Hexenhaus

Projekttyp:

Autonome Frauenwohnprojekte

Standort:

Berlin

Projektierungsbeginn:

1981

Fertigstellung/ Erstbezug

1987

Kontakt:

info[at]marion-linder.de

Schwerpunkte:

Feministisches Frauen/Lesbenprojekt aus Hausbesetzung

Dachausbauten mit Wintergärten (Foto: Anne Schöning, Berlin)
Der Hofraum mit bemalten Fassaden (Foto: Anne Schöning, Berlin)
Hausbesetzung - eine historische Postkarte (Ingrid Klost, Monika Metzner, München)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Frauen aus der Frauenbewegung, darunter Architektinnen

Eigentum:

Hexenhaus e. V., Verein der Bewohnerinnen

Architektur:

Phase 1: Planung: Anne Lampen, Ellen Nausester, Berlin, Bauleitung: Barbara Giertz, Ellen Nausester, Berlin

Phase 2: Büro BoZiNa mit Marion Linder, Berlin

Umfang:
Projektumfang:

Sanierter Mietwohnungsaltbau einer Wohn- und Gemeinschaftsfläche von insgesamt rund 1.500 m².

Wohnungen:

23 Wohneinheiten, davon 17 Einraumwohnungen und sechs größeren 2- bis 3-Zimmer-Wohnungen.

Gemeinschaftsflächen:

Dachterrasse mit Wintergarten, Gästezimmer im Erdgeschoss, Waschmaschinenraum, Werkstatt, Lager und Garten.

Kosten/Mieten:

Das Projekt entstand aus einer Hausbesetzung; das Haus gehört jetzt dem Hexenhaus e. V., alle Frauen im Haus sind Mieterinnen und Mitglieder des Vereins.

Gesamtkosten 2,3 Mio DM, davon für den Hauskauf 240.000 DM und die Modernisierung und Instandsetzung 2,1 Mio DM.

Bruttokaltmiete (1999): 7,20 DM pro m² Wohnfläche plus 1,80 DM pro m² Heizkosten.

Bruttowarmmiete (2002): 10 DM pro m² Wohnfläche.

Finanzierung:

Die Instandsetzung und Modernisierung wurde in zwei Phasen in den Jahren 1984-87 (Kosten 1,7 Mio DM) und 1995-96 (Kosten 380.000 DM) mit erheblichen Eigenleistungen durchgeführt.

Der Hauskauf wurde zunächst durch die Übernahme von Bankdarlehen und Privatkredite finanziert; mit Abschluss des Modernisierungsvertrages wurden die Privatdarlehen durch Bankkredite ersetzt.

Die Instandsetzung und Modernisierung der 1. Phase wurde mit insgesamt 1.45 Mio DM aus unterschiedlichen Programmen gefördert (Selbsthilfe-Programm des Landes Berlin, Mietermodernisierung, Ordnungsmaßnahmen zur Behebung von Bauschäden). 280.000 DM mussten durch Eigenleistung erbracht werden (Bauleistung in Selbsthilfe und Einsparungen durch Leistungen hauseigener Handwerkerinnen und Architektinnen zu günstigeren Konditionen als die herkömmlicher Firmen).

Der Wert der Eigenleistungen der zweiten Phase beträgt 22.000 DM (gemeinsame Selbsthilfeaktionen, Abriss und Architektinnenleistung von Nutzerin).

Die Maßnahmen der 2. Phase wurden teilweise aus dem Mietermodernisierungsprogramm gefördert.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Frauen und Lesben.

BewohnerInnenstruktur:

2002 wohnten in dem Wohnprojekt 21 Frauen, die überwiegend seit den Anfängen am Projekt beteiligt waren.

Zielsetzungen:

Aus dem Protest gegen Sanierungs- und Wohnungsmissstand entstanden, ist das Projekt in einem politisch-feministischen Kontext verankert und ausschließlich auf Frauen ausgerichtet. Das Projekt will einen langfristig gesicherten und selbstbestimmten Wohn- und Lebensraum für Frauen mit möglichst kostengünstigen Lösungen und nahezu gleichwertigen Wohnungen bzw. Wohnräumen für jede Frau schaffen.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Die Grundriss- und sonstigen Planungen wurden von den Nutzerinnen gemeinsam abgestimmt. Während der Bauphase erfolgte eine selbstorganisierte Selbsthilfearbeit bei den Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten. Das Projekt wird selbst verwaltet; alle Entscheidungen werden in einem monatlichen Plenum gefällt.

Lage:

Das Projekt liegt in Berlin-Kreuzberg, einem Stadterhaltungsgebiet, das als Kiez aufgrund seiner Wohn- und alternativen Infrastruktur sowie seinem hohen multikulturellen Anteil („Kreuzberger Mischung“) sehr gefragt war. Zahlreiche Cafés und Kneipen sowie kleine Läden prägen den Stadtteil.

Das Gebäude ist ein 5-geschossiger, sanierter Altbau mit Vorderhaus und Seitenflügel, die jeweils als Zweispänner organisiert sind. Durch Vergrößerung der Einraumwohnungen im Seitenflügel zu Maisonette-Wohnungen und Umwandlung der 2,5-Zimmer-Wohnungen im Vorderhaus in 2-Zimmer-Wohnungen mit größeren Zimmern wurden gleichwertige Wohnungen geschaffen.

In den Ladenwohnungen im Vorderhaus befinden sich Arbeitsräume für Frauen, die überwiegend im Haus wohnen (Atelier für Künstlerinnen, Frauen-Film-Projekt, Plakat-Vertrieb) und ein Gästezimmer.

Chronik

1981: Besetzung des fast leerstehenden Hauses ausschließlich durch Frauen

1983: Kauf des Hauses durch den Hausverein Hexenhaus e. V.

1984­­-1987: Instandsetzung und Modernisierung des Hauses durch Selbsthilfe (1. Phase)

1995-1996: 2. Phase der Instandsetzung und Modernisierung des Hauses

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Wohnraum exclusiv für Frauen/Frauenwohngemeinschaften

• Planung durch Architektinnen und Abstimmung der Planung mit den Bewohnerinnen

• Selbstverwaltung, Beteiligung aller Mieterinnen an Entscheidungen

• Sicherung des Hauses in Frauenbesitz durch Kauf

• Kostengünstiger Wohnraum durch starken Eigenleistungsanteil

• Verbindung von Wohnen und Arbeiten

• Herstellung möglichst gleichwertigen Wohnraums für jede Frau

• ein eigenes Zimmer bzw. eine eigene Wohnung für jede Frau

• Möglichkeit zur Zusammenlegung von Wohnungen für größere Wohngemeinschaften

• gemeinsame Orte (Dachterrasse und Garten, Gästeraum)

• Gute Infrastruktur

Quellen:

Nausester, Ellen (1983): Internationales Frauen-Workcamp im Hexenhaus. In: FreiRäume. Berlin, S. 63-68

Nausester, Ellen (1988): Das Hexenhaus. Beitrag zum 236. Kurs des Instituts für Städtebau, Berlin (Thema: Bürgerbeteiligung, Bürgermitwirkung, Bürgerselbsthilfe), o. O.

Nausester, Ellen (1989): Hexenhaus Berlin. In: Allers, Monika (Hg.): Frauen erneuern ihre Stadt. Dokumentation der Tagung „Kritische Frauenblicke auf Stadterneuerung in Hamburg und Berlin“ vom 5.-7.10.1989 in Hamburg. Hamburg, S. 103-105