LUZIE – Generationsübergreifendes Wohnen

Projekttyp:

Autonome Frauenwohnprojekte

Standort:

Hamburg

Projektierungsbeginn:

1995

Fertigstellung/ Erstbezug

2009

Kontakt:

sonja.schelper[at]hamburg.de

Heike.pfitzner[at]onlinehome.de

Schwerpunkte:

Generationenübergreifendes Frauen/Lesbenwohnprojekt als Teil eines gemischten Wohnprojekts

Visualisierung des Wohnblocks - LUZIE im Vordergrund (Visualisierung: Möller, Seifert, hamburg)
Lageplan des Gesamtprojekts (Plan: Möller/Seifert, Hamburg)
Vielfältige Wohnungsgrößen und -typen (Plan: Möller/Seifert, Hamburg)
Isometrie des Gesamtprojekts - LUZIE im Vordergrund (Plan: Möller/Seifert, Hamburg)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Eine Gruppe von Frauen, die sich später selbst LUZIE getauft hat, weil sie sich zur Realisierung ihres Projekts mit dem gemischten Wohnprojekt GOFI zusammengeschlossen hatte und nicht „die Frauen“ genannt werden wollte, zumal auch in dem anderen Projektteil mehrheitlich Frauen beteiligt sind.

Eigentum:

1/3 private Eigentümerinnen (Eigentumswohnungen), 2/3 Baugenossenschaft der Buchdrucker eG (zugleich Bauträgerin)

Architektur:

Möller, Seifert, Hamburg

Sonstige Beteiligte:

STATTBAU Hamburg (Baubetreuung) Stadt Hamburg (Erbpachtgeberin)

Umfang:
Projektumfang:

Das Projekt ist Teil eines auf einem Erbpacht-Grundstück errichteten Wohnprojekts aus 43 Wohnungen mit 43 m² bis 130 m² Wohnfläche und einer Gesamtwohnfläche von 3.200 m² in sechs Häusern, davon zwölf Eigentumswohnungen.

Wohnungen:

Das Frauenprojekt LUZIE umfasst 18 Mietwohnungen der Baugenossenschaft der Buchdrucker im „Südhaus“ und im „Osthaus“ mit 43 m² bis 115 m².

Gemeinschaftsflächen:

LUZIE hat auf dem Dach des „Südhauses“ eine Gemeinschaftswohnung (45 m²) mit 58 m² großer Dachterrasse nach Südwesten, die durch die LUZIEs finanziert wird und Raum für ihre Gemeinschaftsaktivitäten bietet.

Darüber hinaus gibt es eine 60 m² große Gemeinschaftswohnung plus Terrasse für das Gesamtprojekt im Erdgeschoss des „Osthauses“, einen gemeinschaftlichen Innenhof sowie Grünflächen um die jeweiligen Häuser, die den HausbewohnerInnen zur Verfügung stehen.

Kosten/Mieten:

Die Miete der nicht geförderten Wohnungen beträgt 9,10 € (Kaltmiete), die Miete der geförderten Wohnungen 5,60 € und 6,60 €.

Die Kosten für die Gemeinschaftsflächen werden auf alle Beteiligten umgelegt.

Finanzierung:

Ein Drittel der Wohnungen wurden privat finanziert.

Die LUZIEs sparen von Beginn an durch einen monatlichen Beitrag von 10 € Mittel für die Einrichtung der Gemeinschaftswohnung an.

Sechs Mietwohnungen des Projekts LUZIE werden im Rahmen der Sozialen Wohnraumförderung gefördert.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

GOFI-LUZIE ist ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, das Menschen verschiedener Altersstufen, Lebensformen, Berufe und unterschiedlicher finanzieller Möglichkeiten unter einem Dach vereint.

LUZIE ist eine innerhalb des Projektes eigenständige Gruppe von derzeit (2008) 16 Frauen/Lesben, die alle ein soziales Netzwerk in ihrer Wohnumgebung aufbauen und dort gemeinschaftsorientiert und generationenübergreifend leben wollen – jede in ihrer eigenen Mietwohnung (allein, als Paar, z. Zt. alle ohne Kinder). Innerhalb des LUZIE-Projektes werden ausschließlich Frauen Mieterinnen sein. Männer sind als Gäste, Freunde, Brüder, Besucher und Nachbarn willkommen.

Zielsetzungen:

Das LUZIE-Projekt wirkt der Vereinzelung von nicht familienförmig lebenden Frauen/Lesben in der städtischen Umgebung entgegen und ist die Verwirklichung einer Vision für ein vielfältiges Leben. Das Wohnumfeld soll ein soziales Netzwerk bilden, in dem gegenseitige Hilfe und Unterstützung in Alltagsschwierigkeiten – Nachbarschaftshilfe möglich sind. Gemeinsame Alltagsgestaltung (z. B. Kochen, Freizeitgestaltung, Begegnung, Kultur) soll dazu beitragen, dass sich die Frauen in ihren sehr verschiedenen Lebenslagen Wert zu schätzen lernen.

Das GOFI-LUZIE-Projekt unterstützt andere Wohnprojekte mit Informationen und Materialien. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht ein weiteres Wohnprojekt, das Projekt Autofreies Wohnen (Klimaschutzsiedlung), mit dem ein produktives Miteinander bereits besteht.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Die Genossenschaft hat mit dem Verein alles in einem langwierigen Prozess abgestimmt – von der Konkretisierung der Grundrisse über die Ausstattung der Wohnungen bis hin zur Gestaltung der Außenanlagen. Die Gruppe trifft sich regelmäßig alle 14 Tage, u. a. um die Bedürfnisse der Beteiligten aufeinander abzustimmen, zusätzlich trifft sich die Gruppe der LUZIES einmal monatlich. Alle Planungen und die Wohnungsverteilung wurden von LUZIE einvernehmlich umgesetzt – die Kommunikation zwischen den Treffen läuft über eine Yahoo-Plattform. Darüber hinaus finden in der Vorbereitungs- und Planungsphase alle 6 bis 9 Monate gemeinsame LUZIE-Wochenenden statt, zum Kennenlernen, Planen und Genießen.

Stadtplanung:

 

Lage:

Das Grundstück in Hamburg Nord liegt an einer wenig befahrenen Straße, direkt am S-Bahnhof Kornweg in Klein-Borstel, nahe dem Alsterwanderweg und dem großen, parkartigen Gelände des Ohlsdorfer Friedhofes.

Zweigeschossige Gebäude mit Staffelgeschossen sind im Karree um einen Innenhof angeordnet, die dreiseitig bündigen Staffelgeschosse sind so gelegt, dass große zusammenhängende Terrassenflächen entstehen. Die 43 m² bis 130 m² großen Wohnungen sind z. T. zwei- bis dreistöckige Maisonettewohnungen, zum Teil eingeschossige Wohnungen. Alle haben Gartenzugang, Dachterrasse oder Balkon.

Die Wohnungen sind in Schottenbauweise geplant, da dies die Möglichkeit der Anpassung der Wohnungsgrößen an unterschiedliche und sich möglicherweise verändernde Wohnbedürfnisse bietet. (Möglichkeit der Zusammenlegung bzw. Trennung nebeneinander liegender Wohnungen).

Gebäude:

Das Gelände ist von kleinen Wasserläufen und Grün umgeben, Stellplätze liegen am Nord- und Ostrand des Geländes an der Straße.

Ökologie:

Die teilunterkellerten Gebäude werden im Kfw-60-Standard errichtet und über ein Blockheizkraftwerk beheizt.

Chronik

1995: erste Anfänge der späteren Gruppe GOFI: Reise nach Dänemark mit einer Gruppe von Grauen Panthern zur Besichtigung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten, danach Plan, ein Wohnprojekt in Hamburg zu realisieren

Ab 1997/1998: regelmäßige Treffen

1998: hat sich das Projekt GOFI bei der Liegenschaft in die Bewerberliste um ein städtisches Grundstück eintragen lassen. Die Stadt bietet eine Reihe von Grundstücken an, die aber von der Gruppe als ungeeignet abgelehnt werden

1999: Vorstellung des Projekts auf dem Wohnprojektetag. Danach kamen viele Familien mit kleinen Kindern dazu, insgesamt bestand die Gruppe aus 30 Familien, Paaren und Singles

2000: Bewerbung um ein Grundstück in Klein Borstel „Kleine Horst“. Die Stadt erklärte sich bereit, entgegen ursprünglichen Plänen, dieses Gelände nicht ausschließlich an Eigentümer, sondern auch zum Teil an eine Genossenschaft zu verkaufen

2002: alle jüngeren Familien sprangen wegen der bevorstehenden Einschulung ihrer Kinder ab und zogen zum Teil in ein gerade fertig gestelltes Wohnprojekt. Die Gruppe schrumpfte auf ca. acht Personen

2004: stieß auf den Wohnprojektetagen eine Gruppe von Frauen zu dem Projekt und nannten sich „LUZIES“ in Anlehnung an den Namen GOFI (Gruppenorientierte Finanzierung)

2004: Kontakt zur Investorin für die Mietwohnungen, der Genossenschaft der Buchdrucker eG

März 2005: Gründung einer Planungsgemeinschafts-GbR

Mai 2005: Anhandgabe des Geländes „Kleine Horst“ an die GbR. Durchführung eines Architekturwettbewerbs durch die Stadt

September 2005: Baubetreuungsvertrag mit der Stadtentwicklungsgesellschaft „Stattbau“

November 2005: Architekten-Vertrag mit dem Architekturbüro Möller und Seifert

Dezember 2005: Bauantrag für die Eigentumswohnungen

2005: Zusammenfassung der im Laufe der Zeit entwickelten Vorstellungen als Leitideen, die die Grundlage für die Kriterien zur Aufnahme weiterer Wohnprojektmitglieder bilden

2006: Gründung des Vereins „GOFI – Zusammenwohnverein“, dem alle EigentümerInnen und zukünftigen MieterInnen angehören

2006: Vertrag zwischen dem Verein und der Genossenschaft der Buchdrucker eG

2006: Beginn der Erschließungsarbeiten der Stadt auf dem Gelände

Frühjahr 2007: Bewilligung des Bauantrags für die Genossenschaftswohnungen

November 2007: Unterzeichnung Erbbaurechtsvertrag

November 2007: Baubeginn

Juni 2008: Richtfest

März 2009: Bezug

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Partizipation der Nutzerinnen bei der Planung

• Entscheidung über Wohnungsbelegung durch die Gruppe

• vielfältige Wohnungstypen nach individuellen Wünschen

• alle Erdgeschosswohnungen sind barrierefrei

• Möglichkeit einer späteren Nachrüstung mit Fahrstuhl (für den derzeit die Finanzmittel fehlen)

• Gemeinschaftswohnung mit Dachterrasse und gemeinsame Grünflächen um die Gebäude

• gemeinschaftlicher Fahrradkeller, Waschküche

• Frauen, die Zeit und Lust haben, werden einen Kochdienst organisieren und für Gestresste und andere Essen anbieten (ggf. gegen Entgelt)

• Gute Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung

Quellen:

Gofi-Luzie, Website: www.gofi-luzie.de (letzter Zugriff November 2008)

Frank Seeger (2007): Neues Wohnen – oder doch nur ein alter Hut? Motivation einer Genossenschaft. In: Freihaus Nr. 14, S1-2