Gemeinsam Wohnen und Leben mit Kindern

Projekttyp:

Wohnprojekte für Alleinerziehende

Standort:

Köln

Projektierungsbeginn:

1991

Fertigstellung/ Erstbezug

1993

Schwerpunkte:

Projekt für Alleinerziehende und Familien mit umfangreichem, moderiertem Beteiligungsverfahren

Besonderheit

Das Projekt wurde im Landeswettbewerb „Kostengünstiger Mietwohnungsbau in NRW“ ausgeezichnet

Teilansicht des Gebäudes mit Gemeinschaftsraum (Quelle: Walther, Simbringer, Stein, 1996)
Wohnungen mit Schaltraum (Plan: Ursula Komes, Köln)
Der Gemeinschaftsraum verbindet die Baukörper (Plan: Ursula Komes, Köln)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Klaus-Novy-Institut mit Unterstützung des Wohnungsamtes der Stadt Köln

Eigentum:

Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau Köln (GAG)

Architektur:

Planungsgruppe Wohnstadt, Ursula Komes, Detlef Bock, Aachen

Kooperation:

Stadt Köln

Forschungsprojekt:

WohnBund-Beratung NRW

Projektentwicklung:

Klaus-Novy-Institut, Köln (Konzeption und Durchführung der BewohnerInnenbeteiligung)

Umfang:
Projektumfang:

Im Rahmen eines größeren Neubauvorhabens entstanden im Kölner Stadtteil Bickendorf zwischen 1991 und 1993 insgesamt 450 Sozialwohnungen. Das Modellprojekt „Gemeinsam Wohnen und Leben mit Kindern“ befindet sich im so genannten Block 4 dieses Gesamtvorhabens.

Wohnungen:

27 Mietwohnungen für ein bis fünf Personen mit 47 m² bis 114 m² Wohnfläche. Neun der 27 Wohneinheiten sind größer als 90 m². Die Gesamtwohnfläche beträgt 2.343 m².

Gemeinschaftsflächen:

Ein Gemeinschaftsraum mit ca. 65 m² und ein Gästeapartment.

Kosten/Mieten:

Gesamtkosten: 5,4 Mio DM

Kosten für die Gemeinschaftsflächen: 362.000 DM.

Finanzierung:

Im 1. Förderungsweg des Sozialen Wohnungsbaus gefördert.

Die Kosten für den Gemeinschaftsraum, das Gästezimmer und die ausgebauten Spitzböden waren nicht im Rahmen des Sozialen Wohnungsbaus förderfähig, wurden jedoch von der Stadt Köln bezuschusst.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Alleinerziehende und allein stehende Schwangere in Notlage, Familien mit Kindern.

Zielsetzungen:

Ziel des Wohnungsbauvorhabens ist die Förderung gemeinschaftlichen Wohnens verschiedener Haushaltsformen mit besonders integrativen Effekten für Alleinerziehende und ihre Kinder. Alleinerziehende werden als eine Personengruppe betrachtet, die zwar einen erschwerten Zugang zum Wohnungsmarkt, jedoch keinen besonderen sozialpädagogischen Betreuungsbedarf hat. Die Wohnungen sollten deshalb insbesondere den Bedürfnissen Alleinerziehender und deren Kindern entsprechen. Ziel des Projektes war es auch, den Wohnungsbau für Alleinerziehende als „normale“ Wohnungsbautätigkeit für einen zahlenmäßig stark zunehmenden Haushaltstyp zu definieren und nicht als „seltene“ Sonderwohnform für eine Randgruppe.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Die Beteiligung der zukünftigen MieterInnen am Planungsprozess war ein wesentlicher Bestandteil des Verfahrens. Die mit allen AkteurInnen (GAG, Stadt Köln, ArchitektInnen und FreiraumplanerInnen) abgestimmten Beteiligungsinhalte umfassten die Wahl der zukünftigen NachbarInnen und die Wahl der Lage der Wohnung im Gebäude, die individuelle Wohnungsplanung (im Rahmen der technischen und statischen Vorgaben), die Mitsprache bei der Innenausstattung, die Entwicklung von Nutzungskonzepten für Gemeinschaftsraum, Gästeappartement und Hobbyraum sowie die Gestaltung der Außenanlagen. Als Ansätze einer bewohnerInnengetragenen Wohnungsverwaltung wurden eine Mitsprachevereinbarung – die Belegung freiwerdender Wohnungen wird weitgehend selbst geregelt – sowie ein MieterInnenstatut gemeinsam erarbeitet.

Lage:

Das Projekt ist Teil einer Neubausiedlung im Nordwesten Kölns im Stadtteil Bickendorf. Das Neubaugebiet rundet die „Westendsiedlung“, ein Wohnquartier der 60er Jahre mit 3.500 EinwohnerInnen, nach Norden ab. Im Süden wird das Quartier durch die B 59 (Venloer Straße), im Osten durch ein Gewerbegebiet und eine Bahnlinie, im Norden durch den Westfriedhof begrenzt, was zu einer isolierten Lage der „Westendsiedlung“ führt. Die Siedlung verfügt nur in Ansätzen über ein Zentrum mit Versorgungsinfrastruktur. Lediglich die kinderbezogene Infrastruktur ist als gut zu bezeichnen. Die Anbindung an den ÖPNV ist durch einen U-Bahn-Anschluss gesichert.

Das Projekt „Gemeinsam wohnen und leben mit Kindern“ wurde in einer Randlage der neuen Siedlung realisiert. Das L-förmige, 4-geschossige Gebäude weist unterschiedliche Wohnungstypen auf mit nachträglich entfernbaren Zimmerwänden. Insgesamt gibt es zehn Schalträume, die wahlweise unterschiedlichen Wohnungen zugeschlagen und vom Treppenhaus aus separat erschlossen werden können („Juniorzimmer“). Der Flurbereich ist klein gehalten und als Teil des Gemeinschaftsbereichs der Wohnungen ausgebildet. Diesem, zum Hof orientierten Bereich sind die geräumigen Wohnküchen und der Balkon, alternativ Wintergarten oder Terrasse, zugeordnet. Alle Räume sind mit 10 m² bis 14 m² zwar klein, jedoch relativ gleichwertig, die Individualräume sind separat erschlossen.

Gebäude:

Im geschützten Blockinnenbereich befindet sich der gemeinschaftlich genutzte Garten.

Chronik

1991: Bau der Neubausiedlung in Köln-Bickendorf; die ArchitektInnengruppe WohnStadt wird mit der Entwurfsplanung für das Modellprojekt beauftragt; Vergabe der Wohnungen; Beginn der Beteiligung

1992-1996: Teilnahme am ExWoSt-Forschungsfeld „Wohnsituation alleinerziehender und alleinstehender Schwangerer in Notlagen“

1992: Baubeginn

1993: Bezug erster Wohnungen; Auszeichnung im Landeswettbewerb „Kostengünstiger Mietwohnungsbau in NRW“

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Schaffung von Wohnraum für Alleinerziehende als neue Nutzerinnengruppe

• Planungsbeteiligung und ansatzweise Verwaltungsbeteiligung

• unterschiedliche Wohnungstypen

• für jedes Haushaltsmitglied ein eigenes, gleichwertiges Zimmer

• Wohnraum als Allraum mit Sichtverbindung zum Hof

• große, dem Familienraum zugeordnete, abtrennbare Küche

• Flexibilität durch Schalträume, entfernbare Zimmerwände sowie durch Ausbaumöglichkeit des Spitzbodens

• Nachbarschaftsbezug über projekteigenes, abgeschlossenes Wohnumfeld mit Aufenthalts-, Spiel- und Gartenflächen sowie MieterInnen-Nutzgärten

• Gemeinschaftsräume, und -flächen

• Nähe zu Kinderbetreuungseinrichtungen

Quellen:

Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hg) (1996): ExWost-Informationen zum Forschungsfeld „Wohnsituation Alleinerziehender“ Nr. 11.3, Januar 1996, Bonn, S. 10-11

Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hg) (1996): Wohnsituation Alleinerziehender III. Ergebnisse des Forschungsfeldes „Wohnsituation Alleinerziehender und alleinstehender Schwangerer in Notlagen“ des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus, Bonn, S. 26-27

Ministerium für Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau des Landes Schleswig-Holstein (Hg.) (1997): Nutzungsoffene Grundrisse im sozialen Wohnungsbau. Kiel, S. 31-32 und S. 37

Simbriger, Angelika (1993): Dokumentation des Bewohner-Beteiligungs-Prozesses im Modellprojekt „Gemeinsam Planen und Wohnen mit Kindern“, Köln

Simbriger, Angelika (1997): Gemeinsam Planen und Wohnen – 4 Jahre danach. In: Wohnbundinformationen 4/97, S. 6-7

WohnBund-Beratung NRW (Hg.) (1995): „Gemeinsam wohnen und leben mit Kindern“ in Köln – Ein Projekt im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes: Alleinerziehende und alleinstehende Schwangere in Notlage. Abschlußbericht. Bochum