Stadthaus statt Haus

Projekttyp:

Frauengerechter Wohnungsbau

Standort:

Aachen

Projektierungsbeginn:

1997

Fertigstellung/ Erstbezug

2002

Kontakt:

Stadthaus statt Haus e. V.

stadthaus.aachen[at]gmx.de

Schwerpunkte:

Selbstverwaltetes gemischtes Baugruppen-Eigentumsprojekt mit starker Gemeinschaftsorientierung und alternativem Alterskonzept

Ansicht Straßenseite (Foto: Ursula Komes, Aachen)
Zugang zum Hof vom 1. OG (Foto: Ursula Komes, Aachen)
Das transparente Treppenhaus als Kommunikationsraum (Foto: Ursula Komes, Aachen)
Das Erdgeschoss mit Waschküche, Fahrradkeller und Garagenzufahrt (Plan: Ursula Komes, Aachen)
Grundriss Staffelgeschoss mit Gemeinschaftsterrasse (Plan: Ursula Komes, Aachen)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Planungsgruppe, hervorgegangen aus dem FrauenNetzWerk Aachen und der AG Frauen in der (Wohnungs- und Stadt-)Planung (initiiert vom Frauenbüro Aachen); Ev. Bildungswerk und Volkshochschule Aachen

Eigentum:

WohnungseigentümerInnengemeinschaft (WEG)

Architektur:

Dipl. Ing. Ursula Komes, Aachen

Kooperation:

Regionalbüro „Neues Wohnen im Alter e. V.“, Köln; Klaus-Novy-Institut, Bonn (Beratung), Frauenbüro und Agenda-Büro der Stadt Aachen (Unterstützung).

Umfang:
Projektumfang:

Neubau auf einem Grundstück von 875 m².

Wohnungen:

15 Wohnungen mit Wohnungsgrößen von 40 m² bis 120 m².

Gemeinschaftsflächen:

Eine Gemeinschaftswohnung, bestehend aus einem Gemeinschaftsraum – für hausinterne Veranstaltungen aber auch zur Nutzung offen für die Nachbarschaft oder andere Gruppen aus der Stadt – ein Gästezimmer und ein Büro sowie eine Dachterrasse und ein Garten (Freiflächenanteil 550 m²).

Kosten/Mieten:

Die Kosten lagen mit rund 2.000 € pro m² Wohnfläche nicht höher als bei konventionellem Wohnraum in Aachen.

Finanzierung:

Neun Wohnungen sind frei finanzierte Eigentumswohnungen, sechs Wohnungen sind von privaten InvestorInnen frei finanzierte Mietwohnungen. Zwölf der EigentümerInnen wohnen selbst im Haus.

Um für die Gemeinschaftsanlagen öffentliche Mittel beantragen zu können sowie als Garant für die Idee, wurde ein eingetragener Verein gegründet, der Eigentümer der Gemeinschaftsräume ist. Die Kosten wurden überwiegend von privaten InvestorInnen aufgebracht.

Die Projektentwicklung und der Gemeinschaftsraum wurden gefördert im Rahmen des Modellprogramms zur Förderung neuer Wohnformen für alte und pflegebedürftige Menschen des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (MFJFG) des Landes Nordrhein-Westfalen (1997).

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Das Projekt sollte mehrere Generationen umfassen.

BewohnerInnenstruktur:

ErstbewohnerInnen waren (2003) 14 Frauen, vier Männer und zwei Kinder (elf Singles, eine Alleinerziehende mit zwei Kindern, drei Paare ohne Kinder). Die Altersspanne lag zwischen 8 und 78 Jahren.

Zielsetzungen:

Ziel der Initiatorinnen war es, ihre Zukunft im Alter selbst in die Hand zu nehmen. Ziel des Projektes ist das gemeinschaftliche Leben und generationenübergreifende Wohnen in der Stadt und eine Alternative zu klassischen Altenversorgungsmodellen: selbständig leben, aber nicht allein, freundlichen Umgang pflegen, offene Türen für einander haben, unabhängig sein, aber auch bereit sein, Verantwortung für andere zu übernehmen, im Notfall AnsprechpartnerInnen haben, die Möglichkeit haben, gemeinsam fremde Hilfe zu nutzen (Haushaltshilfe, Pflegedienst) und eine selbstverwaltete Hausgemeinschaft bilden. Ziel ist eine altersgemischte Gruppe, die der Wunsch verbindet, gemeinsam alt zu werden. Wichtig war es auch, in der Stadtmitte zu wohnen und das soziale Klima menschenfreundlicher zu gestalten.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Das Projekt wurde selbst organisiert; in der Teilungserklärung ist der Gemeinschaftsgedanke juristisch verankert, werden auch die weit reichenden Mitspracherechte der MieterInnen festgelegt.

Die BewohnerInnen wurden von Anfang an in allen Projektphasen und zu allen Projektinhalten beteiligt. Der Garten und eine Dachterrasse wurden gemeinsam gestaltet und werden gemeinsam genutzt.

Das Gebäude hat fünf Geschosse plus Staffelgeschoss und eine leicht wirkende Architektur mit gläsernem Treppenhaus und vorgestelltem Balkongerüst. Das Treppenhaus, die Galerie und der Innenhof sollen zu spontaner Kommunikation einladen.

Ökologie:

Ökologische Aspekte wurden in Form eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks, einer Photovoltaikanlage, Lehmputz in verschiedenen Räumen sowie Umgestaltung des ehemaligen Parkplatzes hinter dem Haus zur Grünanlage mit Teich, Nutzung von Regenwasser zur Pflanzenbewässerung verwirklicht.

Obwohl die Gruppe bereit war, auf Privat-PKWs zu verzichten und sich dem Carsharing anzuschließen, musste doch an die Kommune die erhebliche Ablösesumme für die geforderten PKW-Stellplätze entrichtet werden.

Chronik

1997: das Frauenbüro der Stadt Aachen gründet einen Arbeitskreis „Frauen in der (Wohnungs- und Stadt-)Planung“

März 1998: Bei der Auftaktveranstaltung zur Aachen Agenda 21 formiert sich das Bürgerforum „Investorinnen im Wohnungsbau“ als Forum für nachbarschaftliches Wohnen und Arbeiten. Aus den Teilnehmerinnen dieser Veranstaltungen bildet sich eine Kerngruppe von 14 Frauen, die ihre Ideen konkretisieren und gemeinsam mit einigen Männern verwirklichen wollen

Ab Mai 1998: Suche nach einer Immobilie

April 1999: Es bildet sich eine feste Gruppe, die sich ab Frühjahr 2000 wöchentlich trifft

2001: (Ostern) Beginn der Bauarbeiten

2002: Fertigstellung/Bezug

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• eigeninitiierter und Partizipation

• Planung durch eine Architektin

• gegenseitige Hilfe und Unterstützung

• teilweise barrierefreie Wohnungen

• Gemeinschaftsräume und -freiflächen

• Offenheit zur weiteren Nachbarschaft

• gute Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung

Quellen:

Drittes Lebensalter, Website: www.dritteslebensalter.de/spurensuche/pdfs/stadthaus.pdf (Zugriff November 2007)

Frauen und Agenda 21 in NRW, Website: www.frauenundagenda21.nrw.de/themen/stadt/f-t-stadt-proj.html (Zugriff Oktober 2008)

Vom Traum zur Wirklichkeit: Stadthaus statt Haus Aachen Projektflyer (o. J.): www.aachen.de/de/stadt_buerger/wohnen/wohnen_neue_wohn

formen/dokumente/stadthaus_flyer.pdf (Zugriff Oktober 2008)

Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB)/Universität Hannover, Fakultät Architektur + Landschaft, Planungs- und Architektursoziologie (Hg) (2005): goodpractices. Praxisbeispiele zum Thema Wohnen und Versorgung. www.zgb.de/barrierefrei/misc/downloads/goodpractices.pdf