich.
ChronikBeginn der 1990er Jahre: Der Wunsch, die Lebensform der mittelalterlichen Beginen wieder neu zu beleben entsteht in der „Frauenkirche e.V.“ in Essen, in der sich Frauen intensiv mit feministischer Theologie und Spiritualität auseinandergesetzt haben
1996: Daraus entsteht die Initiative für einen Beginenhof auf dem ehemaligen Kasernengelände in Mülheim an der Ruhr (der leider nicht realisiert werden konnte)
2000: Erster Versuch der Initiatorinnen durch Zusammenarbeit mit der Stadt Essen in Essen-Haarzopf einen Beginenhof zu gründen. Eine neu zu gründende Genossenschaft „Beginenhof Essen eG“ sollte ein städtisches Grundstück in Essen-Haarzopf erwerben. Das Gebäude sollte von der THS GmbH (Treuhandstelle für Bergmannswohnungen im rheinisch-westfälischen Steinkohlebezirk GmbH) errichtet werden.
2001: Gründung des Vereins „Beginen im Pott“. Der Verein wird vom Land als förderungswürdige Initiative anerkannt und erhält eine Förderung zur Finanzierung einer Beratung für die Projektentwicklung
Juli 2003: Gründung der Genossenschaft „Beginenhof Essen i. G.“ durch 26 Frauen
Herbst 2003: Die Stadt Essen fordert die Genossenschaft in Gründung auf, eine rechtverbindliche Satzung, eine verbindliche Kaufzusage sowie eine schriftliche Finanzierungszusage der vom Projekt gewählten Bank über den Kaufpreis (1,5 Mio €) vorzulegen. Diese Forderungen konnten nicht erfüllt werden, da der Zeitraum bis zur rechtskräftigen Eintragung ins Genossenschaftsregister zu kurz bemessen war. Daraufhin teilt die Stadt Essen zu Weihnachten 2003 mit, dass es ihr „nicht mehr möglich ist, die Planungen zum Beginenhof im weiteren Bebauungsplanverfahren ,Rottmannshof’ zu berücksichtigen“
Februar 2004: Die Genossenschaft i. G., der inzwischen 44 Frauen beigetreten waren, wird aufgelöst
Seit März 2006: Die InvestorInnen bieten den Beginen die Zusammenarbeit an, um das ehemaligen Finanzamt Essen-Süd zu einem Beginenhof umzubauen
Es fanden sich fast sofort interessierte und engagierte Frauen, die das Vorhaben mittragen oder einziehen wollten
Das Gebäude ist für ein Frauenprojekt sehr geeignet, da es Wohnen, Arbeiten und Bildungsarbeit unter einem Dach ermöglicht. Ausschlaggebend waren die bereits vorhandenen Gemeinschaftsräume, da diese für die Entwicklung einer Gemeinschaft unabdingbar sind
Januar 2007: Beginn der Bauarbeiten
Dezember 2007: Fertigstellung
Entwicklungen seit Erstbezug Herbst 2008: die Wohnungen sind weitgehend vermietet und nur noch wenige Gewerbeflächen frei
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung bezahlbaren Wohnraums ausschließlich für Frauen
  • „Nicht schöner wohnen, sondern anders leben“
  • auf Gegenseitigkeit basierendes Wohnkonzept
  • übergeordnete politische Ziele (Stadtteilarbeit)
  • Partizipation
  • vielfältige Gemeinschaftsräume, z. T. auch offen zur Nachbarschaft
  • Integration von Wohnen und Arbeiten
  • öffentliches Café
  • zentrale Lage mit guter Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung
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