AMANDA – Selbstbestimmtes Wohnen alleinerziehender Frauen e. V.

Projekttyp:

Autonome Frauenwohnprojekte

Standort:

Rostock

Projektierungsbeginn:

1991

Fertigstellung/ Erstbezug

1995

Schwerpunkte:

Projekt eines Vereins im Dachverband „Rostocker Fraueninitiativen e. V.“

Die Straßenfassade (Quelle: Zeitschrift Maxi, Mai 1997)
Das Haus vom Hof gesehen (Quelle: Zeitschrift Maxi, Mai 1997)
Dachgeschoss mit Dachterrasse (Hellwig, Rostock)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Arbeitsgruppe „Alleinerziehende und Wohnen in Rostock“ bzw. der daraus entstandene Verein „AMANDA e. V. – Selbstbestimmtes Wohnen alleinerziehender Frauen“Eigentümer

„AMANDA – Selbstbestimmtes Wohnen alleinerziehender Frauen e. V.“

Architektur:

Monika Hellwig, Rostock

Umfang:
Projektumfang:

 

Wohnungen:

Altbausanierung, teilweise im Rahmen des Sozialen Mietwohnungsbaus. Das Gebäude hat eine Gesamtwohnfläche von 312 m², aufgeteilt in fünf Wohneinheiten: Eine Einraumwohnung mit 33 m² sowie vier Wohnungen für Alleinerziehende mit 58 m² bis 80 m².

Gemeinschaftsflächen:

Ein gemeinschaftliches Gästezimmer, ein Musikraum, ein Spielzimmer, eine Waschküche und ein gemeinsamer Abstellraum.

Kosten/Mieten:

Gesamtkosten: 648.000 DM, davon 100.000 DM für den Erwerb des Gebäudes.

Die Kosten der Sanierung/Modernisierung betrugen ohne Nebenkosten 1.500 DM pro m² Wohnfläche.

Anfangsmiete (1995): 9 DM pro m² Wohnfläche (Nettokaltmiete).

Finanzierung:

Das Gebäude wurde über das Investitionsvorrangverfahren an den Verein übertragen.

Drei der Wohnungen wurden über den 3. Förderungsweg gefördert, für zwei Wohnungen erhielt der Verein ein Modernisierungsdarlehen. Die Sozialwohnungsbaumittel setzten sich zusammen aus Landesdarlehen, Kommunaldarlehen, Modernisierungsdarlehen.

Die Förderung aller Wohnungen im Rahmen des Sozialen Wohnungsbaus scheiterte zum einen an den damit verbundenen Grundrissvorgaben, die nach Ansicht des Vereins die Lebenssituation einer Alleinerziehenden mit Kind nicht angemessen berücksichtigen, zum anderen an dem mit der kommunalen Förderung verbundenen Belegungsrecht.

Eigenkapital und Eigenleistungen erbrachten ca. 18 % der Gesamtkosten.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Alleinerziehende Frauen und ihre Kinder.

Zielsetzungen:

Ziel des Projektes ist die Unterstützung einer selbstbestimmten Lebensführung allein erziehender Frauen durch neue Wohnformen und Trägerschaftsmodelle unter Einbeziehung der Vorzüge gruppenorientierten Wohnens und der Bedürfnisse allein erziehender Frauen. Durch das gemeinsame Wohnen in einem innenstadtnahen Gebäude sollen Beruf, Haushalt und Kindererziehung besser miteinander vereinbart werden können. Das Projekt soll der Sicherung von preiswertem Wohnraum dienen.

Der Verein AMANDA e. V. gehört zum Dachverband „Rostocker Fraueninitiativen e. V.“, in dem seit 1993 die im „Kultur- Bildungs- und Beratungszentrum für Frauen und Mädchen in Rostock – Beginenhof“ angesiedelten 16 Projekte zusammen geschlossen sind. Der Verein AMANDA hat zur weiteren Unterstützung einer selbstbestimmten Lebensführung Alleinerziehender eine dauerhafte Wohnberatungs- und Anlaufstelle für Frauen und Familien im Beginenhof eingerichtet. Es gibt allerdings keine Wohnungen im Beginenhof.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Planung und Sanierung erfolgten in enger Zusammenarbeit der zukünftigen Bewohnerinnen und der Architektin. Die Wohnungsgrundrisse wurden nach den Wünschen der Nutzerinnen entwickelt. Die Nutzerinnen erbrachten in erheblichem Umfang Eigenleistungen.

Stadtplanung:

 

Lage:

Das Projektgebäude befindet sich in innenstadtnaher und verkehrsgünstiger Lage im Zentrum von Rostock in einer verkehrsberuhigten Querstraße.

Ein 3-geschossiger sanierter Altbau.

Alle Wohnungen haben ein großes Kinderzimmer und keine Durchgangszimmer. Die Planungen wurden durch die in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Richtlinien erschwert, da diese die besonderen Wohnanforderungen von Alleinerziehenden mit einem Kind (Notwendigkeit von zwei Individualräumen) nicht berücksichtigen. Das führte bei zwei Wohnungen letztlich zum Verzicht auf die (im Vergleich zur Modernisierungsförderung deutlich höhere) Sozialwohnungsbauförderung.

Außenanlage

Die begrünte Hoffläche ist für Spiel und Erholung nutzbar.

Ökologie:

Auf den Einsatz ökologischer Materialien wurde beim Bauen Wert gelegt.

Chronik

1991: Zusammenschluss allein erziehender Frauen

1992: Vereinsgründung: „AMANDA – selbstbestimmtes Wohnen alleinerziehender Frauen e. V.“

1994: Beginn der Sanierung

1995: Fertigstellung

Entwicklung seit Beginn:

Die meisten Bewohnerinnen wohnen (ohne ihre inzwischen erwachsenen Kinder) immer noch in dem Projekt.

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Schaffung der Voraussetzungen zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung

• Sicherheit durch Einbindung in ein Netzwerk von Frauenprojekten/-initiativen

• partizipative Planung durch eine Architektin

• Sicherung langfristiger, ausschließlich kostendeckender Mieten

• möglichst große Kinderzimmer

• ein eigener Wohnraum für die Mutter

• relativ gleichwertige Räume

• ausreichende Abstellflächen

• Einrichtung gemeinschaftlich nutzbarer Räume

• Alltagserleichterung durch kurze Wege zwischen Wohnen und Kita

• guter Zugang zu sozialer und kultureller Infrastruktur

• günstige Nahverkehrsanbindungen

Quellen:

Amanda – Selbstbestimmtes Wohnen alleinerziehender Frauen e. V. (Hg.) (1995): 1. Wohnprojekt für allein erziehende Frauen in Rostock – Vorstellung des Projektes. Rostock

Amanda – Selbstbestimmtes Wohnen allein erziehender Frauen e. V. (Hg.)

(o. J.): Selbstdarstellung des Vereins. Rostock

Herrmann, Uta (1997): Fünf Frauen kämpfen für ihren Traum vom Glück. In: Maxi, Mai 1997, S. 58-64

Löser, Heike (o. J.): Selbstbestimmtes Wohnen allein erziehender Frauen – Vergleichskonzept Margaretenstraße 64. o. O.

Niemeyer, Annette (1995): Selbstbestimmtes Wohnen für Alleinerziehende: Das Projekt Amanda in Rostock. In: Frauenthemen 18/1995: Stadtplanung in Frauenhand – Frauen planen ihre Stadt. Dokumentation einer Fachkonferenz der AG Sozialdemokratischer Frauen am 22./23. September 1995 im Deutschen Architektur Zentrum Berlin-Mitte, S. 24-26