Frauengerechter Sozialer Wohnungsbau

Projekttyp:

Frauengerechter Wohnungsbau

Standort:

Nidderau

Projektierungsbeginn:

1995

Fertigstellung/ Erstbezug

1998

Kontakt:

Dipl. Ing. Karin Gerhardt, Architektin

www.gerhardt-architektin.de

Schwerpunkte:

Projekt für Haushalte mit Kindern, auf Grundlage eines Wettbewerbs und mit moderiertem Beteiligungsverfahren

Besonderheit

Der Landeswettbewerb „Frauengerechtes Bauen und Wohnen“ war Grundlage und Anstoß für das Projekt

Eine geschützte Gemeinschaftsfläche zwischen zwei Gebäudezeilen (Plan: Karin Gerhardt, Darmstadt)
Nutzungsneutrale Räume und private Freiräume zu zwei Seiten (Plan: Karin Gerhardt, Darmstadt)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Stadt Nidderau

Eigentum:

Magistrat der Stadt Nidderau

Architektur:

Karin Gerhardt, Darmstadt; Barbara Michel, Frankfurt

Kooperation:

Frauenbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises

Umfang:
Projektumfang:

Sozialer Mietwohnungsneubau auf einem Grundstück von 1.743 m² Größe und mit einer Gesamtwohnfläche von 1.538 m².

Wohnungen:

19 Wohneinheiten für eine bis sieben Personen mit einer Größe von 42 m² bis 124 m².

Gemeinschaftsflächen:

Ein Gemeinschaftsraum, Wasch- und Trockenräume, Abstellräume und Kinder-WC.

Kosten/Mieten:

Baukosten: 3,6 Mio. DM, Anfangsmiete (1998): 9 DM pro m² Wohnfläche (Nettokaltmiete).

Finanzierung:

Gefördert im 1. Förderungsweg des Sozialen Wohnungsbaus.

Für eine konsequente MieterInnenbeteiligung während der gesamten Planungs- und Bauphase wurden von der Stadt Nidderau 23.000 DM zur Verfügung gestellt.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Alleinerziehende sowie Familien mit zwei und mehr Kindern.

Zielsetzungen:

Das Projekt soll preisgünstigen Wohnraum für Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern bereitstellen und Spielraum zur eigenverantwortlichen Gestaltung und Erhaltung des direkten Wohnumfeldes, insbesondere für Frauen, bieten. Dies beinhaltet eine Verbesserung der Alltagstauglichkeit des Wohnungsbaus für Frauen und Familien, die Erleichterung der Hausarbeit und des Familienlebens sowie die Förderung nachbarschaftlicher Kontakte.

Der steigende Anteil allein erziehender Frauen an der Gesamtbevölkerung und der Wandel klassischer Familienstrukturen waren der Anlass für einen Landeswettbewerb „Frauengerechtes Bauen und Wohnen“. Dieser Wettbewerb gab den Anstoß für das Projekt in Nidderau. Das Projekt ist als Beitrag zur Umsetzung einer bürgernahen Sozial- und Wohnungspolitik zu verstehen, die auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen mit berücksichtigt.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Eine frühzeitige und umfassende Beteiligung der MieterInnen wurde als notwendig angesehen, da es die Intention des frauengerechten Wohnens ist, flexible Wohnstrukturen zu schaffen und die Bedürfnisse der Bewohnerinnen zu berücksichtigen. Die Moderation der MieterInnenbeteiligung erfolgte durch eine im Umgang mit Frauenprojekten erfahrene Architektin, die eng mit der planenden Architektin zusammenarbeitete. Die Mitsprache erfolgte in Abstimmung mit den Architektinnen und der Stadt Nidderau in folgenden Bereichen: Lage der Wohnung im Gebäude, Wahl der zukünftigen Nachbarschaften, Verbindung oder Trennung zwischen Wohnküche und Individualraum, Wahl der Innenausstattung, Gestaltung der Verkehrsflächen und der Hausordnung, Art und Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen.

Lage:

Das Projekt liegt in einem Gebiet, das sich aus Geschosswohnungsbau und Einfamilienreihenhäusern zusammensetzt.

Die Gebäude haben drei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss. Die Individualräume liegen zu der dem Hof abgewandten Seite. Jede Wohnung verfügt über eine Wohnküche, ein natürlich belüftetes und belichtetes Bad sowie einen ungestörten Freibereich.

Baukosteneinsparungen wurden durch eine kompakte Bauweise, offene Treppenhäuser, wiederkehrende Fassaden- und Grundrisselemente, ein statisch einfaches System mit geringen Spannweiten und einfachen Details, die mit marktüblichen Materialien und Bauteilen ausgeführt wurden, erzielt.

Gebäude:

Die zwei Projektgebäude sind in Nord-Süd-Ausrichtung um einen Gemeinschaftshof herum gruppiert, von welchem die Erschließung der Hausgruppen und Wohnungen über offene Treppen und Laubengänge erfolgt. Die Gemeinschaftsfreifläche ist in verschiedene Bereiche, wie z. B. einen Spielhof mit integriertem Kleinkinderspielplatz und verschiedene Sitzbereiche mit Sichtbezug zu dem tieferliegenden Gemeinschaftsraum, gegliedert. Die Parkplätze befinden sich an der westlichen Seite des Grundstückes und sind von den Wohnungen aus einsehbar.

Chronik

1994: Angeregt durch die Wettbewerbsunterlagen „Frauengerechter Wohnungsbau“ beginnen die Vorüberlegungen zum Projekt

1995: Erste Diskussion des Vorhabens in den städtischen Gremien

1997: Baubeginn

1998: Fertigstellung

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Schaffung kostengünstigen alltagstauglichen Wohnraums für das Wohnen mit Kindern

• Planung durch Architektinnen unter Beteiligung der küftigen Nutzerinnen (Wohnung, Gemeinschaftsflächen, Hausordnung)

• Eignung der Wohnungen für unterschiedliche Haushaltsstrukturen (Alleinerziehende, Patchwork-Familien, traditionelle Familien)

• Möglichkeit für Schalträume

• gleichwertige Individualräume für jede Person

• Räume mit Verbindungstüren (durchwohnen)

• Wohnküchen mit Sichtbezug zum Gemeinschaftshof und zu den Laubengängen

• belichtete Bäder

• gut zugängliche und überdachte Abstellmöglichkeiten für Kinderwagen und Fahrräder

• Kinder-WC im Erdgeschoss

• Gemeinschaftsraum

• wettergeschützte, gut einsehbare, hell erleuchtete Hauseingänge

• geschützter Innenhof als halböffentlicher Raum

• Einsehbarkeit der Stellplätze

• abgeschlossene, wohnungsnahe Spielmöglichkeit für Kinder

Quellen:

Gerhardt, Karin (1998): Auf dem Weg zur Selbständigkeit. In: FreiRäume. Heft 10, S. 47-50

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Hg.) (1996): Dokumentation – Hessische Projekte zum Bauen und Wohnen aus Frauensicht, Projekttagung am 11. Juli 1996 im Landeshaus Wiesbaden. Wiesbaden

Ministerium für Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau des Landes Schleswig-Holstein (Hg.) (1997): Nutzungsoffene Grundrisse im sozialen Wohnungsbau. Kiel

Stadt Nidderau (o. J.): Informationsflyer