Landprojekt Wüstenbirkach

Projekttyp:

Autonome Frauenwohnprojekte

Standort:

Wüstenbirkach

Projektierungsbeginn:

1986

Fertigstellung/ Erstbezug

1986

Kontakt:

r.balden@gmx.de

Schwerpunkte:

Als Lesben gemeinsam auf dem Land wohnen

Besonderheit

Ein Wohnort für Lesben

Das Fachwerkhaus bekommt ein neues Dach
Das Fachwerkhaus
Haupthaus Dachgeschoss (Großes Wohnhaus)
Fachwerkhaus Erdgeschoss
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

8 Lesben

Eigentum:

Ursprünglich Einzeleigentum von 8 Frauen ( WEG), heute Eigentum der SAPPhO Frauenwohnstiftung (siehe Chronik).

Sonstige Beteiligte:

Safia-Lesben gestalten ihr Alter e.V. ; SAPPhO Frauenwohnstiftung

Umfang:
Projektumfang:

Ein Hofgut in Alleinlage auf 5 ha Land, bestehend aus 2 Wohngebäuden, einem Nebengebäude, einem ehemaligen Backhaus, einer eigenen Quelle und einer Schilfkläranlage. Schaffung von 8 Wohnungen durch Ausbau der Dächer zu Wohnungen und Aufteilung der Geschosse.

Wohnungen:

8 Wohnungen von ca. 55 m² bis ca. 120m². 

Stand 6/2012: Haupthaus: Dachgeschoss  124 m², 2 Zimmer, K/B, davon 1 Raum mit 50 m² z.Zt. als Atelier genutzt. 1.OG rechts . 65 m², 3 Zi ,1/2 Bad, K, Balkon 1.OG links: 60m², 3 Zi einschl. Wohnküche, 1/2 Bad, EG: 83 m², 2 Zi, Gemeinschaftsküche/Gemeinschaftsbad, Terrasse

Fachwerkhaus:

EG rechts: 66 m², 2 Zimmer, B/K, Terrasse, EG links: 60 m², 2 Zi, B/K , Terrasse, DG: ca. 90 m² unausgebaut, Balkon

Nebengebäude: EG 78 m², 1 Zi, B/K, behindertengerecht

    

Gemeinschaftsflächen:

Ein Gästinnenzimmer mit 2 Betten, große Gemeinschaftsküche/-bad, Ess- und Kaminzimmer, Sauna, Lagerplatz in den Kellergewölben unter den Gebäuden und im ehemaligen Backhaus; Holzliege, kleine Werkstatt.

sonstige Flächen:

Außenflächen: verpachtet 2,3 ha, Hof/Gartenbereich/Wiesen mit Teichen ca. 2,6 ha, Quellwiese.

Kosten/Mieten:

Kosten des Erwerbs: 400.000 DM. Kosten Herstellen/Sanieren je Wohnung: 10.000-50.000 DM je nach finanzieller Möglichkeit. Mieten: ca. 4.00 €/m², Nebenkosten (Hofkonto) 85 € im Monat, plus Heizkosten.

Nießbraucherinnen zahlen nur die Nebenkosten (Hofkonto) plus eine Instandhaltungsrücklagen (z.Zt. 1,50 €/m²)

Finanzierung:

Keine Förderung, private Finanzierung von Erwerb und Ausbaukosten.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Lesben, die auf Landleben Lust haben und sich mitverantwortlich fühlen für die Pflege und den Erhalt des Hofes.

BewohnerInnenstruktur:

Belegung zum Zeitpunkt 6/2012: 5 Bewohnerinnen, davon 2  Mieterinnen, 3 Nießbraucherinnen.

Zielsetzungen:

Nachbarschaftliches Miteinander, der Versuch zugewandt die gemeinschaftlichen Aufgaben,die der Hof erfordert, zu organisieren und durchzuführen.

Gemeinsame Aktivitäten: Safia-plus-Nachbarinnen Sommerfest jährlich im August, gelegentlich gemeinsame Einladungen von Freundinnen zu Weihnachten, gelegentlich gemeinsame Essen.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Phasenweise gibt es Hofsitzungen. Über Finanzen wird gemeinsam entschieden.

Das Hofgut liegt landschaftlich sehr schön allein, ohne Nachbarn, in der Landschaft, im Naturpark Haßberge zwischen Rhön und Thüringer Wald in Unterfranken, im Norden Bayerns.

Stadtplanung:

Reste eines fränkischen Landsitzes aus dem 16. Jhrd.

Die zwei Wohngebäude unterscheiden sich in ihrer Bauweise: das sogenannte Haupthaus, ein Steinbau mit fränkischem Sandstein im Erdgeschoss und Ziegelbauweise für das Obergeschoss und ein Fachwerkhaus sowie ein eingeschossiges Nebengebäude, auch aus fränkischen Sandstein.

Baumaßnahmen nach dem Erwerb: Abriss der Außenplumpsklos, Einbau von sanitären Anlagen, Etagenheizungen für jede Wohnung/Flüssiggas, Einbau von Fenstern. Sanierung der Außenfassaden, Entrümpeln des Hofgeländes, Anlegen eines Gartens. Weitere Maßnahmen im Laufe der Jahre: Einbau einer Sauna, Beleuchtung für den Parkplatz und den Weg vom Auto zu den Häusern, ein Wintergarten.

Gebäude:

Gebäude und Baumbestand bilden einen Innenhof in dem eine Linde wächst. Das ganze Gelände ist leicht zum Weisachtal, Richtung Norden hin, geneigt. Ein Teich und zwei Wiesen schließen das Grundstück nach Norden ab, an denen entlang ein Feldweg zum nächsten befestigten Wirtschaftsweg durch die Felder führt. Der Blumengarten und eine große Wiese liegen im Süden, im Osten befinden sich Wiesen und ein alter Obstgarten. Ein Stück Urwald, weil etwas am Rande des Grundstücks gelegen, bilden zwei Teiche mit Weiden und Birken. Im Osten liegen noch mal Wiesen, ein großer alter Obstgarten, der Parkplatz und die Zufahrtsstraße.

Ökologie:

Der Hof liegt in einem Wasserschutzgebiet. Für das Abwasser gibt es eine Drei-Kammer-Klärgrube und eine Schilfkläranlage. Letztere schafft ein Bewusstsein für die Art der Abfälle, die über WC oder Waschbecken entsorgt werden dürfen. Kompostieren von organischem Material ist Usus, die Leerung einer Restmülltonne alle 14 Tage ist ausreichend. Ein Grasdach über der Wohnung im Nebengebäude blüht, wächst und gedeiht. Ein Jahr lang hat sich der Hof mit der Suche nach einer alternativen Heizmethode beschäftigt. Alle marktüblichen Technologien wurden als unausgereift abgelehnt, so dass die Flüssiggastanks weiterhin den Hof versorgen.

Chronik

1986 Erwerb eines zerfallenen, heruntergekommenen Wohnprojektes, namens Wüstenbirkach. Die Frauen, die dieses Hofgut kauften, hatten sich in einem naheliegenden Frauenferienhaus getroffen, um sich über die Gründung eines Vereins für Lesben über 40 auszutauschen. Dieses Treffen also ist die Geburtsstunde von Safia e.V. und von dem lesbischen Hofgut Wüstenbirkach. Die acht Erwerberinnen gaben sich die Rechtsform der WEG (Wohnungseigentümergemeinschaft). Damit im Todesfall die Kinder nicht zu Erben wurden, schlossen die Mütter mit ihnen eine notarielle Verzichtserklärung ab. Somit war garantiert, dass der Hof in Lesbenhänden bleibt.

1993 stifteten die Gründerinnen das Anwesen an den Verein Safia  und gaben sich einen veräußerbaren Nießbrauch. Er besagt, dass die Nießbraucherin alle Rechte und Pflichten einer Eigentümerin hat, die Immobilie aber nicht vererben kann. Sie kann vermietet und verpachtet werden und der Nießbrauch zu Lebzeiten veräußert werden.

1997 sollte die Stiftung SAPPhO Frauenwohnstiftung gegründet werden. Der Verein Safia entschied, die Immobile der Stiftung zu überschreiben. So wurde Wüstenbirkach zu einem Teil des Gründungskapitals der Stiftung. Sie übernahm die Nießbrauchverträge zwischen den Bewohnerinnen und dem Verein. 

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Eigentum in Frauen/Lesbenhand

• Sicherung von Wohnraum in Lesbenhand

• Selbstbestimmung/ Selbstverwaltung

 

Quellen: