Frauen leben zusammen

Projekttyp:

Autonome Frauenwohnprojekte

Standort:

Hamburg

Projektierungsbeginn:

1993

Fertigstellung/ Erstbezug

1996

Kontakt:

Beata Huke-Schubert, Architektin

info[at]huke-schubert.de

Schwerpunkte:

Projekt allein lebender und allein erziehender Frauen im Eigentum einer alternativen Dachgenossenschaft

Der Blockinnenbereich (Quelle: MfBW NRW, 1997)
Ansicht Eingangsbereich von der verkehrsberuhigten Wohnstraße
Auch manche Aggression entlud sich …
1. Obergeschoss mit Dachterrasse auf dem Garagendach (Plan: Beata Huke-Schubert, Hamburg)
Maisonnette für Wohngemeinschaft vom 3. OG zum DG und eine kleine Wohnung (Plan: Beata Huke-Schubert, Hamburg)
Lageplan mit benachbarten Projekten rosaluxuslilalottaburg und Arche Nora (Plan: Beata Huke-Schubert, Hamburg)
Projektbeteiligte:
Initiatorin:

Frauen der Selbsthilfegruppe „Frauen leben zusammen“

Eigentum:

Wohnungsbaugenossenschaft Ottenser Dreieck eG (Neugründung)

Bauträgerin

Hausgemeinschaft „Frauen leben zusammen“ in der Wohnungsbaugenossenschaft Ottenser Dreieck eG

Architektur:

Beata Huke-Schubert, Hamburg

Umfang:
Projektumfang:

Gesamtprojekt

3-geschossiger Neubau mit einer Gesamtwohnfläche von 516 m², Teil des 7.850 m² großen Wohnquartiers „Zeisewiese“.

Wohnungen:

Sechs Wohneinheiten mit zwei bis sechs Zimmern und 64 bis 178 m² Wohnfläche. Einige der Wohnungen wurden als Wohngemeinschaftswohnungen geplant, zwei 2-Zimmer-Wohnungen wurden zusammengelegt. Die überwiegend mehrfunktionalen Räume sind zwischen 14,5 und 21,5 m² groß und bieten Platz für 17 Frauen und deren Kinder.

Kosten/Mieten:

Die Mieterinnen müssen der Genossenschaft beitreten. Durch ein niedriges Eintrittsgeld von 50 DM und einen Mindestanteil von 100 DM erleichtert die Genossenschaft den Erwerb von Fördermitgliedschaften, um ihre Eigenkapitalbasis zu verbreitern.

Finanzierung:

Eigenkapital der Genossenschaft und Eigenleistungen (Verlegung der Holzbodendielen, Malerarbeiten und die Garten- und Dachbepflanzung).

Im Rahmen des Sozialen Wohnungsbaus (1. Förderungsweg) gefördert.

Das von der Hausgemeinschaft aufzubringende Eigenkapital wurde vom Senat der Hansestadt Hamburg im Rahmen eines Programms, das die Verbesserung der Eigenkapitalausstattung von Wohnungsbauträgern (zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit) vorsieht, mit 190.000 DM bezuschusst.

Ziele/Motivation:
Zielgruppen:

Allein lebende und allein erziehende Frauen und deren Kinder.

Zielsetzungen:

Das Gebäude soll Frauen der Selbsthilfegruppe „Frauen leben zusammen“, die teilweise bereits in Wohngemeinschaften zusammen wohnten, die Möglichkeit bieten, in selbstbestimmten und selbstverwalteten Lebensräumen ausschließlich mit Frauen und ihren Kindern, teilweise in Wohngemeinschaften, teilweise in Einzelwohnungen, zusammenzuleben.

Die anlässlich der Neubebauung des Ottenser Dreiecks neu gegründete Wohnungsbaugenossenschaft, an der zum Zeitpunkt der Gründung noch die Wohnprojekte „Freiraum“ und „Stadtwohnen“ beteiligt waren, hat sich in der Satzung verpflichtet, das Gebäude des Projekts „Frauen leben zusammen“ ausschließlich Frauen zu überlassen und darüber hinaus Bestrebungen der jeweiligen Hausversammlungen zu fördern, Wohnungen ausschließlich für Frauen bereit zu stellen. Durch die weitgehende Übertragung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen auf die jeweiligen Hausgemeinschaften ist eine weitgehende Autonomie der Projekte gewährleistet.

Architektur/Städtebau:
Partizipation:

Selbstinitiiertes und selbstverwaltetes Projekt mit einer eigens für das Projekt gegründeten Genossenschaft als Bauherrin und Eigentümerin. Dementsprechend waren die späteren Nutzerinnen in allen Phasen der Planung aktiv beteiligt. Zudem wird das Haus im Rahmen der Wohnungsbaugenossenschaft Ottenser Dreieck eG selbst verwaltet.

Lage:

Das Projektgrundstück liegt verkehrsberuhigt inmitten des Hamburger (Szene-)Stadtteils Ottensen und ist Teil des 7.850 m² großen Wohnquartiers „Zeisewiese“.

Auf diesem Areal entstanden mehrere Gruppenwohnprojekte, denen unterschiedliche Organisationsformen, Projektideen und -zielsetzungen zu Grunde liegen, darunter mehrere Frauenwohnprojekte.

Das Wohnquartier hat eine sehr gute Anbindung an die bestehende Infrastruktur mit Fern- und S-Bahnanschluss, Kinos, Schulen, Markt usw. Gleich nebenan liegen die erhalten gebliebenen Gebäude der ehemaligen „Zeisefabrik“, die für diverse kulturelle Angebote genutzt werden.

Das Gebäude von Frauen leben zusammen ist ein viergeschossiger Zweispänner mit ausgebautem Dachgeschoss. Die (zusammengelegten) Wohnungen im ersten OG verfügen neben dem geschossbezogenen großen Balkon über eine begrünte Dachterrasse auf dem vorspringenden Garagendach. Alle Wohnungen sind zweiseitig orientiert und ermöglichen Ausblicke auf die Straße und den Garten. Die östlich gelegenen Wohnungen haben in den Wohnküchen, die mit einem großen Wohnraum gekoppelt sind, Fenster zu drei Seiten des Gebäudes. In den anderen Wohnungen liegen die Wohnräume nach Süden zum Garten mit jeweils einem großen, von zwei Wohnungen auch gemeinsam zu nutzenden Balkon. Einige der Wohnungen sind als Wohngemeinschaftswohnungen geplant, zusätzlich wurden zwei nebeneinander liegende 2-Zimmer-Wohnungen zusammengelegt.

Die PKW-Stellplätze wurden zusammen mit den Abstell-, Heizungs- und Trockenräumen im Erdgeschoss untergebracht, da keine Frau im EG wohnen wollte. Die Gruppe versuchte, die Garagenplätze zumindest teilweise in einen Gemeinschaftsraum umnutzen zu können, da mehr Stellplätze nachgewiesen werden mussten als Autos im Projekt vorhanden sind.

Gebäude:

Das städtebauliche Konzept „Wohnquartier Zeisewiese“ beinhaltet einen autofreien, nur für Feuerwehr und Müllfahrzeuge vorgesehenen, privaten Erschließungsweg und Innenhof. An der für Spiel und Begegnung idealen Straße, liegen, gleich gegenüber, zwei weitere Frauenwohnprojekte (das erste Projekt von Arche Nora und die rosaluxuslilalottaburg).

Das Projekt hat einen gemeinsamen Innenhof mit drei anderen Wohnprojekten (darunter dem Projekt HausArbeit, der von jeder Wohnung aus direkt über eine Wendeltreppe erreichbar ist.

Ökologie:

Sämtliche Holzbodendielen, die Decken und Innenwände wurden ausschließlich mit biologischen Farben behandelt.

Chronik

1993: Eintragung der Wohnungsbaugenossenschaft „Ottenser Dreieck eG“ in das Genossenschaftsregister

1996: Fertigstellung

Entwicklung seit Beginn:

Die Genossenschaft hat inzwischen ein weiteres Frauenwohnprojekt, das Projekt Olga Rabiata in die Genossenschaft aufgenommen.

Umsetzung feministischer Planungskonzepte im Projekt

• Schaffung von Wohnraum explizit für Frauen und Frauenwohngemeinschaften (mit ihren Kindern)

• Planung durch Architektin unter Beteiligung der Bewohnerinnen

• Selbstverwaltung und Vernetzung mit anderen Frauenwohnprojekten über die Genossenschaft

• Umzugsmöglichkeiten zwischen den Geschossen und Wohnungen

• überwiegend mehrfunktionale Individualräume

• großzügiges Treppenhaus mit Wohncharakter, das die Wohnungen sowie die Zimmer der Wohngemeinschaftswohnungen verbindet

• zum Teil offene Wohnküchen

• durch Kombination von Wohnräumen und Küchen teilweise großzügige Räume zum Durchwohnen

• gute Trennung von Rückzugsmöglichkeiten und gemeinschaftlichen Flächen bei der oberen Wohngemeinschaftswohnung

• stockwerksweise gemeinschaftliche Nutzung der Balkone möglich

• Nachbarschaftsbezug und sichere Spielmöglichkeit für Kinder durch gemeinsamen Innenhof

• gute Infrastruktur und ÖPNV-Anbindung

Weitere Projekte der Initiative:

Olga Rabiata Hamburg|10

Quellen:

Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hg.) (1996): Wohnsituation Alleinerziehender III. Ergebnisse des Forschungsfeldes „Wohnsituation Alleinerziehender und allein stehender Schwangerer in Notlagen“ des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus. Bonn, S. 22-23

Bura, Josef/Zillmann, Kerstin (1995): Experimenteller Wohnungs- und Städtebau. Forschungsfeld: Wohnsituation alleinerziehender und alleinstehender Schwangerer in Notlagen. Modellvorhaben: Alleinerziehenden-Selbsthilfeprojekte in Hamburg-Altona. Endbericht, Hamburg

Huke-Schubert, Beata (o. J.): Projektdokumentation „Frauen leben zusammen“, Hamburg

Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen (1997): Frauen bauen. Düsseldorf, S.18-21