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Quellen und Anmerkungen

Leitfaden - Realisierung des Projekts

Bauplanung und -umsetzung

Die eigentliche Bauplanung sowie die Organisation des Bauprozesses ist in jedem Fall Aufgabe der InvestorIn. Bei einem Wohnprojekt, das als Mietwohnungsbau einer InvestorIn oder von einer etablierten Genossenschaft oder einem sonstigen erfahrenen Träger realisiert wird, sind in dieser Phase vor allem die Beteiligungsmöglichkeiten der zukünftigen Bewohnerinnen zu klären. Soll das Projekt dagegen als individuelles oder gemeinschaftliches Wohnungseigentum realisiert werden, bestehen unterschiedliche Möglichkeiten der Organisation der Planung und Realisierung.

Bitte wählen Sie ein Thema:

  • Abschluss eines Kooperationsvertrags
  • Bauen mit einer BauträgerIn
  • Bauen ohne BauträgerIn
  • Partizipation der Bewohnerinnen

    Der Einfluss der zukünftigen Bewohnerinnen auf die bauliche Gestaltung des Projekts war bei den von uns dokumentierten Projekten sehr unterschiedlich und reichte, soweit überhaupt eine Partizipationsmöglichkeit gegeben war, von der Möglichkeit, aus mehreren Tapeten oder Fliesen eine auszuwählen, über die Wahlmöglichkeit zwischen mehreren vorgegebenen Grundrisstypen bis zur z. B. im Projekt des Berliner Beginenwerks gegebenen Möglichkeit, den Grundriss der Wohnung innerhalb eines vorgegebenen Rasters individuell zu bestimmen. Es ist kein Zufall, dass die Einflussmöglichkeiten bei diesem Eigentumsprojekt am größten waren, denn grundsätzlich sind die Einflussmöglichkeiten bei Eigentumsprojekten weitaus größer als bei einer Realisierung des Projekts als Mietwohnungsbau einer InvestorIn, da letztere immer auch die Vermietungschancen auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt mit einbezieht und sich deshalb nicht auf jede, als „ausgefallen“ eingeschätzte, Variante einlässt. Allerdings ist mit der Ausdifferenzierung des Wohnungsmarkts auch die Bereitschaft mancher InvestorInnen gewachsen, sich auf Ungewöhnliches einzulassen.

    Doch auch bei Projekten, bei denen die Projektmitglieder auf Grund der Rechtsform einen großen Einfluss haben (können), also bei allen Formen individuellen oder gemeinschaftlichen Eigentums, sind der Partizipation unter Umständen Grenzen gesetzt. Denn zum einen gilt: Flexibilität und Vielfalt haben ihren Preis – nicht bei der Farbe der Fliesen oder Tapeten, wohl aber, wenn individuelle Grundrissvarianten geplant und ausgeführt werden sollen. Ein Problem ist dabei auch die Entlohnung der Architektin, da die HOAI (die Honorarordnung für ArchitektInnen), kein adäquates Honorar für sehr zeitaufwendige Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Bewohnerinnen vorsieht – was der Kooperationsbereitschaft der planenden Architektin u. U. Grenzen setzt. Dies gilt erfahrungsgemäß insbesondere für von Investoren beauftragte Architekten, die keine Erfahrung mit stark partizipativ organisierten Bauprojekten haben. Umso wichtiger ist es, den Partizipationsprozess von Seiten des Projekts bzw. der Projektberatung gut zu organisieren. Dazu gehört auch, dass klare Entscheidungsstrukturen und -prozesse vereinbart werden. Im Fall der Realisierung des Projekts in Form gemeinschaftlichen Eigentums, z. B. durch eine neu gegründete Genossenschaft, heißt das auch, frühzeitig zu klären, welche Entscheidungen in der Phase der Entwurfsplanung und des Bauens von den offiziellen Gremien der Genossenschaft, insbesondere dem Vorstand, gefällt werden sollen und in welchen Punkten und in welchem Umfang die zukünftigen Bewohnerinnen mit entscheiden können – wobei, auch das zeigen die von uns dokumentierten Beispiele, nicht für alle Frauenwohnprojekte die Mitwirkung bei der Planung die gleiche Relevanz hat. Schließlich sind solche Verfahren auch für die zukünftigen Bewohnerinnen unter Umständen sehr zeitaufwendig.

    Ein Problem kann allerdings auch durch eine noch so gute Organisation der Partizipationsprozesse nicht verhindert werden: Die Tatsache, dass unter Umständen in nicht unerheblicher Zahl Interessentinnen an den Partizipationsprozessen beteiligt sind, die letztlich nicht in das Projekt einziehen. Je später der Partizipationsprozess beginnt bzw. in die entscheidende Phase tritt, desto geringer ist diese Gefahr – desto geringer sind aber auch die Einflussmöglichkeiten, da dann die wesentlichen Entscheidungen gefällt und keine grundlegenden Änderungen mehr möglich sind. Eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Frauen, die an den verschiedenen Stufen der Partizipationsprozesse beteiligt waren und den späteren Bewohnerinnen tritt nach unseren Erhebungen insbesondere bei den Projekten für Alleinerziehende auf, weil diese Gruppe oft unter drängenden Wohnungsproblemen leidet, die es ihnen nicht erlaubt, bei Projektverzögerungen (die eher die Regel als die Ausnahme sind) abzuwarten. Auf allzu ausgefallene Varianten sollte in solchen Projekten deshalb eher verzichtet werden.


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