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Lila Luftschloss – Frauenwohnungsbaugenossinnenschaft eG Frankfurt (Gutleutstraße)

   
TypAutonome Frauenwohnprojekte
StandortFrankfurt/Main
Projektierungsbeginn1991
Fertigstellung/Erstbezug2004
KontaktLila Luftschloss Frauenwohnungsbau eG
c/o Wohnbund Frankfurt
info[at]lila-luftschloss.de
http://www.lila-luftschloss.de/
SchwerpunkteFeministisches Frauen/Lesbenprojekt einer Frauenwohnungsbau-Genossinnenschaft, zu der ausschließlich Frauen Zutritt haben
   
   
Projektbeteiligte 
InitiatorinFeministische Mädchenarbeit FeM e. V., Frauen helfen Frauen e. V. Andrea Balles, Stephanie Bock, Astrid Butz, Christa Seidel, Simone Holler, Andrea Kraft, Lene Schiermeister-Dill, Rosemarie Göttert, Beate Weißmann, Monika Treske
EigentumLila Luftschloss Frauenwohnungsbau eG, Frankfurt
ArchitekturBaufrösche Stadt- und Bauplanungsgesellschaft mbH, Kassel (Entwurf) Architektur- und Planungsbüro Crep D (Bauleitung)
Projektentwicklung Wohnbund Frankfurt (Beratung)
ProjektumfangMit der Planung eines zweiten Projekts auf einem ebenfalls von der Stadt Frankfurt in Erbpacht überlassenen Grundstück an der Gutleutstraße wurde noch während der Bauzeit des ersten Projekts (Heidestraße) begonnen.
WohnungenNeun Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 483 m²: zwei Wohnungen für eine und drei Wohnungen für vier Personen sowie je eine 2- und 3-Personen-Wohnung.
GemeinschaftsflächenAls Gemeinschaftsflächen stehen ein kleiner Hof und einige ehemalige Garagengebäude für Werkstätten o. ä. zur Verfügung.
Kosten/MietenGesamtkosten 2,2 Mio €
Finanzierung/FörderungDie Beschaffung des notwendigen Eigenkapitals von 15 % der Gesamtkosten gestaltete sich sehr schwierig und führte zu erheblichen Verzögerungen. Das Eigenkapital wurde schließlich (nachdem die zwischenzeitliche Suche nach einer Investorin aufgegeben worden war) durch Genossenschaftsanteile, Privatdarlehen und bauliche Eigenleistung der Mieterinnen in Höhe von ca. 2.600 € je erwachsenem Haushaltsmitglied aufgebracht. Darüber hinaus müssen die Mieterinnen pro Haushaltsmitglied einen Genossenschaftsanteil (bei Erstbezug in Höhe von 1.000 DM) erwerben. Unterstützt wurde das Projekt zunächst auch von der Ökobank, dann abgelöst von der GLS-Bank.
ZielgruppenAllein erziehende Frauen mit kleinen und größeren Kindern, Frauenwohngemeinschaften mit Kindern und ohne Kinder, allein lebende Frauen mit und ohne Partnerinnen. Anspruch auf eine Wohnung haben ausschließlich Mitfrauen der Genossinnenschaft. Männer können nicht Mitglied der Wohnungsbau-Genossinnenschaft und nicht Mieter bei Lila Luftschloss werden und sich dort auch nicht polizeilich melden. Sie haben nur Gaststatus.
BewohnerInnenstrukturBei Erstbezug neun Frauen und Kinder.
ZielsetzungenZiel der Genossinnenschaft ist es, gemeinschaftlichen, qualitätvollen, kostengünstigen, bezahlbaren und selbstverwalteten Wohnraum für Frauen zu schaffen und damit auch anzuknüpfen an die ersten Frauenwohnungsbau-Genossinnenschaften in Frankfurt von 1916 und 1926. Die Wohnungen sollen „frauengerecht“ sein, d. h. durch eine verkehrsgünstige Lage die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben ermöglichen, durch eine lebendige soziale, kulturelle und alltagspraktische Infrastruktur die Alltagsbewältigung erleichtern, Kommunikation, Kooperation und gegenseitige Unterstützung (u. a. durch gemeinschaftliche Flächen) fördern, zugleich aber auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Eine heterogene Zusammensetzung der Hausgemeinschaft bezüglich Nationalität, Alter, Herkunft und Befähigung soll der Vereinzelung und Vereinsamung entgegenwirken und die Einbeziehung behinderter Frauen erleichtern. Frauen- und kinderfreundliches Wohnen wird als Voraussetzung für andere Formen des Zusammenlebens und für eine kreative Alltagsgestaltung (z. B. Fahrgemeinschaften, gegenseitige Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe) angesehen. Mit dem Projekt soll darüber hinaus durch eine aktive Einflussnahme der Genossinnen bei der Planung, durch Selbsthilfe bei der Bauausführung und Instandsetzung sowie durch Selbstverwaltung der Wohnungen der Genossenschaftsgedanke gestärkt werden.
Zum Thema Männer im LiLaLu wurde nach eingehenden Diskussionen ein Grundsatzpapier verabschiedet. Eine Teilhabe von Männern würde nach Auffassung der Genossinnen den Genossinnenschaftsgedanken untergraben, Engagement, Geld und Arbeitsleistung der Bewohnerinnen sollen ihnen nicht zur Verfügung stehen. Sie genießen nur Gastrecht. Art und Häufigkeit der Besuche von Männern sind Sache der jeweiligen Mieterinnen.
PartizipationDie angestrebte Beteiligung der zukünftigen Bewohnerinnen wurde jedoch durch den sehr langen Planungs- und Finanzierungsprozess erschwert. Eine Beteiligung der tatsächlichen Nutzerinnen war erst in der letzten Planungsphase möglich. Allerdings setzten die technischen Richtlinen und die Belegungsrichtlinien des Sozialen Wohnungsbaus den Gestaltungswünschen enge Grenzen. So sind z. B. die mit durchschnittlich 12 m² recht kleinen Individualräume durch diese Richtlinien bedingt.
LageFünf Minuten vom Bahnhof entfernt, liegt die stark befahrene Gutleutstraße, weniger idyllisch, jedoch in unmittelbarer Nähe der aufgewerteten Mainuferpromendade mit gehobenen Wohn- und Büroneubauten.
GebäudeDer 6-geschossige Neubau des Projekts schließt eine schmale Baulücke in einem Ensemble unter Denkmalschutz stehender Häuserblöcke. Sein Gesicht haben sich die Architektinnen selbstbewusster und eigenständiger gegenüber seinen Nachbarn gewünscht als es schließlich genehmigt wurde. Heute fällt es vor allem durch seine Farbe in den Blick, denselben Orangeton wie in der Heidestraße. Die Hauptfassade mit großen durchlaufenden Balkonen geht zum Innenhof. Nach Südosten zum Hof sind auch die Individualräume angeordnet, zur Straße gehen dagegen die Küchen. Im Eingangsbereich wurde mit einem kleinen Foyer eine einladende, kommunikative Zone zur Begegnung geschaffen. Bei einer lichten Raumhöhe von 3 m kann die behindertengerechte EG-Wohnung bei Bedarf auch gewerblich umgenutzt werden. In allen Obergeschossen ist durch Entfernen der Abstellräume zum Treppenhaus eine Zusammenlegung der Wohnungen möglich, „Schalträume“ im 2. bis 4. OG können jeweils der einen oder der anderen Wohnung zugeordnet werden. Mit 3.50 m Raumhöhe bietet das 1. OG die besondere Qualität, Zwischenpodeste einziehen zu können. Insbesondere für Wohngemeinschaften eignet sich die Maisonnettewohnung im 4. OG und Staffelgeschoss. Ebenfalls im Staffelgeschoss liegt der Gemeinschaftsraum – auch als Gästezimmer nutzbar – mit einer Dachterrasse.
AussenanlagenEinen weiteren gemeinschaftlichen Freiraum bietet ein zur Straße abgeschirmtes Gärtchen mit Fahrradschuppen, an das ein öffentlicher Spielplatz grenzt.
Chronik1991: Die Stadt Frankfurt/Main beabsichtigt, gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte im Rahmen des Wohnungsneubaus zu unterstützen; Treffen einzelner Fraueninitiativen und Vertreterinnen des Planungsamtes
1992: Gründung der Genossinnenschaft Lila Luftschloss Frauenwohnungsbau i. G.
1993: Die Stadt Frankfurt bietet Lila Luftschloss zwei innerstädtische Grundstücke in Erbpacht an (Gutleutstrasse und Heidestrasse)
1994: Beginn der konkreten Planung mit dem Architekturbüro Baufrösche, Kassel
1995: Lila Luftschloss erhält mit der Planung der Baufrösche eine Auszeichnung im Hessischen Landeswettbewerb „Familienfreundlicher Städtebau“
1996: die geplante Bebauung der Gutleutstrasse scheitert an den fehlenden Finanzierungsmitteln
1998: die Genossinnenschaft Lila Luftschloss wird ins Genossenschaftsregister eingetragen
1998: Förderungszusagen der Stadt Frankfurt/Main und des Landes Hessen
November 2003: Besichtigung Gutleutstraße
Herbst 2004: Erstbezug Gutleutstraße
Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt
  • Schaffung von Wohnraum exclusiv für Frauen (und ihre Kinder)
  • langfristige Sicherung in Frauenhand durch Genossinnenschaft
  • Selbstverwaltung
  • Möglichkeit der Verbindung von Wohnen und Arbeiten
  • unterschiedliche Wohnungstypen
  • für Wohngemeinschaften geeignete Wohnungen
  • Möglichkeit unterschiedlicher Wohnungsgrößen durch Schalträume und Teilbarkeit bzw. Zusammenlegbarkeit von Wohnungen, Gewinn zusätzlicher Wohnflächen durch die besondere Raumhöhe
  • Rückzugsmöglichkeiten, für jede Person ein Raum
  • gute Möglichkeiten zum „Abschalten“ durch guten Schallschutz (zwischen den Wohnungen und wohnungsintern)
  • Raum für einen Essplatz in der Küche
  • eine barrierefreie Wohnung
  • Gemeinschaftsräume (auch als Gästewohnung nutzbar) und -dachterrassen
  • kommunikative halböffentliche Flächen (Foyer, Garten)
  • Nachbarschaftskontakt über Vermietung der Gemeinschaftsräume
  • Standort in einem Viertel mit einer lebendigen sozialen, kulturellen und alltagspraktischen Infrastruktur
  • Verkehrsgünstige, innenstadtnahe Lage
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